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Pakistan: Al Kaidas Nummer drei gefasst

Abu Faradsch al Liby gilt als die Nummer drei in der al-Kaida-Hierarchie. Deshalb sind die Antiterrorkämpfer besonders stolz, ihn nun in Pakistan festgenommen zu haben - zumal al Liby wissen könnte, wo sich Osama bin Laden aufhält.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf kann sich die Hände reiben. Mit der Festnahme von Abu Faradsch al Liby ist seinen Sicherheitskräften nach langer Durststrecke wieder ein spektakulärer Schlag gegen al Kaida gelungen. Al Liby wird als Nummer drei des Terrornetzes beschrieben. Und der Libyer könnte wahrlich brisante Informationen besitzen: Er gilt als einer der wenigen al Kaida-Führer, die wissen könnten, wo sich Osama bin Laden und dessen Vize Ayman al Sawahiri verstecken.

Militärchef und Chefplaner von al Kaida

Al Liby soll nach der Festnahme von Chalid Scheich Mohammed im März 2003 zum Militärchef und Chefplaner von al Kaida aufgestiegen sein. Mit seiner Festnahme präsentiert sich Musharraf den USA als treuer Partner im Kampf gegen den Terrorismus, in dem Pakistan schon lange wieder in der Bringschuld gewesen zu sein schien.

Die USA hatten das notorisch unruhige Land mit seinen blutigen Konflikten im vergangenen Jahr als einen ihrer wichtigsten Nicht- Nato-Partner geadelt. Vor kurzem gab die US-Regierung zudem dem jahrelangen Drängen der Verbündeten in Islamabad nach und sagte Pakistan gegen den erklärten Widerstand Indiens F-16-Kampfflugzeuge zu - Belohnungen für das Engagement im Anti-Terror-Krieg.

Dabei lag der letzte Erfolg Pakistans vor al Libys Festnahme rund zehn Monate zurück - trotz blutiger und verlustreicher Operationen der Armee in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze, wo Terroristen noch immer Zuflucht finden und auch Bin Laden vermutet wird. Im Juli vergangenen Jahres war den pakistanischen Fahndern mit Ahmed Khalfan Ghailani zuletzt ein al-Kaida-Führer ins Netz gegangen. Er soll bei den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 eine Schlüsselrolle gespielt haben.

Mit Al Liby hat Musharraf auch noch eine durchaus persönliche Rechnung offen: Der Libyer, der unter den fünf meistgesuchten Terroristen Pakistans war, soll der Drahtzieher zweier Selbstmordanschläge gegen den Militärmachthaber im Dezember 2003 gewesen sein. Genau deshalb allerdings wird die Festnahme des Libyers längst nicht alle Pakistaner zum Jubeln bringen. Besonders die radikalen Muslime im Land, denen Musharraf wegen seiner Zusammenarbeit mit den USA verhasst ist, dürften mehr oder weniger offen Sympathie für al Liby hegen.

Großer Erfolg blieb bislang

Trotz des jüngsten Schlages gegen al Kaida: Der ganz große Erfolg bleibt immer noch aus. Mehr als dreieinhalb Jahre nach den Anschlägen von New York und Washington, trotz markiger Ankündigungen der USA und einer beispiellosen Suche ist Osama bin Laden seinen Häschern bislang nicht ins Netz gegangen. Die Spur Bin Ladens, so sagte Musharraf Ende vergangenen Jahres, sei erkaltet. Auch wenn al Liby tatsächlich wissen sollte, wo der meistgesuchte Mann der Welt Zuflucht gefunden hat: Ob er ausgerechnet den USA und Pakistan dabei helfen wird, die Spur wieder aufzunehmen, dürfte mehr als fraglich sein.

Can Merey/DPA / DPA