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Krieg in der Ukraine "Muss nun den Hintern hochbekommen": Oberst a.D. kritisiert Bundesregierung scharf

Sehen Sie im Video: Oberst a.D. Ralph Thiele schätzt die Lage im Ukraine-Krieg ein.




Oberst a.D. Ralph Thiele, Vorsitzender der Politisch-Militärischen Gesellschaft, war Kommandeur einer Flugabwehr-Raketengruppe und in div. Nato-Stäben. Er schätzt die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg so ein:
  • Die von der NATO versprochenen Raketenabwehrsysteme sind gegen Drohnenangriffe machtlos
  • Die Israelis haben ausgefeilte Abwehrsysteme, wollen aber verkaufen
  • Die Bundeswehr ist weit weg von "irgendeiner Relevanz bei Technologien" (außer IRIS T und Panzerhaubitzen)
  • Die Bundesregierung müsse bei der "Verteidigung den Hintern hoch bekommen"
Er zeigt sich unbeeindruckt davon, dass Putin Kriegsrecht verhängt hat. Schließlich sind die Menschen in einer Blitzkriegsaktion erobert worden. Jetzt werde es nur formalisiert, damit es plakativ nach außen wirkt. "Das macht den Kohl nicht fett."
Dennoch können Reisefreiheiten eingeschränkt werden und es könnten Zwangsrekrutierungen stattfinden.


Die versprochenen Abwehrsysteme der NATO könnten in der Ukraine wenig leisten. Drohnen sind auf den Radaren grundsätzlich nur schwer zu erkennen. Das Spektrum, wie Drohnen bekämpft werden können, sei unendlich weit, aber nicht sehr erfolgreich.
Die Amerikaner setzen auch Greifvögel ein, um Drohnen zu fangen. Das zeige wie abenteuerlich der Ansatz sei.
Fortgeschritten dagegen sei, mit elektronischen Störmanövern die Elektronik außer Gefecht zu setzen. Angemessen wäre eine Laserbekämpfung.
Aber die brauchen sehr viel Energie und sind deshalb sehr unbeweglich.


Israel sei sehr klein, aber es gebe wenig, was sie nicht können. Finanziert werde das unter anderem über Exporte ihrer Systeme in die ganze Welt. Deshalb müssen sie aufpassen, bei einer Unterstützung der Ukraine sich ihre Kundenbeziehungen nicht zu verderben.
Die Ukraine brauche jetzt allerdings mehr Hilfe, damit nicht die ganze Energieinfrastruktur zerstört wird. Von der Energieinfrastruktur hänge nämlich nicht nur die Bevölkerung ab, auch die Leistungsfähigkeit der Streitkräfte, die den Strom auch für ihre Transporte brauche.


Putin sei weit weg vom strahlenden Siegerimage. Er stehe extrem unter Druck und muss liefern, was er gerade nicht tut. Trotzdem sitze er fest im Sattel. Er hoffe darauf, so lange durchzuhalten, bis uns die Probleme mit der Energielieferung und die hohen Preise über den Kopf hinaus wachsen und er gewinnt.
Die Ukraine selbst ist nicht mehr in einer Führungsrolle, sondern sei mittlerweile schon sehr gesteuert durch andere Länder, besonders die USA.


Zur Sicherung der Infrastruktur bei uns müssen Geheimdienste gestärkt werden. Zusätzlich müsse ressortübergreifend zusammengearbeitet werden. Die Aufstellung eines Territorialkommandos bei der Bundeswehr sei schon ein richtige Schritt. Die Hauptangriffsflächen seien aber gerade Staat, Gesellschaft und kritische Infrastruktur. Da kann die Bundeswehr aber nur Hilfestellungen leisten und nicht federführend sein.


Die Bundeswehr sei sehr schwach ausgestattet und gebe momentan viel ab, man weiß aber nicht wann Nachschub für die Bundeswehr kommt.
"Es liegt am Ende des Tages daran, dass Verantwortliche in Regierung, insbesondere in Verteidigung den Hintern hoch bekommen müssen."
Die Bundeswehr sei sehr weit weg von irgendeiner Relevanz bei neuen Technologien. Abgesehen von Panzerhaubitzen und IRIS T sei nichts innovativ. Künstliche Intelligenz spiele keine Rolle bei uns und das müsse sich dringend ändern
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Russlands Präsident Wladimir Putin hat über die illegal annektierten Gebiete in der Ukraine das Kriegsrecht verhängt. Oberst a.D. Thiele sieht darin keinen großen Unterschied. Doch an der Bundesregierung übt er scharfe Kritik.
tkr

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