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Ex-Gefangener der Türkei: Was macht eigentlich ... Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner?

Peter Steudtner wurde 2017 in der Türkei festgenommen und saß dort fast vier Monate im Gefängnis. Was aus dem Prozess geworden ist und wie sein Türkisch heute ist.

Peter Steudtner: Was macht der Menschenrechtsaktivist heute?

Peter Steudtner, 47, in Berlin-Prenzlauer Berg. Er lebt in der Hauptstadt.

Herr Steudtner, als Sie im Oktober 2017 aus der Haft entlassen wurden, wollten Sie Türkisch lernen. Wie gut sind Sie mittlerweile?

Ehrlich gesagt steht das immer noch auf meiner To-do-Liste. In den letzten Monaten war einfach zu viel los, als dass ich dazu gekommen wäre.

Der Prozess gegen Sie läuft noch immer.

Der nächste Termin ist im März. Nach wie vor kann alles passieren: vom Fallenlassen der Anklage bis hin zu hohen Haftstrafen. Mich betrifft das zwar nur indirekt, weil ich hier in Deutschland in Sicherheit bin, aber um meine Freunde und Freundinnen in der Türkei mache ich mir große Sorgen.

Sie wurden während eines Workshops für Menschenrechtler festgenommen. In welchem Moment wurde Ihnen klar, in welcher Gefahr Sie sich befinden?

Noch in der ersten Nacht auf der Polizeistation. Dort wurde ich verhört. Dann brachte man uns nacheinander in andere Gefängnisse. Immer zu zweit. Da konnte man ahnen: Das ist morgen nich

Haben Sie die Zeit im Gefängnis inzwischen verarbeitet?

Das ist ein Prozess. Ich hatte das Glück, dass ich durch Spenden nicht sofort wieder arbeiten musste. Im Moment schreibe ich mit meiner Lebensgefährtin an einer Handreichung für andere politische Gefangene, in der wir unsere Erfahrungen reflektieren.

Leiden Sie noch unter den psychischen Folgen der Zeit?

Mir geht es gut. Gott sei Dank habe ich weder im Gefängnis noch danach zum Beispiel irgendwelche Albträume gehabt. Ich bemerke nur, dass ich mehr Schlaf brauche als früher. Die ständige Auseinandersetzung mit dem Thema kostet Kraft. Aber ich will das, was ich gelernt habe, mit meinen Freundes- und Arbeitskreisen teilen.

Was ist das zum Beispiel?

Etwa, dass es auch im Gefängnis möglich ist, sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Man muss sich der Ohnmacht und der Verzweiflung, die das Gefängnis produzieren soll, nicht hingeben.

Heißt?

Mir war klar, dass ich höchstwahrscheinlich keine Folter erdulden muss. Das politische Scheinwerferlicht auf den Fall war zu hell. Also habe ich mich im Knast vor allem um meinen Körper und meine Seele gekümmert. Einerseits mit Dingen wie Yoga und Tai-Chi. Andererseits habe ich viele Routinen gepflegt. In der Isolationshaft gab es anfangs nichts zu schreiben. Da habe ich meine Gedanken auf einem Stück Klopapier festgehalten. Jeden Tag ein Blatt.

Die längste Zeit verbrachten Sie in Silivri, dem berühmten Gefängnis für politische Gefangene. Wie sah Ihre Zelle aus?

Sie war etwa vier mal vier Meter groß, hatte einen kleinen, abgetrennten Badbereich mit einer Dusche und einem Loch im Boden als Klo. Es war nicht so übel. Jede Zelle hatte außerdem einen winzigen Betonhof, in dem man Sport machen konnte.

Durften Sie mit Ihrer Familie sprechen?

Alle zwei Wochen für zehn Minuten am Telefon. Sie waren sehr stark, aber vielleicht mit am schwierigsten war es, wenn ich gespürt habe, wie herausfordernd es auch für sie ist. Da habe ich mich gefragt: Was macht das mit denen, wenn die noch 15 Jahre auf mich warten müssen?

Sie saßen im gleichen Gefängnis wie Deniz Yücel. Sind Sie sich in Haft begegnet?

Erst in der letzten Haftwoche. Da fanden meine Anwaltsbesuche im Antrittsbereich des Gefängnisses statt. Deniz saß ein paar Kabinen weiter. Er rief: „Peter, du hast es bald geschafft.“ Nach der Haft haben wir uns dann einmal in Berlin getroffen. Das war sehr schön.

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Füllhorn Rente 63 ?
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