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"USS Carl Vinson" vor Nordkorea: Trump droht mit einem Flugzeugträger, der eigentlich gar nicht da ist

Wie konnte das passieren? Tagelang geisterte unwidersprochen die Meldung durch die Welt, der Flugzeugträger "USS Carl Vinson" befände sich vor der koreanischen Küste. Dabei ist er dort bis heute nicht angekommen. Panne oder Absicht?

USS Carl Vinson

Die "USS Carl Vinson" am 14. April in der in der Sundastraße, die Meerenge zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java

War es pure Gedankenlosigkeit, Inkompetenz oder kühl kalkuliertes Spiel mit dem Feuer? Tagelang geisterte unwidersprochen die Meldung durch die Welt, die USA hätten den Flugzeugträger "USS Carl Vinson" vor die Küste Koreas beordert. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Vereinigten Staaten in der Region mit den Säbeln rasseln würden, doch nun stellt sich heraus: Der Verband aus Kriegsschiffen ist dort überhaupt noch gar nicht angekommen.

"USS Carl Vinson" soll erst Ende April ankommen

Vor zehn Tagen noch hatte das US-Pazifikkommando mitgeteilt, der Flugzeugträger sei angewiesen worden, von Singapur aus in koreanische Gewässer aufzubrechen - Hintergrund sind die wachsenden Spannungen im Nordkorea-Konflikt. Nur ist die "USS Carl Vinson" dort bis heute gar nicht aufgetaucht - die Ankunft in den Gewässern vor der koreanischen Halbinsel ist laut US-Medien nun erst Ende April geplant, wie der Nachrichtensender CNN berichtet. Laut der "New York Times" soll die Flotte in den nächsten Tagen ihr Ziel erreichen.

Ein Sprecher des US-Pazifikkommandos erklärte jetzt auf Anfrage, der Flugzeugträger sei mit ihren Begleitschiffen am 8. April von Singapur aus zunächst nach Australien aufgebrochen. Die Schiffe hätten vor der Nordwestküste Australiens an einer Trainingsmission mit der australischen Marine teilgenommen. Die "Carl Vinson" und deren Begleitschiffe seien nun auf ihrem Weg Richtung Norden in den Westpazifik.

Nordkorea statt Australien

Am 8. April allerdings war in einer Mitteilung der amerikanischen Pazifik-Flotte noch die Rede davon gewesen, dass die Schiffe vor die koreanische Küste beordert worden seien - anstatt nach Australien zu fahren. Südkoreanischen Medienberichten zufolge hätte der Marineverband voraussichtlich am Osterwochenende in Gewässern nahe der Halbinsel eintreffen sollen.

US-Präsident Donald Trump hatte dem TV-Sender Fox mit Blick auf Nordkorea gesagt:  "Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig." Trump hatte im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm mehrfach mit einem Alleingang gedroht. Die Verlegung der "USS Carl Vinson" war als Demonstration militärischer Stärke gewertet worden.

US-Verteidigungsminister mit fehlerhafter Erklärung

CNN sprach von "Kommunikationsfehlern" in der US-Regierung. Die "New York Times" berichtete, die Navy habe vor einer Woche vorschnell die Verlegung des Flugzeugträgers in koreanische Gewässer gemeldet. Außerdem habe US-Verteidigungsminister James Mattis eine fehlerhafte Erklärung dazu abgegeben. Die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA hatten sich in den vergangenen Tagen noch einmal verschärft. Vor diesem Hintergrund ist es noch befremdlicher, dass es mehr als eine Woche braucht, um eine offensichtliche Falschmeldung mit schwer zu kalkulierenden Folgen zu korrigieren. 

nik / DPA