Pakistan Viele Tote bei Anschlag nahe Roter Moschee


Bei einem Selbstmordanschlag nahe der Roten Moschee in Islamabad sind nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Kurz zuvor war das umstrittene Gotteshaus unter Protesten wieder eröffnet worden.

Bei einem Selbstmordanschlag nahe der am Freitag wieder eröffneten Roten Moschee in Islamabad sind nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Ziel des Anschlags waren Polizisten, die auf einem belebten Markt in der pakistanischen Hauptstadt aßen. Ein junger Mann sei auf die Beamten zugegangen und habe sich in die Luft gesprengt, berichtete ein Augenzeuge. Unter den Toten seien sieben Polizisten, sagte Innenstaatssekretär Kamal Shah. Etwa 42 Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden. Die Explosion verwüstete umliegende Geschäfte. Leichen und Körperteile lagen zwischen Blut und Trümmern.

Zuvor war es bei der Wiedereröffnung der Roten Moschee gut zwei Wochen nach Erstürmung des von radikalen Islamisten besetzten Gotteshaus zu Unruhen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas gegen mehrere hundert Steine werfende radikale Gläubige ein. Fünf Menschen wurden verletzt, 100 festgenommen. Zum Mittagsgebet hatten bereits 2500 Anhänger der früheren Moscheeführung das Gotteshaus besetzt.

Neuer Imam verjagt

Sie verjagten einen neuen von der Regierung eingesetzten Imam und forderten die Freilassung des früheren Moschee-Vorstehers Maulana Abdul Aziz, der bei einem Fluchtversuch aus der belagerten Moschee gefasst worden war. Sie beschimpften Präsident Pervez Musharraf als "Hund" und riefen zum Dschihad (Heiligen Krieg) auf. Auf dem Dach hissten sie Dschihad-Fahnen und begannen, die nach der Eroberung durch das Militär weiß getünchte Moschee wieder rot zu streichen.

Militante Muslime hatten nach der einwöchigen Belagerung und Erstürmung der Moschee blutige Vergeltung geschworen. Nach offiziellen Angaben waren bei der Operation 102 Menschen, darunter 11 Soldaten, getötet worden. Augenzeugen hatten auch von zahlreichen zivilen Opfern berichtet. Unter den Toten war auch der Anführer der Extremisten, Maulana Abdul Aziz’ Bruder Abdul Rashid Ghazi. Erst in der vorigen Woche waren bei einem Anschlag in Islamabad 18 Menschen ums Leben gekommen.

Musharraf hatte die Militäraktion angeordnet, nachdem die Islamisten in der Moschee die Regierung zunehmend herausgefordert hatten. So entführten selbst ernannte Sittenwächter unter den Koranschülern mehrere Chinesen, denen sie Prostitution vorwarfen.

Vermehrt Anschläge in Pakistan

Besonders in den halbautonomen Stammesgebieten im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan ist es seit der Erstürmung der Roten Moschee vermehrt zu Anschlägen gekommen. Die Grenzregion gilt als Rückzugsgebiet von El Kaida-Terroristen und Taliban-Kämpfern.

Im Südwesten von Pakistan erschossen Attentäter unterdessen den Regierungssprecher der Provinz Balutschistan. Zu dem Mord bekannte sich die verbotene Befreiungsarmee Balutschistans, die für eine stärkere Beteiligung an Einkünften aus den Bodenschätzen der Provinz kämpft.

DPA DPA

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