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Peter Altmaier besucht Rio+20: Gut gelaunter Umweltminister beim UN-Gipfel am Zuckerhut

Lampenfieber scheint Altmaier bei seiner Gipfel-Premiere in Rio nicht zu haben. Der gewiefte Taktiker weiß, wie Verhandlungen laufen. Doch auch die besten Strategen kommen in Rio an ihre Grenzen.

Der Tag von Peter Altmaier beginnt mit Stau. Und der ist im brasilianischen Rio am Zuckerhut oft unerträglich. "Zweieinhalb Stunden haben wir heute Morgen zum Gipfelzentrum gebraucht", sagt der Umweltminister, dem das aber nicht wirklich viel auszumachen scheint. Er ist bester Laune, was aber sicher nicht an den eher lauen Resultaten der UN-Konferenz Rio+20 liegt. Doch es geht Altmaier in Rio um Aufbauarbeit. Den großen Durchbruch hatte er ohnedies nicht erwartet. Dafür sind die Zeiten zu schwierig.

Rückblick: Um 08.00 Uhr gibt es ein großes Koordinierungstreffen der deutschen Delegation. Dann geht's ab in Richtung Riocentro, dem gigantischen Messegelände im Stadtteil Barra da Tijuca, das etwa 50 Kilometer westlich des Minister-Hotels liegt. Auch die Extra-Kolonne, die von Brasiliens Regierung für die Deutschen organisiert wurde, nützt nichts. Denn auch die anderen Delegationen fahren in Kolonne. Und so stehen schließlich alle im selben Stau.

Schultern klopfen, Hände schütteln

Doch der Minister ist ein geduldiger Mensch und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, macht er sich mit Amtskollegen bekannt, klopft Schultern, schüttelt Hände. Dann steht er Journalisten Rede und Antwort, erläutert Strategien, Ziele und Frontverläufe.

Auch bei einer Gruppe Jugendlicher aus Deutschland findet er die richtigen Worte. Schüler der Initiative "jugend denkt um.welt" binden ihm ein schickes grünes Armband um, erinnern ihn an seine Verantwortung für die Zukunft und fordern Einsatz. "Versprochen", sagt Altmaier.

Dann liest er die Forderungen der jungen "Klimabotschafter", die für eine Woche aus Osnabrück und Essen angereist sind, laut vor. Bei einigen Details wird er vorsichtig. "Das kann, wenn überhaupt, nur Angela Merkel schaffen." Die Bundeskanzlerin ist aber nicht in Rio und dürfte ihre Absage auch nicht wirklich bereuen, denn die wesentlichen Punkte waren eigentlich schon vor dem Gipfel weitgehend durchverhandelt.

Erfahrung als Verhandler und Strippenzieher

Der CDU-Politiker hält die Kanzlerin täglich telefonisch auf dem Laufenden. Auch mit dem nach Rio gereisten Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) stimmt er sich ab. Dem erst seit vier Wochen amtierenden Ressortchef Altmaier geht es auch darum, seine neuen Umweltkollegen zu treffen. "Dafür muss man sonst viel reisen. Hier sind sie alle", hieß es im Altmaier-Tross.

Auch den Kontakt zur Twitter-Gemeinde lässt der Saarländer nicht abreißen. "54 Wahnsinn", schreibt er an seinem 54. Geburtstag am Montag und fügt hinzu: "Sieht so aus, dass man auch als Minister älter wird. So was aber auch :-)"

Erfahrung als Verhandler und Strippenzieher hat er als Unionsfraktionsgeschäftsführer zu Genüge gesammelt. Taktieren, schachern und pokern gehören auch zu internationalen Konferenzen. "Terrain sichern" ist ein Ansatz, den Altmaier auf den Korridoren und Verhandlungssälen verfolgt. Doch auch er wurde in Rio vom Coup der Brasilianer kalt erwischt, die Vorverhandlungen so früh und rigoros zu schließen. "Das war jetzt kein Modellfall für freundschaftlichen Umgang", sagt Altmaier unverblümt.

Am letzten Gipfeltag am Freitag spricht der Minister in Rio im großen Plenum des UN-Gipfels. Jedem Redner stehen eigentlich nur 5 Minuten zu. Altmaier fiel "Redeslot 27" zu, und er wäre eigentlich gegen Mittag an der Reihe. Doch schon am ersten Tag war der Fahrplan eineinhalb Stunden in Verzug. Und in Rio will keiner seine Rede nur zu Protokoll geben. Somit gerät am Freitag ein wichtiger Termin vor dem Abflug Altmaiers in Gefahr: Ab 16.45 Uhr Ortszeit wird in Brasilien das Viertelfinalspiel Deutschland-Griechenland übertragen.

Helmut Reuter, DPA / DPA