Notruf-Protokolle "Ist mein Mann in dem Gebäude, das gerade zusammengekracht ist?"


Kurz vor dem zweiten Jahrestag des Attentats wurden Protokolle der Gespräche auf New Yorker Amtsleitungen veröffentlicht. Ergänzt von Berichten überlebender Beamter dokumentieren sie Verzweiflung und Courage im großen Chaos.

Am 11. September 2001 kamen im World Trade Center circa 3000 Menschen ums Leben.

Die Hafenbehörde von New York und New Jersey war Besitzerin des World Trade Center. Auf ihrem Grund und Boden war das Gebäude rund 30 Jahre zuvor errichtet worden. Sie unterhält auch eine eigene Polizeitruppe. 84 Mitarbeiter der Port Authority starben bei den Anschlägen, darunter 37 Polizisten.

In den Notrufzentralen der Port Authority werden alle Telefonate, der Funkverkehr der Mitarbeiter sowie die Gespräche mit Feuerwehr und Polizei mitgeschnitten. Am 11. September glühten die Drähte. In den 103 Minuten von 8.45 Uhr, dem Zeitpunkt des ersten Einschlags, bis 10.28 Uhr, als der zweite Turm einstürzte, summierte sich die Dauer der Aufzeichnungen aller Leitungen und Kanäle auf 260 Stunden.

Die Port Authority verweigerte die Veröffentlichung der Aufzeichnungen mit Rücksicht auf die Opfer. Die "New York Times" klagte im März 2002 dagegen. Die Zeitung wollte die Einschränkung der Informationsfreiheit nicht hinnehmen. Ein Gericht in New Jersey gab ihr am Donnerstag vergangener Woche Recht.

Berichte der Überlebenden

Den Angehörigen bleibt es allerdings erspart, noch einmal Stimmen der Toten zu hören. Nur Abschriften der Tonbänder gelangten an die Öffentlichkeit. Mehr als die Hälfte der protokollierten Äußerungen können nicht eindeutig einer Person zugeordnet werden. Lärm und Schreie überdecken viele Worte. Das 2000 Seiten starke Informationspaket wird ergänzt durch handschriftliche Berichte. Überlebende Mitarbeiter der Port Authority schrieben für ihre Vorgesetzten auf, was sie am 11. September 2001 erlebt haben.

Im folgenden eine Auswahl an Notrufen, Funksprüchen und letzten Worten - ein bedrückendes Schwarzbuch:

"Hier sind 75 bis 100 Leute. Die meisten sind im 106. Stock, der 107. Stock ist voll mit Rauch. Wir müssen dringend wissen, wohin wir mit unseren Gästen gehen sollen"

Christine Olender, Managerin des Restaurants "Windows on the World"

"Richie, Richie, wo bist du? Wenn wir hier nicht rauskommen, müssen wir alle sterben. Der zweite Turm wird auch noch zusammenbrechen... Wir sitzen fest in Treppenhaus B, Turm eins"

Officer M. Simons

"Ich sah, wie Bürgermeister Giuliani und seine Leute flohen. Ich musste immer wieder anhalten, weil Menschen vor mir in den Tod stürzten. Ein Feuerwehrmann wurde von einem Körper erschlagen"

Officer A. Hamlett

Rundruf der Polizei

"An alle Einheiten. An alle Einheiten. World Trade Center zwei ist gerade zusammengebrochen"

Anruf aus dem World Trade Center kurz nach neun Uhr morgens am 11. September 2001

"Heather, ich bin's, dein Vater. Ich weiß nicht, ob du gerade den Fernseher an hast. Wir hatten eine Explosion hier im World Trade Center. Aber ich bin okay. Also mach dir keine Sorgen. Ich ruf dich wieder an. Ich liebe dich, bye."

