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Petra De Sutter Belgien hat erstmals Transfrau als Vize-Ministerpräsidentin

Petra De Sutter bei ihrem Amtseid
Petra De Sutter bei ihrem Amtseid
© Pool - Yves Herman/BELGA / DPA
In Belgiens neuer Regierung hat zum ersten Mal eine Transfrau das Amt der Vize-Ministerpräsidentin inne. Petra De Sutter ist damit gleichzeitig auch die erste Ministerin in Europa, die offen transgender ist.

Regierungsbildungen in Belgien sind häufig etwas Besonderes. Das liegt daran, dass diese in dem Beneluxstaat oft sehr lange dauern. Belgien ist ein politisch gespaltenes Land und hat den Ruf, unregierbar zu sein. Hintergrund ist die Spaltung des Landes in einen flämischen und einen französischsprachigen Teil.

Nun, nach fast zwei Jahren unter einer Übergangsregierung, hat Belgien endlich einen neuen Ministerpräsidenten. Der flämische Liberale und bisherige Finanzminister Alexander De Croo legte am Donnerstag in einer im Fernsehen übertragenen Zeremonie beim belgischen König Philippe den Amtseid ab. Sieben Parteien hatten sich am vergangenen Mittwoch nach monatelangen Verhandlungen auf die Bildung einer Koalition geeinigt. 

In Belgien regieren künftig die Sozialdemokraten, die Liberalen und die Grünen jeweils in zweifacher Ausführung – flämisch- und französischsprachig – gemeinsam mit den flämischen Christdemokraten.

Petra De Sutter: Stolz, dass Geschlechtsidentität kein Thema ist

Eine Personalie des neuen Kabinetts sorgt dabei für Aufsehen: die bisherige EU-Abgeordnete der Grünen, Petra De Sutter. Sie war nach der Europawahl im Mai 2019 als erste Transsexuelle ins Europaparlament eingezogen. Nun wird sie als erste transsexuelle Ministerin in Belgien für den öffentlichen Dienst zuständig sein. Außerdem ist sie Vize-Ministerpräsidentin neben sechs weiteren Vize-Ministerpräsidenten und -Ministerpräsidentinnen. Wie das Magazin "Out" berichtet, ist De Sutter damit die weltweit ranghöchste Trans-Person in einem politischen Amt.

"Ich bin stolz darauf, dass in Belgien und den meisten Teilen der Europäischen Union die Geschlechtsidentität einen nicht als Person definiert und kein Thema ist", schrieb die 57-jährige De Sutter im Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich hoffe, dass meine Ernennung zur Ministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin die Debatte in Ländern auslösen kann, in denen dies noch nicht der Fall ist."

Neues Kabinett in Belgien jünger, weiblicher und diverser

De Sutter ist eigentlich Gynäkologin und leitete die Abteilung für Reproduktionsmedizin an der Universität Gent, wie die belgische Zeitung "The Brussels Times" berichtet. Ihre Trans-Identität habe sie in ihrer politischen Karriere demnach nie verborgen, habe allerdings immer wieder betont, dass sie nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden will. Sie wolle lieber, dass Menschen über sie wegen ihrer politischen Arbeit reden.

Die Ernennung von De Sutter wurde von LGBTQ-Organisationen in Belgien als Meilenstein beschrieben – vor allem, weil diese im Land keinen Medienrummel auslöste. Größere Beachtung fand in den belgischen Medien laut "Brussels Times" die Tatsache, dass die Regierung zur Hälfte aus Frauen besteht, divers und vergleichsweise jung ist. 

Die Regierungsbildung in Belgien hatte seit der Parlamentswahl im Mai vergangenen Jahres fast 500 Tage gedauert. Bereits seit Dezember 2018 gab es bereits keine voll geschäftstüchtige Regierung mehr, nachdem die damalige Koalition zerbrochen war.

Quellen: Nachrichtenagentur AFP, "Out", "The Brussels Times", BRF

rw

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