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Parlamentswahl in Afghanistan: Fast jede vierte Stimme ungültig

Schon kurz nach der afghanischen Parlamentswahl wurden Anschuldigungen laut, dass bei der Stimmabgabe im September nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Diese Verdachtsmomente haben sich nun erhärtet.

Bei der Parlamentswahl in Afghanistan vor rund einem Monat sind nach offiziellen Angaben fast ein Viertel der abgegebenen Stimmen ungültig. Von den gesamten 5,6 Millionen Wahlzetteln würden 1,3 Millionen nicht gewertet, wie der Chef der Unabhängigen Wahlkommission (IEC), Fasil Ahmad Manawi, am Mittwoch in Kabul mitteilte. Zudem stehende Dutzende Kandidaten unter Manipulationsverdacht.

Nach Angaben eines IEC-Sprechers wurden nach dem Urnengang am 18. September die 1,3 Millionen ungültigen Stimmen, das entspricht mehr als 23 Prozent, wegen "Betrugs und Unregelmäßigkeiten" ausgemustert. Die Wahl der 249 Abgeordneten der Volksvertretung Wolesi Dschirga war von schweren Betrugsvorwürfen und von Gewalt der radikalislamischen Taliban begleitet worden. Bereits bei der Präsidentschaftswahl im Vorjahr wurde mit 1,5 Millionen Stimmen ein Viertel der abgegebenen Stimmen annulliert.

Nach Angaben Manawis fielen der Wahlkommission auch Unregelmäßigkeiten bei zahlreichen Kandidaten auf: Die Namen von 224 "verdächtigen" Politikern wurden zur Prüfung an die Wahlbeschwerdekommission (EEC) übergeben. Diese soll nun prüfen soll, ob die Kandidaten bestochen haben oder von Korruption profitierten. Mehr als 2500 Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt. Nach Angaben der EEC gingen rund 4000 Beschwerden zum Wahlablauf ein.

Die zweite Parlamentswahl seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 wurde bereits im Wahlkampf von Gewalt und Einschüchterungsversuchen der Taliban geprägt. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage öffneten in Teilen des Landes die Wahllokale gar nicht erst. Vertreter der afghanischen Regierung sowie westliche Diplomaten ließen verlauten, dass eine Wahl ohne Betrug und Unregelmäßigkeiten nicht zu erwarten sei.

Die nun veröffentlichten Zahlen sind die ersten offiziellen Angaben zum Ausgang der Wahl, mit dem Endergebnis wird jedoch erst Ende Oktober gerechnet. Nach Angaben der Wahlkommission wurden 58,3 Prozent der gültigen Stimmen von Männern abgegeben und 39,1 Prozent von Frauen. Weitere 2,5 Prozent der Stimmen stammen von Angehörigen der Kutschi-Nomaden, für die zehn Sitze im Parlament reserviert sind.

AFP / AFP