"Ich hatte mich gerade in unser Computersystem eingeloggt, im Büro des Generalinspektors, Raum 7767, World Trade Center eins. Es gab zwei Explosionen kurz hintereinander. Die Druckwelle warf mich von meinem Sessel auf den Boden. Als ich wieder aufstand, schwankte das Gebäude wie ein Boot auf dem Wasser. Einer der anderen Beamten, James O'Sullivan, stürzte ins Büro und schrie, dass es eine Bombe gewesen sein muss und dass der Flur zerstört sei. Die Decken waren eingestürzt, die Gipsplatten von den Wänden gerissen, und sie brannten. Der Flur auf der 77. Etage füllte sich mit Menschen. Sie kamen vom Treppenhaus C. Sie schrien, dass die Türen auf dem 76. Stockwerk verschlossen seien und es keinen Fluchtweg gebe. (Shuhala ging die Treppen zum 76. Stock hinunter). Die Türklinke war kalt. Aber die Tür ließ sich nur einen Zentimeter weit öffnen. Ich versuchte, die Tür einzutreten, zwei Arbeiter halfen mir dabei. Einer von ihnen griff nach einem Feuerlöscher und wollte den Türpfosten aus der Wand brechen. Der Rigips knackte, gab aber nicht nach. Der andere Arbeiter wurde panisch und weinte, dass er in der Falle sitze und hier oben sterben müsse…"

Michael S. Shuhala, Inspektor im Büro der Port Authority

Anruf bei der Polizei im World Trade Center:

"Ja, wir sind im 92. Stock. Wir müssen wissen, ob wir raus sollen. Wir haben die Explosion gehört, wissen aber nicht, in welchem Gebäude." Officer Brady: "Sehen Sie Rauch?" Anrufer: "Nein, wir riechen nur was. Sollen wir hier bleiben oder raus? Ich warte." (Gemurmel im Hintergrund) Brady: "Ich würde bleiben, bis ihr was anderes hört." Anrufer: "Okay, wir werden nicht räumen."

Anruf bei der Polizei im World Trade Center: "Officer Maggett, hier ist Maggie vom Marriott Hotel World Trade. Hier liegt eine Frau mit schweren Verbrennungen in der Lobby. Und ich kriege niemanden beim Notruf. Ich brauche einen Krankenwagen. Und zwar so schnell wie möglich." Officer Maggett: "Sie sind Maggie?" "Ja, ich bin Maggie vom Marriott. Ich rufe ständig den Notruf an und lande auf Band." Maggett: "Und wissen Sie warum? Weil sie alle Hände voll zu tun haben. Jeder ruft gerade an."

Anruf bei der Polizei im World Trade Center:

"Hallo, mein Name ist Christine. Ich bin die stellvetretende Geschäftsführerin von Windows on the World. Niemand sagt uns, was wir tun sollen. Hier ist überall Rauch. Die meisten Leute sind im 106. Stock, der 107. Stock ist voll mit Rauch. Wir müssen dringend wissen, wohin wir mit unseren Gästen und unseren Angestellten gehen sollen." Officer Maggett: "Wir tun unser Bestes. Wir haben die Feuerwehr alarmiert, und alle versuchen, zu Ihnen raufzukommen. Rufen Sie in zwei oder drei Minuten wieder an. Ich versuche herauszufinden, welchen Weg Sie nehmen sollten." Christine Olender: "Okay, die Treppenhäuser A, B und C sind voller Rauch. Und es wird immer schlimmer hier oben."

Anruf bei der Notrufzentrale der New Yorker Polizei:

"Sergeant, hier ist Greg von NBC News. Ich suche einen, den wir per Telefon in unsere Sendung zuschalten können. Haben Sie wen?" Sergeant Wozack: "Wissen Sie was, ich kann jetzt nicht." Anrufer: "Und wann kann jemand?" Wozack: "Wir wissen noch gar nichts. Wir wissen nicht mal genau, was passiert ist. Wir wissen nur, dass da ein großes Loch ist. Ihr wisst doch sowieso mehr als wir."

