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Pakistan: Wichtigster Schlag seit langem

Der pakistanischen Regierung ist eine spektakuläre Festnahme im Kampf gegen Al-Kaida geglückt: Ahmed Khalfan Ghailani stand auf der Liste der weltweit meistgesuchten Terroristen.

Die amerikanische Bundespolizei FBI verdächtigte Ahmed Khalfan Ghailani im Mai, einen neuen Al-Kaida- Anschlag zu planen. Jetzt sitzt "Ahmed der Tansanier", wie der mutmaßliche Terrorist auch genannt wurde, in pakistanischer Haft. Der Regierung in Islamabad ist der wohl spektakulärste Schlag gegen Al Kaida seit der Festnahme von Khaled Sheikh Mohammed, einem der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, vor mehr als einem Jahr gelungen. Dass der Afrikaner Ghailani versuchte, sich mit seiner usbekischen Ehefrau mitten in dem südasiatischen Land zu verstecken, zeigt: Terroristen halten Pakistan immer noch für sicheres Rückzugsgebiet.

"phänomenalen Erfolg"

Ghailani soll eine Schlüsselrolle bei den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam vor knapp sechs Jahren gespielt haben. Ghailani stand auf der FBI-Liste der 22 meistgesuchten Terroristen. Nach seiner Ergreifung sprach der pakistanische Innenminister Makhdoom Faisal Saleh Hayat nun von einem "phänomenalen Erfolg" - der nicht nur Washington, sondern auch Islamabad sehr gelegen kommen dürfte.

Fast drei Jahre nach Beginn des Anti-Terror-Krieges ist Pakistan den Terroristen besonders im Grenzgebiet zu Afghanistan, wo etwa Al-Kaida-Chef Osama bin Laden und Taliban-Führer Mullah Omar vermutet werden, immer noch nicht Herr geworden. Zwar hat Präsident Pervez Musharraf die Gangart verschärft. Doch die blutigen Offensiven in den halbautonomen Stammesgebieten an der Grenze brachten bislang keine spektakulären Erfolge. Musharraf aber steht unter Druck der USA. Sie ernannten Pakistan kürzlich zu einem ihrer wichtigsten Partner außerhalb der NATO - obwohl das Land mit seinen radikalislamischen Kräften als Pulverfass gilt und in jüngerer Vergangenheit vor allem mit illegalen Atomwaffen-Lieferungen Schlagzeilen machte.

Treuer Partner im Kampf gegen den Terror

Die pakistanische Regierung versucht, sich als treuer Partner im Kampf gegen den Terror zu präsentieren - womit sie sich im Frühjahr selber in eine peinliche Lage brachte: Über Tage hinweg heizte sie Spekulationen an, der Al-Kaida-Chefideologe Eiman el Sawahiri sei bei einer Operation im Stammesgebiet umzingelt worden. Die Euphorie kam zu früh, der Bin-Laden-Vize wurde nie gefasst. Offen blieb, ob er überhaupt vor Ort war.

Diesmal ging Pakistan behutsamer vor. Ghailani sei bereits vergangenen Sonntag festgenommen worden, sagte der Innenminister am Freitag, man habe zunächst die Identität überprüft - und sei nun sicher, dass man den Richtigen gefasst habe.

US-Lob für Pakistan

Die US-Armee ist inzwischen voll des Lobes für Pakistan. "Sehr aggressiv" gingen die pakistanischen Truppen gegen Al Kaida vor, sagt der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Jon Siepmann. Er sei skeptisch, ob das Terrornetzwerk von Pakistan aus überhaupt noch in der Lage sei, Angriffe im Ausland zu planen. Das Lob der USA dürfte die Spannungen zwischen dem Militärmachthaber Musharraf und den muslimischen Extremisten im Lande noch verschärfen. Im Dezember entging Musharraf gleich zwei Anschlägen auf sein Leben, bei denen sogar Offiziere muslimische Terroristen unterstützt haben sollen.

Trotz der Genugtuung in Washington und Islamabad über Ghailanis Festnahme - der ganz große Schlag steht noch aus. Im Januar prognostizierte der damalige Sprecher der US-Truppen in Afghanistan, man werde Osama bin Laden noch in diesem Jahr fassen. Pentagon-Beamte spielten das zwar als eine "im Überschwang" getroffene Aussage eines Einzelnen herunter. Doch zweifelsohne dürfte die Gefangennahme des meistgesuchten Terroristen der Welt vor den US-Wahlen im November Präsident George W. Bush ausgesprochen gelegen kommen.

Can Merey/DPA / DPA