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Nordafrika: Abou Zeids Tod ist ein Rückschlag für al Kaida

Der Tod Abou Zeids bedeutet noch lange kein Ende der Terrorgewalt in Mali. Ein Nachfolger wird schnell gefunden sein. Und einer der radikalsten Islamisten, der für tot erklärt wurde, ist es gar nicht.

Der Tod von Abou Zeid im Norden Malis, den das Terrornetzwerk al Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) am Montag bestätigte, ist ein schwerer Schlag für die Islamisten. Der etwa 45-jährige Algerier galt als einer der radikalsten Aqmi-Anführer und war für die Entführung zahlreicher westlicher Ausländer in der Sahel-Zone verantwortlich. Terrorismusexperten sind sich jedoch einig, dass sein Tod keinesfalls das Ende der Aktivitäten seiner Aqmi-Kämpfer bedeutet. Vielmehr dürfte rasch ein Nachfolger ernannt werden.

Abou Zeid wurde bei einem "französischen Luftangriff in den Bergen" von Ifoghas im Nordosten Malis getötet, wie ein Aqmi-Mitglied dem Internet-Dienst "Sahara Medias" sagte. Dort sind die Franzosen derzeit an der Seite von tschadischen Soldaten in heftige Kämpfe gegen islamistische Gruppen verwickelt, die sich in dem Gebirge an der Grenze zu Algerien verschanzt haben. Zeid wurde laut Aqmi aber nicht durch tschadische Militärs getötet, wie diese behauptet hatten.

Der gefürchtete Aqmi-Anführer war 2003 erstmals international in Erscheinung getreten. Damals war Zeid maßgeblich an der spektakulären Entführung von 32 europäischen Touristen im Süden Algeriens beteiligt, darunter 16 Deutsche. "Die ersten Fotos von ihm wurden von diesen Geiseln aufgenommen, die sie nach ihrer Befreiung in deutschen Medien veröffentlichten", sagt der algerische Journalist und Islamisten-Experte Mohamed Mokeddem, der die Zeitung "Ennahar" leitet.

Direkte Verbindung zur Zentrale von al Kaida

Seinen Aktionsradius weitete der aus Debdeb an der algerisch-libyschen Grenze stammende Zeid danach in die gesamten Sahel-Zone aus, "mit großer Beweglichkeit, mit der Entführung von Touristen im Süden Tunesiens und der Eröffnung der Front in Niger, die es vorher nicht gab", erläutert der französische Terrorismus-Forscher Jean-Pierre Filiu. Nach seiner Einschätzung hatte Zeid "eine direkte Verbindung zur Zentrale von al Kaida, und besonders zu dem Ägypter #Link;http://www.stern.de/politik/ausland/osama-bin-ladens-nachfolger-gestatten-aiman-al-sawahiri-al-kaida-boss-1696169.html;Aiman al Sawahiri#", der Nummer eins des weltweiten Terrornetzwerks.

Auch der regionalen Aqmi-Führung unter ihrem Ober-Chef, dem Algerier Abdelmalek Droukdel, blieb Zeid immer treu. Den Befehlen des Algeriers Yahya Abou al Hammam folgend, der vor wenigen Monaten zum Aqmi-Chef für Nordmali ernannt wurde, kommandierte er die rund 200 Mann umfassende Kämpfergruppe Tarik Ibn Ziyad.

Nach einer Trauerzeit dürfte Aqmi einen Nachfolger für seine Truppe bestimmen, vermutlich einen seiner Getreuen, die alle wie Zeid und Droukdel Algerier sind. In Sicherheitskreisen vor Ort wird vor allem Abu Khalil als möglicher Nachfolger genannt, der das absolute Vertrauen Zeids hatte und für ihn als Kundschafter tätig war.

Mokhtar Belmokhtar lebt

Der Tod Zeids könnte zwar andere Islamisten demotivieren und ein harter "Kern von Kämpfern" könnte mit ihm getötet worden sein, meint Gilles Yabi von der Forschungsgruppe International Crisis Group (ICG) für Westafrika in Dakar. Aber "Anführer sind immer gestorben, die danach ersetzt wurden". Und er fügt hinzu: Der Norden Malis sei nur ein Teil der Sahel-Zone, in der die islamistischen Gruppen aktiv seien. Selbst wenn "die Terroristen" aus Nordmali vertrieben würden, dann könnten sie sich in Ländern wie Algerien oder Libyen ausbreiten.

Auch Mamadou Samaké von der Universität in der malischen Hauptstadt Bamako glaubt, dass durch den Tod einzelner Anführer der Islamisten der "asymetrische Krieg" noch lange nicht vorbei ist. Die Gruppen würden sich vielleicht erst einmal "bedeckt halten", aber nicht für immer verschwinden. Es gebe "viele Gotteskrieger" in der Region.

Einer der Radikalsten von ihnen, der ebenfalls bereits für tot erklärt wurde, führt seinen Kampf in Nordmali offenbar unbeeindruckt weiter: Mokhtar Belmokhtar, genannt "der Einäugige", sei "ganz lebendig", versicherte Aqmi. Der Drahtzieher der spektakulären Geiselnahme vom Januar auf einem Gasfeld in Algerien will sich bald selbst mit einer Stellungnahme zu Wort melden.

Von Serge Daniel, AFP / AFP