"Wir parkten unseren Wagen vor dem World Financial Center. Officer Hall, Officer Niedermeyer und ich. Wir stießen auf mehrere Leute mit Verbrennungen. Für zwei schlimm verbrannte Frauen hielten wir einen Krankenwagen an, der die West Street herunterkam. In diesem Moment hörte ich ein starkes Donnern, und als ich nach oben blickte, sah ich ein Flugzeug, das aus Richtung Süden kam. ,Al, guck dir diese Scheiße an", brüllte ich. Das Flugzeug krachte in den zweiten Turm. Wir halfen weiter den Verletzten. Ich bekam eine Atemschutzmaske. Wir liefen einer nach dem anderen in den Nordturm. Denn im selben Moment sprangen Menschen aus dem Gebäude und landeten neben uns auf dem Bürgersteig. Wir besprachen uns kurz mit Inspektor Fields, der von Leichenteilen am Bein getroffen wurde, die durch die Lobby flogen. Wir arbeiteten uns ein Treppenhaus hoch und hielten an, um ein paar Feuerwehrleuten mit Sauerstoff zu helfen. In diesem Augenblick hörten wir ein gewaltiges Grollen, und das Gebäude schien zu schaukeln. Wir machten uns auf den Weg nach unten, denn es wurde ganz dunkel. Die Treppenhäuser waren voller Staub. Ich zog mein Hemd aus und gab es einer Frau, damit sie es sich vor Mund und Nase halten und ein bisschen leichter atmen konnte."

Officer J. Rivero

Anruf bei der Polizei im World Trade Center:

"Ja, ähm, hat das World Trade Center heute geöffnet?" Officer Murray: "Äh, im Moment nicht." Anrufer: "Ist alles zu?" Murray. "Ja." Anrufer: "Für die Dauer?" Murray: "Bis auf weiteres."

Anruf bei der Polizei im World Trade Center:

"Hallo, hier ist Christine noch mal vom Windows auf der 107. Etage. Wir warten noch immer. Wir haben Gäste hier oben?" Officer Murray: "Wie viele seid ihr ungefähr? Christine Olender: "Hier sind 75 bis 100 Leute." Murray: "75 bis 100. Und ihr seid auf der 106. oder 107. Etage?" Christine Olender: "106. 107 ist unmöglich. Der Rauch ist?" Murray: "Wir sind dabei, Polizisten und Feuerwehrleute zu euch zu schicken. Wir evakuieren sobald wie möglich. Christine Olender: "Aber wir brauchen einen sicheren Ort hier auf der 106. Etage, wo der Rauch noch nicht so schlimm ist. Könnten Sie uns zu einer bestimmten Stelle lotsen?" Murray: "Wir schicken sobald wie möglich jemanden. Wenn ihr es zu den Treppen schafft, wäre es gut." Christine Olender: "Das geht nicht. Das Treppenhaus ist ?"

"Detective de Mello und ich waren gerade an der Kreuzung Barclay/Greenwich angekommen, als drei Weiße in Anzügen zu mir liefen und zu schreien begannen, dass eine Rakete in den Turm zwei vom Dach des Woolworth-Gebäudes gefeuert worden sei. Ich sah nach oben, und mir schien Rauch von der Spitze zu kommen. Detective de Mello und ich rannten dorthin. Sobald wir drin waren, fragte ich nach dem Chef des Sicherheitsdienstes. Ein Schwarzer in Uniform eilte heran und fragte, wie er uns helfen könne. Ich sagte ihm, wir bräuchten einen sicheren Aufzug zum Dach. Er antwortete: "Folgen Sie mir.""

Detective R. P. Mendenhall

"Das Woolworth-Gebäude! Das Woolworth-Gebäude. Die schießen auf das Trade Center vom Woolworth-Gebäude." Funkspruch

"Achtung, an alle Einheiten. Stand by für den Holland Tunnel. Von der Ausfahrt des Holland Tunnels, ein bräunlicher Ford Alpha Lieferwagen mit New Yorker Nummernschild, Delta (nicht hörbar), November, acht neun, sieben, null. Es heißt, dass in diesem Wagen möglicherweise Terroristen sind mit Sprengstoff. Er fährt im Augenblick nach Osten. Aber wir haben ihn noch nicht gestellt, und er könnte in unsere Richtung kommen."

Funkruf der New Yorker Polizeizentrale

"Als wir uns dem Trade Center näherten, sagte ich zu Inspektor Infante, dass die ganze nordöstliche Ecke des Turms fehle. Ich sagte ihm, es sehe so aus, als würde er einstürzen. Inspektor Infante anwortete, das Trade Center könne einem Flugzeug widerstehen, das in das Gebäude hineinfliegt. Die Türme würden niemals zusammenbrechen ?"

