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Parteitag der US-Republikaner Romney will die Basis entflammen


US-Parteitage erscheinen Europäern mitunter wie eine Mischung aus Krönungsmesse und Popkonzert. Für Mitt Romney ist das Spektakel ein knallharter Test. Kann er die eigene Basis in Schwung bringen?

Mitt Romney steht in den Umfragen gar nicht schlecht da. Wenn er Glück hat, kann er US-Präsident Barack Obama im November besiegen. Einen großen Nachteil hat der Republikaner allerdings, und der kann ihm bei den Wahlen den Triumph kosten: Romney gilt als hölzern und langweilig.

Der Republikaner-Parteitag nächste Woche (27.-30. August) in Tampa in Florida ist vor allem ein Test, ob der 65-Jährige über seinen eigenen Schatten springen kann. Gelingt es ihm, das eigene Parteivolk endlich in seinen Bann zu ziehen? Schafft er es, Siegesgewissheit zu verbreiten? Wenn nicht, ist die Wahl schon halb verloren.

Zu allem Überfluss drohte jetzt auch noch ein Tropensturm über dem Konferenzort. Meteorologen befürchten, Sturm "Isaac", der von der Karibik naht, könnte sich bis nächste Woche zu einem Hurrikan mausern. Fest steht: Es dürfte stürmisch werden in Tampa.

Medienspektakel erster Güte

Parteitage in den USA sind anders als in Deutschland. Weniger Papier, weniger Programmdebatten - dafür mehr Luftballons, flotte Musik und emotionale Reden. Und natürlich alles zur Prime Time, zur besten TV-Sendezeit. Die großen Auftritte der Matadoren sind daher in Tampa jeweils erst am Abend geplant - damit Millionen Amerikaner live dabei sind.

Überhaupt, das Spektakel wird nicht zuletzt für die Medien inszeniert: 15.000 Journalisten sind laut offiziellen Angaben für die vier tollen Tagen angemeldet. Das bedeutet drei Reporter auf einen Delegierten. Die Journalisten müssen sich davor hüten, sich in den Wandelhallen des Konferenzgebäudes gegenseitig zu interviewen.

Die Aufgabe, die ihm bevorsteht, ist für Romney nicht gerade einfach. Zwar gelang es ihm bisher, seine Botschaft "Jobs, Jobs, Jobs" brav an den Mann zu bringen. Doch der zündende Funke fehlt. Noch ist seine Kampagne ohne Leidenschaft, ohne Feuer.

Eine echte Wendestimmung ist unter den Amerikanern bisher nicht ausgebrochen. Und erzkonservative sowie religiöse Republikaner betrachten Romney noch immer mit Skepsis. Er hat nach ihrem Gusto zu wenig Moral, zu wenig Grundsätze. Er ist einfach nicht konservativ genug.

Romneys sichere Stimmen

Nicht zuletzt um echte Begeisterung zu entfachen, hat Romney den jungen Paul Ryan zum Vizekandidaten ernannt. Ein Schachzug, der nicht ohne Risiko ist. Ryan hat Charme, kann im Gegensatz zu Romney gut mit Menschen umgehen, entfacht Begeisterung. Romney muss aufpassen, dass der 42-Jährige ihm beim Parteitag nicht die Show stiehlt.

Die Inszenierung ist perfekt, jeder Tag ist genau geplant. Diesmal ist die offizielle Nominierung bereits für den ersten Tag festgelegt. Überraschungen sind aber nicht zu erwarten - Romney hat seine Stimmen sicher. Als Einheizer tritt John Boehner auf, der starke Mann im Kongress und Obama-Gegenspieler. Weitere prominente Redner sind für die nächsten Tage vorgesehen, etwa der populäre Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, und Senator Marco Rubio, das Zugpferd für die Latinos.

Allerdings: Die beiden Ex-Präsidenten George H.W. sowie George W. Bush, so heißt es, wollten nicht kommen. Dafür wolle Ex-Außenministerin Condoleezza Rice hereinschauen.

Dritter Tag ist Romney-Tag

Am Tag zwei soll es so etwas wie eine Programmdebatte geben. Eine Wahlplattform steht zur Verabschiedung. Doch hohe Erwartungen sind unangebracht. "Ich würde keine allzu großen Programmschlachten erwarten", sagt David Lightman, Journalist und Parteitagsveteran, der seit 30 Jahren dabei ist. "Romney kontrolliert den Parteitag ziemlich gut." Am Tag drei steht die große Rede des Vize Ryan auf dem Programm.

Am letzten Tag folgt die eigentliche Krönungsmesse. Romney-Tag. Der alles entscheidende Tag. Die große Rede. Erst am späten Abend will Romney auftreten. "Das ist echt eine große Sache", sagt Lightman voraus. Es ist der Test, auf den es ankommt. Die Frage ist: "Sind die Leute begeistert von Romney?".

Gelingt Romney ein großer Coup, dürften seine Umfragewerte in den Tagen danach deutlich anziehen. Allerdings: Schon eine Woche später steigt der Parteitag der Demokraten. Dann wärmt Obama die Herzen. Und nichts kann der Präsident besser, als die Gefühle der Menschen anzusprechen.

Peer Meinert, DPA DPA

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