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Porträt Milo Djukanovic Liebling des Westens


Der montenegrinische Regierungschef Djukanovic nimmt nach 20 Jahren den Hut. Die gesamte Regierungsmannschaft des Landes wird umgebildet - damit tritt die alte politische Garde ab.

Seit zwei Jahrzehnten war er der unangefochtene Politstar Montenegros: Regierungschef Milo Djukanovic. Sein Markenzeichen sind Maßanzüge, tadellose modische Krawatten und teure Uhren. Seine Zielstrebigkeit - Gegner sprechen von Rücksichtslosigkeit - hat ihm den Spitznamen "Stahlmann", seine Scharfzüngigkeit die Bezeichnung "Rasiermesser" eingebracht.

Der 48-Jährige hat viele Gesichter: Dogmatischer Kommunist, serbischer Nationalist, Kriegsherr im benachbarten Kroatien (1991- 1995), Vater der Unabhängigkeit des kleinen Balkanlandes 2006, glühender Europäer. Der hochgewachsene drahtige Frauenschwarm und Basketballer hat das Ende Jugoslawiens ebenso überlebt wie alle innenpolitischen Gegner. Selbst Kritiker räumen ein, dass kaum ein Politiker in den Balkanländern dem charismatischen Mann das Wasser reichen kann.

Schnell war dieser Ausnahmepolitiker auch der Liebling des Westens, weil der mithalf, seinen einstigen politischen Ziehvater zu stürzen, Serbiens Autokraten Slobodan Milosevic. Das war auch der Grund, dass nichts gegen den groß angelegten Zigarettenschmuggel über Montenegro mit Milliarden-Euro-Gewinnen für die Mafia und Verlusten für die westlichen Staaten unternommen wurde. Schon 2001 erlaubte Brüssel die Einführung des Euros in Montenegro, obwohl das Land bis heute keine einzige Voraussetzung dafür erfüllt.

Die Opposition wirft Djukanovic dagegen seit langem vor, als "Pate" der "kriminellen Vereinigung" weniger Familien der Super- Reichen das Land wie einen Privatstaat zu führen. Bruder Aco ist einer der reichsten Landsleute, der Regierungschef selbst hatte lukrative Bank- und Immobiliengeschäfte gestartet und eine Privatuniversität gegründet. Zuletzt war der Gouverneur der Nationalbank unter zwielichtigen Umständen abgelöst worden, weil er der Prva banka (Erste Bank) von Aco Djukanovic in die Quere kam.

Offen bleibt, wie Djukanovic nach seinem Rücktritt und dem Verlust seiner Immunität eine auf Eis gelegte Anklage der italienischen Behörden wegen Zigarettenschmuggels in den 90er Jahren abbiegen will. Vor zwei Jahren hatte der Politstar, der jede Schuld bestreitet, eine geheime Abmachung mit der italienischen Staatsanwaltschaft getroffen. Seine enge Verbundenheit mit "Freund" Silvio Berlusconi dürfte jedenfalls nicht schaden. Der hatte Djukanovic vor der letzten Wahl Schützenhilfe geleistet und die Opposition bei einem Besuch links liegen lassen.

Thomas Brey, DPA DPA

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