Sergeant J. Poland

Anruf bei der Polizeizentrale:

"Sergeant, hier ist Pat Hoey. Ich bin von der Port Authority, ich bin im Trade Center?" Sergeant Mariano: "Was gibt's? Hoey: "Ich bin im 64. Stock?" Mariano: "Okay." Hoey: "In Tower eins." Mariano: "In Ordnung." Hoey: "Bei mir sind ungefähr 20 Leute?" Mariano: "Okay." Hoey: "Was raten Sie uns? (große Unruhe im Hintergrund) Bleiben, wo wir sind?" Mariano: "Bleibt, wo ihr seid. Brennt es da, wo ihr seid?" Hoey: "Nein, nur ein bisschen Rauch auf dem Boden." Mariano: "Sieht so aus, als gäbe es auch eine Explosion in Tower zwei." Hoey: "Okay." Mariano: "Seid vorsichtig, bleibt in der Nähe der Treppenhäuser und wartet darauf, dass die Polizei hochkommt." Hoey: "Sie kommen doch, ähm, okay? Werden sicher jeden Flur checken? (große Unruhe im Hintergrund) Bitte geben Sie weiter, dass wir hier oben sind." Mariano: "Verstanden."

"Ich schaute nach oben und bemerkte, wie etwas vom ersten Tower herunterfiel. Als ich das Objekt besser erkennen konnte, sah ich, dass es ein lebender Mensch war. Gleich darauf splitterte das Glas der Überdachung des VIP-Drives. Ich glaube, dass die Person einfach da durchgefallen ist. Auf dem Weg Richtung Süden auf der West Street sah ich, wie Bürgermeister Giuliani und seine Leute flohen. Ich musste immer wieder anhalten, weil zahlreiche Menschen vor mir in den Tod stürzten. Bevor ein Feuerwehrmann den ersten Turm erreichte, wurde er von einem Körper getroffen und erschlagen. Ich sah ungefähr acht Leute auf den Boden aufprallen oder explodieren, wenn sie auf andere Gegenstände trafen, Vordächer oder Straßenlampen."

Officer A. Hamlett

Anruferin: "Hi, das ist wieder Christine von Windows on the World." Officer Murray: "Okay, äh, Ma'am, so schnell wie möglich. Ich habe jedem Bescheid gesagt, der es wissen muss."

"Acht-eins World Trade Center." "Acht eins". "Ihr solltet wissen, dass wir 105 Leute…75 bis 100 Leute, äh…, eingeschlossen im Windows on the World, im 106. Stock, äh, kriegen jede Menge Anrufe. Sie werden allmählich panisch."

Funkspruch der New Yorker Polizei

"Im Treppenhaus informierte ich die Leute, dass Hilfe auf dem Weg nach oben ist und dass sie nicht drängeln und einer nach dem anderen runtergehen sollte. Ungefähr im zehnten Stock fing ein Mann an, sich vorzudrängeln und Leute beiseitezustoßen. Ich hielt ihn an, beruhigte ihn und sagte ihm, an den Ausgängen würden Leute bereitstehen. Er solle sich wieder einreihen und aufhören zu drängeln."

Captain D. Hanna

Anruferin: "Hier ist wieder Christine von Windows on the World im 106. Stock. Es wird immer schlimmer." Officer Murray (zu den Leuten im Hintergrund): "Dies ist der vierte Anruf von Windows on the World. Die Lage wird dramatisch schlechter da oben." Christine Olender: "Wir…wir haben die…Frischluft ist bald zu Ende. Ich übertreibe nicht." Murray: "Äh, Ma'am, ich weiß, Sie übertreiben nicht. Wir haben viele solcher Anrufe. Und wir schicken die Feuerwehr so schnell wie möglich rauf. Ich hab Sie nicht vergessen, Christine. Vier Anrufe, 75 bis 100 Leute, Windows on the World, 106. Stock." Olender: "Wie kommen wir an Luft?" Murray: "Die Feuerwehr ?" Olender: "Können wir ein Fenster einschlagen?" Murray: "Tun Sie, was Sie für nötig halten, um Sauerstoff zu bekommen." Olender: "In Ordnung." Das war Christine Olenders letzter Anruf. Aus dem Restaurant kam niemand lebend heraus.

