Pakistan "In der Luft hing Geruch von Blut"


Rund zehn Stunden nach Rückkehr der Ex-Ministerpräsidentin Benazir Bhutto nach Pakistan wurde in Karatschi ein Anschlag auf ihren Konvoi verübt. Während Bhutto selbst unverletzt blieb, starben 139 Menschen. Bhuttos Ehemann sagte, Pakistans Präsident sei Schuld an der Gewalttat.

Nach einem triumphalen Empfang bei ihrer Rückkehr nach Karachi ist die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto nur knapp einem verheerenden Attentat entgangen. Mindestens 133 Menschen kamen dabei ums Leben, etwa 290 wurden verletzt, wie es aus Krankenhäusern hieß. Bhuttos Konvoi wurde nach Polizeiangaben zunächst von einer Granate getroffen, kurz darauf zündete ein Selbstmordattentäter einen gewaltigen Sprengsatz. Bhutto selbst blieb unversehrt.

Bhutto sei sofort nach den Explosionen in ihre Residenz in Karachi gebracht worden, sagte Polizeichef Azhar Farooqi. An ihrem Lastwagen waren Scheiben zu Bruch gegangen, ein Fahrzeug der Polizeieskorte ging in Flammen auf. Es war die bislang schwerste Anschlagsserie in der Geschichte Pakistans. Zu mutmaßlichen Tätern wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern.

Der Fotograf B. K. Bangash der Nachrichtenagentur AP hat den Anschlag als Augenzeuge hautnah miterlebt. "Die erste Explosion hörte sich an, als ob ein Reifen an einem Bus geplatzt wäre. Ich ging näher heran, da gab es eine zweite Explosion. Dutzende Leute rannten als Flammenbälle umher. Dreck und Trümmer wurden in den nächtlichen Himmel geschleudert. Ich sah aber auch mindestens zwei Kinderleichen. Die Flammen schickten Hitzewelle durch die Straßen. In der Luft hing der Geruch von Blut. Etwa 20 Minuten später - es erschien wie eine Ewigkeit - drangen die Sirenen von Krankenwagen durch das Chaos."

Rückkehr aus dem Exil nach acht Jahren

Bhutto war nach acht Jahren im Exil nach Pakistan zurückgekehrt, wo ihr mehr als 150.000 Anhänger einen jubelnden Empfang bereiteten. Sie wollte umgehend zum Grabmal des Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah fahren, doch kam ihr Fahrzeugkonvoi in den überfüllten Straßen nur im Schneckentempo voran. Nach etwa zehn Stunden kam es dann zu den tödlichen Anschlägen. Bhutto war vor möglichen Attentätern gewarnt worden, hatte aber dennoch darauf bestanden, durch die Straßen der Hafenstadt Karachi zu fahren.

Präsident Pervez Musharraf nannte die Anschläge eine "Verschwörung gegen die Demokratie in Pakistan". Die Bevölkerung rief er zur Ruhe auf. Die Regierung werde alles tun, um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Ehemann der pakistanischen Ex-Ministerpräsidentin Benazir Bhutto hat Präsident Pervez Musharraf für das Attentat auf seine Frau verantwortlich gemacht. "Ich gebe der Regierung die Schuld an diesen Anschlägen", sagte Asif Ali Sardari in Dubai dem Fernsehsender Aryone World Television. Es sei das Werk der pakistanischen Geheimdienste.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich entsetzt über die Anschläge und verurteilte sie zutiefst, wie sein Büro in New York erklärte. Ban rief alle politischen Kräfte in Pakistan dazu auf, die nationale Einheit zu bewahren und zu stärken. Gordon Johndroe, der außenpolitische Sprecher von US-Präsident George W. Bush, sagte, es dürfte Extremisten nicht gestattet werden, freie und demokratische Wahlen in Pakistan zu verhindern. Das Volk müsse über seine Repräsentanten frei entscheiden können. Ähnlich äußerten sich auch die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Lissabon.

Bhutto will Bündnis mit Musharraf

Bhutto will bei der Parlamentswahl im Januar als Spitzenkandidaten ihrer Pakistanischen Volkspartei (PPP) antreten. Der Anfang des Monats vom Parlament wiedergewählte Präsident Musharraf sieht sich einer wachsenden Opposition gegenüber. Zur Stärkung seiner Position führte er mit Bhutto Gespräche über ein mögliches Bündnis. Im Gegenzug erhielt die frühere Regierungschefin die Zusage, dass sie nach ihrer Rückkehr nicht mit einer Strafverfolgung wegen Korruption rechnen müsse. Die PPP-Politikerin genießt nach zwei Regierungszeiten in weiten Teilen der pakistanischen Bevölkerung hohes Ansehen.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker