Nuklearprogramm Nordkorea erpresst USA mit Atomtest


Nordkorea verschärft die Gangart: Das Land droht mit dem Abschuss einer Atomrakete, um die USA dazu zu bringen, direkt mit dem Regime zu verhandeln. In New York berät derweil der Sicherheitsrat über Sanktionen gegen Nordkorea.

Nach seinem ersten Atomwaffentest droht Nordkorea nun mit dem Abschuss einer Rakete mit Nuklearsprengkopf. Zu einem solchen "bedauerlichen Vorfall" könne es kommen, wenn die USA ihre Haltung nicht aufgäben, sagte ein nordkoreanischer Beamter laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Laut des nordkoreanischen Botschafters in Australien stehe das Land "unter extremer Bedrohung eines US-Atomkriegs".

Der Atomwaffentest sei Ausdruck der Absicht, die USA zu bilateralen Verhandlungen zu bewegen. Dies lehnt Washington aber bislang ab. Wenn die USA "entsprechende Maßnahmen" ergriffen, sei Nordkorea bereit, auf sein Atomwaffenprogramm zu verzichten und wieder an den Sechs-Parteien-Gesprächen teilzunehmen, sagte ein nordkoreanischer Regierungsvertreter weiter. Gespräche seien jederzeit möglich, "allerdings nur dann, wenn die USA begleitende Maßnahmen ergreifen", zitierte Yonhap den nicht näher genannten Vertreter Nordkoreas. Was genau die Nordkoreaner verlangen bliebt aber offen.

Die Mitglieder des Weltsicherheitsrats wollen mit harten Sanktionen auf den Atomwaffentest reagieren. Die USA brachten einen entsprechenden Resolutionsentwurf in Umlauf. Darin wird Nordkorea eine eklatante Missachtung der internationalen Gemeinschaft vorgeworfen, die zum Verzicht auf den Atomwaffentest aufgerufen hatte. An Sanktionen sind unter anderem ein Waffenembargo und ein Handelsverbot für alle anderen militärischen Güter sowie für Luxuswaren vorgesehen. Darüber hinaus sollen alle Guthaben eingefroren werden, die im Zusammenhang mit dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm stehen könnten.

"Wir wollen eine sehr schnelle Reaktion des UN-Sicherheitsrats", sagte der US-Gesandte John Bolton. "Notfalls werden wir rund um die Uhr arbeiten, um schnell zur Annahme einer Resolution zu kommen." Aus Diplomatenkreisen ist allerdings zu hören, dass die Verabschiedung von Sanktionen einige Tage dauern könnte, da die Mitglieder des Sicherheitsrats mit ihren Regierungen beraten würden.

Selbst China, der traditionell engste Verbündete des kommunistischen Regimes in Pjöngjang, hat seinen Widerstand gegen Strafmaßnahmen offenbar aufgegeben, wie der südkoreanische Gesandte für atomare Angelegenheiten, Chun Young Woo, sagte. "Ich glaube, China wird alles in seiner Macht Stehende tun, um Nordkorea von einer weiteren Eskalation der Lage abzuhalten und an den Verhandlungstisch zurückzubringen", sagte Chun. Aus dem chinesischen Außenministerium hieß es, der nordkoreanische Atomwaffentest habe negative Auswirkungen auf die Beziehungen der beiden Staaten.

Reisebeschränkungen für nordkoreanische Beamte

Auf Drängen Japans wurde der vom Sicherheitsrat geplante Handelsboykott noch dahingehend ausgeweitet, dass kein Land mehr nordkoreanische Schiffe in seine Häfen oder nordkoreanische Flugzeuge landen lassen darf, wenn diese Güter transportieren, die vom Embargo betroffen sind. Ferner werden ranghohen nordkoreanischen Beamten Reisebeschränkungen auferlegt.

Der japanische Kabinettssekretär Yasuhisa Shiozaki sagte, Tokio schließe auch militärische Sanktionen gegen Nordkorea nicht aus. Einzelheiten müssten jedoch im Weltsicherheitsrat erörtert werden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte die Befürchtung, dass nach dem nordkoreanischen Test der Atomwaffensperrvertrag ausgehöhlt werden könnte. Die Autorität des Vertrags könnte in Zweifel gezogen werden, sagte der SPD-Politiker. Er zog eine Parallele zum Atomstreit mit dem Iran. In beiden Fällen gehe es darum, "die jeweilige Führung von einem verhängnisvollen Kurs abzubringen".

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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