"Irgendwann während der Evakuierung sah ich, wie sich der Metallrahmen des Treppenhauses zu verbiegen begann. "Das Gebäude bricht zusammen", schrie ich. Gleich darauf folgte ein gewaltiges Grummeln und ein Wind von solcher Stärke, dass er mich ins Treppenhaus drückte und die Metalltür hinter mir zuknallte. Da waren noch drei weitere Beamte, fünf Feuerwehrleute und 20 bis 25 Zivilisten. Ich konnte hören, wie der Schutt gegen die Tür knallte und uns einschloss. Eine dicke Wolke aus Staub, Beton und Flugbenzin hüllte uns ein. Wir konnten nichts mehr sehen. Ich rief nach meinem Kollegen. "Richie, Richie, wo bist du?" Er antwortete: ,Ich bin hier, Ich bin okay.' Die Feuerwehrleute wollten die Treppen weiter nach oben. Ich sagte zu ihnen: "Wir können da nicht rauf. Wir müssen sehen, dass wir rauskommen. Der zweite Turm wird auch noch zusammenbrechen." Er antwortete: 'Port Authority, streite dich nicht mit mir. Dies ist ein Job für die Feuerwehr. Wir übernehmen hier das Kommando.' Ich schrie zurück: "Wenn wir hier nicht rauskommen, müssen wir alle sterben." Die Zivilisten schauten zwischen dem Feuerwehrmann und mir hin und her. Der ging an sein Funkgerät und gab seiner Einsatzzentrale unseren Standort an: 'Wir sitzen fest in Treppenhaus B, Turm eins.'"

Officer M. Simons

"Während wir da standen, sahen wir beide einen Mann, der sich aus einem Fenster gelehnt hatte und mit einem weißen Handtuch winkte. Leute sprangen aus Turm eins auf die Straße. Als ich Richtung Liberty Street blickte, sah ich George Howard von JFK (Polizist am Flughafen) zu uns rennen. Er war etwa 120 Meter entfernt. Plötzlich krachte Turm zwei zusammen, und dieser Beamte lief dort gerade entlang mit all den Leuten hinter sich. Ich hoffte nur, dass es doch nicht George war." George Howard starb in den Trümmern.

Detective R. P. Mendenhall

"Das Geräusch des fallenden Gebäudes war so laut, dass jeder erstarrte und ungläubig aufschaute. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Autos. Ich begann zu brüllen, dass sich jeder in Sicherheit bringen solle."

Sergeant Thomas Marten Jr.

Funkverkehr:

"Zwei-sechs, Anthony, zwei-sechs Anthony, zwei?" Anthony: "John, wir hatten eine Explosion, John." John: "Anthony, raus da!" Anthony (kaum verständlich): "Geht nicht?" "Zwei-sechs, Anthony, zwei-sechs, Anthony" (Lärm und Schreie im Hintergrund) Anthony: "Einsatzzentrale. Hier ist Tony Savas. Ich stecke im Aufzug fest. Und Schutt…und Wasser kommt rein, und Rauch. Im 78. Stock. Eins World Trade Center. Aufzugnummer 81-A. Kann jemand kommen und den Aufzug öffnen, bitte." Niemand reagiert. Anthony: "Hört zu, dies ist Tony Savas. Wenn ihr könnt. Ich bin im 78. Stock, ich stecke im Aufzug fest. Wasser und Schutt fallen herab. Und ich bin in Aufzug 81-A. Bitte schickt jemand, die Türen zu öffnen." Funkverkehr: "Sagt Anthony, er soll zur Church und Liberty Street gehen, vor den Brooks-Brothers-Laden." Funkverkehr: "John, hier ist Chris. Sind Anthony oder Al bei dir?" Funkverkehr: "Zwei, zwei, zwei-sechs Anthony ?" John: "Wo ist er?" Funkverkehr: "Keine Ahnung. Wir sind durch die Lieferantenzufahrt rausgerannt. Keine Ahnung, Mann." Anthony Savas starb gemeinsam mit den Männern, die ihn retten wollten.

