Parlamentswahl in Großbritannien Konservative laut Prognosen stärkste Kraft


Niederlage für Großbritanniens Premier Gordon Brown: Laut ersten Prognosen haben die Konservativen die Unterhauswahl gewonnen. Die absolute Mehrheit hat die Partei von David Cameron aber verpasst.

Bei der Wahl zum britischen Unterhaus hat es ersten Prognosen zufolge keine klare Mehrheit gegeben. Nachwahlbefragungen der Fernsehsender BBC, ITV und Sky vom Donnerstagabend ergaben erstmals seit 1974 ein sogenanntes "Hung Parliament“. Demnach werden die Konservativen unter Führung von David Cameron stärkste Kraft mit 307 Sitzen - 19 weniger als für eine Mehrheit notwendig. Premierminister Gordon Brown und seine Labour-Partei kommen auf 255 Sitze. Die Liberal-Demokraten von Parteichef Nick Clegg erhalten 59 Sitze.

Die Briten haben in der historischen Wahl nicht nur über die Zusammensetzung des Unterhauses, sondern auch über eine mögliche radikale Veränderung der politischen Landschaft entschieden. Bei der engsten Abstimmung seit einer Generation ging es schließlich auch um die Frage, ob das traditionelle Duell zwischen Labour und Konservativen zu einem Dreikampf wird, bei dem die Liberaldemokraten auf Augenhöhe mitmischen. Das nun offenbar eingetretene "Hung Parliament“ könnte zudem eine grundlegende Reform des Wahlrechts zur Folge haben, das nur den Sieger in den Wahlkreisen begünstigt.

"Wählen Sie, um diesem Land den Wechsel zu geben"

Der Vorsitzende der Konservativen, David Cameron, hatte seine Anhänger zu einer "Wahl für den Wandel" aufgerufen. "Wählen Sie, um diesem Land die Hoffnung, den Optimismus und den Wechsel zu geben, den wir brauchen", sagte der 43-Jährige. Bei der Stimmabgabe in Oxfordshire wurde er von seiner schwangeren Frau Samantha begleitet.

Brown warb beim Wahlkampfabschluss eindringlich um Unterstützung für Labour. Er gab seine Stimme in Begleitung seiner Frau Sarah in Edinburgh ab. Der Vorsitzende der Liberaldemokraten Nick Clegg appellierte an seine Unterstützer, sich nicht mit dem zweiten Platz zufriedenzugeben. Wählen ging er am Donnerstag in Sheffield. "Ich glaube nicht, dass meine Stimmabgabe ein Geheimnis ist", sagte er den wartenden Journalisten. Clegg hat seine Partei im Wahlkampf zu neuen Höhen geführt und die Hoffnung der Konservativen gedämpft, erstmals seit 13 Jahren wieder an die Regierung zu kommen.

Browns Tage scheinen gezählt

"Dies könnte eine der revolutionärsten Wahlen in der Geschichte dieses Landes werden", hatte der Politikwissenschaftler Bill Jones von der Hope University in Liverpool erklärt. Wenn, wie es jetzt zu sein scheint, keine Partei die absolute Mehrheit erhalten hat, wird Königin Elizabeth II. dem amtierenden Premierminister Brown zuerst die Chance zur Bildung einer Regierung geben - selbst wenn dessen Partei nicht die meisten Wahlkreise gewinnen sollte. Mit ihren voraussichtlich 80 Sitzen könnten die Liberaldemokraten die Labour Party weiter an der Regierung halten. Clegg hat aber bereits angedeutet, dass er einen hohen Preis dafür verlangen würde – die Ablösung Browns, wichtige Schlüsselressorts für seine Partei sowie die Einführung des Verhältniswahlrechts anstelle des traditionellen Mehrheitswahlrechts, welches kleinere Parteien benachteiligt.

Bei der letzten Wahl am 5. Mai 2005 kam Labour mit 35,3 Prozent auf 356 Mandate. Die Tories - offiziell die Conservative and Unionist Party - folgten mit 32,3 Prozent und 198 Sitzen. Auf die Liberal Democrats entfielen bei 22,1 Prozent der Stimmen 62 Mandate. Weitere im Unterhaus vertretene Parteien sind die Schottischen Nationalisten (6 Mandate), die nordirische Sinn Fein (5), die walisische Plaid Cymru (3) sowie die nordirischen Parteien SDLP (3) und Ulster Unionists (1).

AFP/Reuters Reuters

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