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Lungenkrankheit Sars-CoV-2: Panik? I wo! Donald Trump sieht kein Corona-Risiko für Amerikaner

Donald Trump tut, was Präsidenten tun sollten, er wirkt beruhigend auf die Bevölkerung ein. Ob das im Fall des Coronavirus eher fahrlässig oder sinnvoll ist, muss sich zeigen. Sicher aber ist: Zumindest politisch ist sein Alles-wird-gut-Kurs fragwürdig.

US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump informierte am Freitag über das geplante Abkommen mit den Taliban

AFP

Donald Trump bleibt dabei: Das Coronavirus ist kein ernstes Problem. Wird es auch nicht werden. Denn das "Risiko für Amerikaner" sei "sehr gering", sagte der US-Präsident vor Journalisten im Weißen Haus. Auch denke er nicht, dass eine Ausbreitung in den USA unvermeidlich sei. Und selbst wenn: "Was immer auch passiert, wir sind vollständig vorbereitet", so Trump, der die Verantwortung für den Kampf gegen die Lungenkrankheit an Vizepräsident Mike Pence übertrug.

"Coronavirus verschwindet im April"

Schon mehrfach hatte sich der US-Präsident in den vergangenen Tagen in diese Richtung geäußert. So lobte er etwa das Vorgehen Chinas und kündigte an, dass es mit dem Coronavirus im April ohnehin vorbei sei, weil dann die warme Jahreszeit beginne. Damit widersprach er allerdings den Erkenntnissen und Verlautbarungen der zuständigen US-Behörde CDC, die vor einer Ausbreitung auch in den USA warnt.

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Gesundheitsminister Alex Azar erklärte, bislang gebe es 15 Fälle in den USA, bei denen der Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen worden sei. Hinzu kämen 45 Fälle von Amerikanern, die aus China oder Japan ausgeflogen worden seien. "Unsere Eindämmungsstrategie hat funktioniert." Trump sagte, die meisten der 15 Betroffenen, die in den USA diagnostiziert worden seien, seien auf dem Weg der Besserung.

Kritik an Donald Trumps Corona-Umgang

Die US-Opposition kritisiert (natürlich) Trumps verbale Beruhigungspillen, was der aber (natürlich) brüsk zurückweist. Die oberste Demokratin Nancy Pelosi sagte, "ich denke nicht, dass der Präsident weiß, wovon er spricht. Wieder einmal" und Trump entgegnete ihr daraufhin, sie sei "inkompetent" und versuche, Panik zu verbreiten. "Und es gibt keinen Grund, panisch zu sein." Nicht wenige vermuten, dass Trump nur deshalb so kämpferischen Optimismus an den Tag legt, um die einbrechenden Aktienmärkte zu beruhigen. Der Präsident hat sein politisches Schicksal stark mit dem Wohlergehen der Wirtschaft verknüpft.

Wie etwa im Fall des Iran-Konflikts auch, holen jetzt Trump-kritische Medien alte Tweets des 73-Jährigen heraus, in denen er so ziemlich das Gegenteil von dem forderte, was er jetzt selbst tut. 2014 zum Beispiel hatte Trump den damaligen Präsidenten Barack Obama und dessen Umgang mit der Ebola-Epidemie in Afrika angegriffen: mit fast 100 Postings in drei Monaten. Darin verlangte der Republikaner unter anderem strenge Reisebeschränkungen, da die Seuche sonst überall in den Vereinigten Staaten sein würde. Solche Einschränkungen gelten aktuell nur für Ausländer, die in den vergangenen 14 Tagen in China waren.

Trumps Tipps für bessere Hygiene

Donald Trump weiß, dass Präsidenten auch nach ihrem Umgang mit Krisen beurteilt werden. Umso erstaunlicher, dass er bei seinem Auftritt eine "ungenaue Sprache wählte" und anscheinend die Corona-Ansteckungen mit der üblichen Grippe verwechselte, wie der Trump in herzlicher Abneigung verbundene Sender CNN kommentiert. Zumal nur wenige Stunden nach seinem Auftritt bekannt gegeben wurde, dass sich in Kalifornien offenbar jemand mit der Lungenkrankheit angesteckt hat, der weder in ein Gebiet mit Infektionen gereist sei noch Kontakt zu einem anderen Infizierten gehabt habe. Ein Novum in den USA, wie das CDC mitteilte. Möglicherweise geht das Virus also bereits um.

Auf der Pressekonferenz im Weißen Haus hatte der US-Präsident einen Gesundheitsratschlag für die Journalisten parat: Sie sollten sich genauso verhalten wie er selbst. Er wasche sich sehr häufig die Hände - "wie Sie wahrscheinlich gehört haben", sagte er. Und: "Wenn jemand niest, versuche ich zu verschwinden." "Bleiben Sie sauber", sagte der US-Präsident zum Abschied.

Quellen: DPA, CNN, Huffington Post, Donald Trump auf Twitter

nik

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