"An alle Einheiten. An alle Einheiten der Port Authority auf dem Notkanal der Polizei. World Trade Center zwei ist gerade zusammengebrochen. World Trade Center Gebäude zwei ist gerade zusammengebrochen. (Pause) Stand by. Stand by für Nachrichten aus der Zentrale."

Polizeikanal 16

"Hallo." Officer John Kannuzo: "Hast du das gesehen?" Kim: "Mein Gott, ich war im Supermarkt." John: "Das World Trade Center ist gerade zusammengekracht, Kim." Kim: "Ich weiß. Im Supermarkt waren all diese Leute und haben geschrien. Und einer ?" John: "Wir haben auch Leute von uns da. Weiß Gott." Kim: "O Jesus." John: "Sie haben auch das Pentagon getroffen." Kim: "O Gott." John: "Diese kranken Motherfucker ? Wir werden für eine Weile wohl kein Geld kriegen." Kim: "Was meinst du damit?" John: "Was ich damit meine? Das Trade Center ist weg, Kim. Da haben sie unsere Gehaltschecks geschrieben." Kim: "O Gott." John: "Wir müssen die Bank anrufen wegen unserer Hypothek und solche Sachen." John Kannuzo, Polizeiposten Newark Airport, im Gespräch mit seiner Frau

"Der Lärm war unglaublich. Es war wie ein Erdbeben und wie gleichzeitig unter 1000 Frachtzügen zu sein. Ich glaubte, das war's. Ich würde da nie rauskommen. Ich kroch zu einer Wand und rollte mich zusammen. Ich dachte an meine Frau und fragte mich, ob ich sie wohl je wiedersehen würde. Nach dem Krach wurde es totenstill. Ich fragte mich, ob ich der einzige Überlebende war."

Officer Anthony Croce

"Port Authority Police, Sergeant Holland." Anruferin: "Ja, Sergeant Holland, hier ist Jeannine McIntyre. Ist mein Mann in dem Gebäude, das gerade zusammengekracht ist?" Holland: "Ja, ja, wir haben von ihm gehört. Niemand von uns ist verletzt im Moment." McIntyre: "Aber er war auf dem Weg nach oben." Holland: "Ja, ich...weiß. Aber es ist…wir, keiner von uns? keiner unserer Leute ist verletzt." McIntyre: "Sind Sie sicher? Er hat mir gesagt, dass er auf dem Weg nach oben ist." Holland: "Ich verstehe. Es gibt noch keine? wir haben noch keine Nachrichten über Verletzte. Verstehen Sie? Ich ? ich verstehe. Es muss schlimm sein." McIntyre: "Er war auf dem Weg nach oben." Holland: "Ich weiß, ich weiß. Wir, wir hören nichts mehr über Funk. Keiner unserer Leute ist bis jetzt verletzt worden, Jeannine. Ich würde Sie nicht anlügen." McIntyre: "Aber er war auf dem Weg nach oben, ich weiß es." Holland: "Ich verstehe, glauben Sie mir. Alle sind oben oder unten oder wo auch immer. Sie räumen das Gebäude." McIntyre: "Aber es ist doch gerade zusammengebrochen." Holland: "Ich verstehe, ich verstehe, bleiben Sie in der Leitung." Holland verbindet sie. "Hier ist John O'Donnell." McIntyre: "Ja, hallo." O'Donnell: "Er war in Jersey, als es passierte." McIntyre: "Aber?" O'Donnell: "Verstehen Sie? Alle wurden dorthin beordert. Aber es ging ihm gut. Er war in Jersey. Aber wir…wissen Sie?" McIntyre: "Er war im Gebäude." O'Donnell: "Was wollen Sie damit sagen?" McIntyre: "Er war im World Trade Center, hat er mir gesagt." O'Donnell: "Gut, wir haben Leute rübergeschickt. Keine Ahnung, ob er wirklich drin war. Als die Sache passierte, war er in Jersey. Und dann erst schickten wir sie rüber?" Jeannine McIntyres Mann starb beim Einsturz von World Trade Center zwei, dem Südturm.

