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Wiederaufbau nach Brand: Wie reich ist die katholische Kirche und warum zahlt sie nicht für Notre-Dame?

Seit fast 2000 Jahren betreibt die katholische Kirche Vermögensaufbau - doch wie reich sie ist, kann oder will niemand sagen. Geld für Notre-Dame jedenfalls wird sie nicht geben, stellt ein Kardinal klar.

Nach der Fast-Zerstörung der Notre-Dame in Paris haben sich zahllose Spender bereiterklärt, für den Wiederaufbau der Kirche Geld zu geben. Keine 48 Stunden nach dem Unglück ist bereits eine Milliarde Euro zusammen gekommen. Allein drei französische Milliardärsfamilien wollen insgesamt rund 500 Millionen Euro spenden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die Kathedrale in fünf Jahren wieder aufgebaut zu haben – und bat um weitere Spenden. Angesichts der Großzügigkeit stellt sich die Frage: Und wie genau hilft die katholische Kirche?

Vatikan: Fachkompetenz, aber kein Geld

Antwort: Mit Restauratoren-Fachkompetenz, aber nicht mit Geld, wie der Vatikan angekündigt hat. Auf den ersten Blick eine irritierende Aussage: Die katholische Kirche weigert sich, finanzielle Mittel für die Sanierung einer katholischen Kirche bereitzustellen, einer berühmten Sehenswürdigkeit noch dazu? Vom Päpstlichen Kulturrat in Rom heißt es dazu nur lapidar, Notre-Dame gehöre dem französischen Staat und der habe genug Geld. Letzteres lässt sich wohl auch von der römischen Kirche behaupten, vermutlich die reichste Religionsgemeinschaft der Welt.

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Über wieviel Vermögen genau der Vatikan und die Bistümer verfügen, ist allerdings unklar. Sehr steile Schätzungen gehen davon aus, dass es bis zu zwei Billionen Euro sein könnten. Allerdings ist es schwer, die genaue Summe zu beziffern, da der enorme Besitz oftmals mehr ideellen Wert besitzt als materiellen. Beispiel Kölner Dom: Das Gebäude werde nach Angaben des zuständigen Erzbistums nur zum symbolischen Betrag von einem Euro geführt – "denn wer würde schon den Dom kaufen, der keine Einkünfte erzielt dafür aber jährlich Kosten in Höhe von rund zwölf Millionen Euro verursacht?", wie "Katholisch.de" rhetorisch fragt.

Reliquien: Unbezahlbar im Wortsinn

Ähnlich wertvoll oder wertlos ist anderer Besitz des Heiligen Stuhls. Dessen unzählige Reliquien und Kunstwerke sind unbezahlbar im wahrstem Sinne des Wortes und deshalb nicht zu vergleichen mit einem Barguthaben auf der Bank. Anders verhält es sich mit dem Landbesitz, der leichter veräußerbar wäre. Wie groß das Grundeigentum ist, lässt sich allerdings auch nur indirekt schätzen. Der Sozialforscher Carsten Frerk hat sich mit dem Vermögen der beiden Kirchen in Deutschland beschäftigt und kommt auf rund 150.000 Hektar Land, das der deutschen katholischen Kirche gehört. Das entspricht etwas mehr als der doppelten Fläche Hamburgs.

Der Hauptgrund für die undurchsichtigen Vermögensverhältnisse der katholischen Kirche ist deren dezentrale Organisation. So sind Erzbistümer grundsätzlich autark und nur dem Papst unterstellt. Und ihr Reichtum variiert stark. So gab die reichste Erzdiözese Deutschlands, München/Freising, ihr Vermögen Ende 2015 offiziell mit 5,5 Milliarden Euro an. Den ärmsten Diözesen der Welt, meist in Entwicklungsländern, existieren dagegen nur wegen Almosen aus dem Westen. Der Vatikan wiederum verwaltet sein eigenes Vermögen, das unter anderem in Form von Aktien und Gold vorliegt, über seine eigenen Banken – es wird auf 13 Milliarden Euro taxiert.

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Notre-Dame für "Gläubige und Nichtglaubende"

Kurzum: Die katholische Kirche ist sowohl extrem reich als auch mittellos. Vermutlich dürfte sie dennoch über ausreichend Vermögen verfügen, sich am Wiederaufbau von Notre-Dame zu beteiligen. Dass kein Geld fließt, begründet die Kirche nicht nur mit dem Hinweis, dass der Bau der Republik Frankreich gehöre, sondern auch damit, dass es eine Kathedrale für "Gläubige und Nichtglaubende" sei, wie der päpstliche Kulturratspräsident Kardinal Gianfranco Ravasi erklärte.

Quellen: Carsten Frerk, "Katholisch.de", "Welt", Kirche in Not, SRF.ch, "Tagesspiegel", "Ilsole24ore.com"