Sergeant Holland, Telefonzentrale der PATH-Bahnlinie, zwischen World Trade Center und New Jersey

"Versucht…versucht, sie raus zu bringen." "Räumen! Räumen! Räumen!"

Funksprüche des Sicherheitsdienstes im World Trade Center

Anrufer: "Hi, hier ist Pat Hoey. Ich bin im Trade Center, Tower eins. Ich bin von der Port Authority. Wir sind im 64. Stock. Der Rauch wird immer dichter. Wir haben vor…wir überlegen, ob wir die Treppen runtergehen sollen. Ist das vernünftig?" Polizeizentrale: "Ja. Versucht, rauszukommen." Hoey: "Okay." Polizeizentrale: "Okay?" Hoey: "Danke." Letzter Anruf von Pat Hoey. Er schaffte es nicht mehr nach unten.

"Jeder Atemzug fühlte sich so an, als hätte jemand einen Staubsaugerschlauch in meinen Mund gesteckt, der nicht saugte, sondern blies. Es war unheimlich still, dann folgten Geräusche, die sich wie Schüsse anhörten. Ich dachte, jetzt würden sie kommen und uns alle hinrichten ? Ich schrie nach irgendwem, der ein Feuerzeug oder Streichholz hat. Zum ersten Mal in meinem Leben wünschte ich, dass ich rauchen würde ? Ich musste mich bücken, um den Fußboden zu sehen. Ich erinnerte mich noch an das riesige Loch von 1993 (dem ersten Anschlag auf das World Trade Center) und wollte nicht darin enden. Meine Atmung wurde immer langsamer, ich bekam keine Luft mehr. Ich war mir sicher, dass ich sterben würde. Langsam folgte ich einer Wand, in der Hoffnung, eine Tür zu finden. Dann traf ich auf einen Notausgang. Ich dachte, toll, das ist es, ich komme raus. Ich öffnete die Tür und sah nur noch Dunkelheit."

Roger Fernandez, Port Authority Police Department

Funkverkehr: "Roko, wo bist du?" Roko Camaj: "Feuer, hier ist alles voller Rauch…Ich stecke auf dem Dach fest ? (Verbindung bricht ab) "Roko, wo bist du? Auf dem Dach?" Roko: "Ich bin mit (unverständlich)?, wir sind hier oben auf dem Dach." "Roko, stand by." Funkverkehr, kurze Zeit später: "Roko, ich will deinen genauen Standort." Roko: "Eins, null, fünf Nord." "Roko, stand by, ich melde mich gleich wieder." Roko: "Kommt einer rauf?" "Ich glaube nicht, Roko. Sie müssen einen anderen Weg finden, zu dir zu gelangen." Roko: "Lasst ja keine Leute rauf? Der Rauch ist zu schlimm." "Ich will, dass du in die Werkstatt auf dem Dach gehst und dort bleibst." Roko: "? (unverständlich) Rauch." Funkverkehr: "? dann zu Roko, wo genau bist du? Ich muss es ihnen sagen. Bist du im Treppenhaus oder auf dem Dach?" Roko: "Ich bin? (unverständlich)" "Roko, wenn die Treppe frei ist, komm runter. Lass dir Zeit. Alles, ähm, lass dir Zeit. (Pause). Roko, hast du verstanden? " Roko: "Gehe? (unverständlich)" "Kannst du die Treppe runtergehen?" Roko: (unverständlich) "Wenn du es bis aufs Dach schaffst, geh in die Werkstatt?" Roko: "Ich kann nicht." Der Fensterputzer Roko Camaj kam ums Leben.

"Wenigstens zwei Schwerverbrannte kamen aus Tower eins, bevor die Gegend abgeriegelt wurde. Ich ging ein paar Schritte zurück und beobachtete die obersten Stockwerke ? Ich sah, wie die Fassade der oberen Stockwerke herabfiel. Wir rannten um unser Leben. Ich lief auf der West Street Richtung Norden. Viele Leute verstanden überhaupt nicht, was ich rief. Sie standen unter Schock. Oder ihre Ohren waren vom Schmutz verstopft. Als ich an der Fußgängerbrücke nahe Vesey und West Street ankam, sah ich, wie zwei oder drei Etagen im Tower Nummer eins einstürzten. Die Antenne auf dem Dach begann zu wanken. Ich spürte, dass schwere Gegenstände hinter mir auf den Boden krachten. Als sich die Wolke lichtete, stellte ich erschüttert fest, dass keiner der Türme mehr stand."

Officer A. Hamlett

Anruf bei der Info-Hotline der New Yorker Polizei: "Kennen Sie meinen Vater, Thomas…(unverständlich)?" Officer Colligan: "Ich kenne Tommy." Anruferin schreit. Colligan: "Okay, meine Liebe, bleib ruhig. Ich kenne Tommy sehr gut. Dein Vater ist ein toller Kerl. Er wird schon in Ordnung sein, bleib ruhig." Anruferin: "Jeder sagt, alle sagen (Schreie)?" Colligan: "Okay, meine Liebe, hör zu, meine Liebe, bist du in Ordnung? Atme erst mal tief durch. Wenn wir mit Tommy reden, sagen wir ihm, dass er dich anrufen soll, in Ordnung?" Anruferin schreit. Colligan: "Okay, meine Liebe, beruhige dich, okay? Atme zweimal tief durch. Sprich mit deiner Mutter und deinen Schwestern." Anruferin: (unverständlich) Colligan: "Tommy ist ein toller Kerl. Du weißt, was für ein toller Kerl er ist." Anruferin: "Ja." Colligan: "Okay, meine Liebe?" Anruferin: "Ja." Colligan: "Okay? Und wenn du uns brauchst, ruf uns wieder an." Anruferin: "Ja ? Danke."

"Dies ist Jersey City an jeden, der uns auf Notruffrequenz noch empfangen kann. Wir brauchen dringend medizinisches Gerät. Wenn es irgendeine Stadt gibt, die was für uns tun kann, bringt die Sachen zum Liberty Park, Ellis Island. Dies ist Jersey City an jeden, der uns auf der Notruffrequenz empfangen kann…Wir brauchen dringend medizinisches Gerät…"

Funkspruch Jersey City Police

Anruf eines Polizisten: "Hallo?" Frau: "Frank, bist du's?" Mann: "Liebling, Liebling (unverständlich)…die Explosion gehört." Frau: "Ja?" Mann: "Und…sie haben das World Trade Center in die Luft gejagt. Und ich hänge hier in der Polizeistation fest." Frau: "Du machst Witze?" Mann: "Nein, ich mache keine Witze…Es gab diese Raketenangriffe oder Flugzeuge, und dann rannte ich um mein Leben, weil die Gebäude einzustürzen begannen. Und ich habe nichts gemacht…" Frau: "Geht's dir gut?" Mann: "Es ist (unverständlich) Geburtstag, es ist wirklich schrecklich, Liebling…Ich habe den Angriff überlebt…"

"Ich hatte gemeinsam mit Andy Rodriguez und Richard Rodriguez eine Fahrgemeinschaft zur Arbeit. Und Rich gehörte zu den Vermissten. Er war ein enger Freund von mir, ein Klassenkamerad, und ich kannte seine Frau Cindy. Ich wollte sie anrufen und mit ihr reden, aber ich hatte keine Informationen darüber, wo Rich war. Um Mitternacht rief Cindy bei mir zu Hause an und fragte, ob ich wüsste, wo er ist. Denn sein Mobiltelefon ging nicht. Ich sagte ihr, dass ich keine Ahnung hätte und ich die Polizeieinsatzzentrale anrufen würde. Ich sprach mit Sergeant Leary und fragte ihn nach irgendwelchen Informationen über unsere vermissten Kollegen. Er sagte, in allen Krankenhäusern würden Ermittler auf die Ankunft verletzter Leute warten. Cindy rief in dieser Nacht noch dreimal an, und jedes mal sprach ich danach mit Sergeant Leary über mögliche Neuigkeiten. Um sechs Uhr morgens, am 12. September 2001, rief ich sie noch einmal an. Ich hatte keine gute Nachricht für sie."

Sergeant Thomas Marten Jr.

Zusammengefasst von: Cornelia Fuchs, Hans-Hermann Klare, Uli Rauss, Michael Saur, Michael Streck

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