Präsidentschaftswahlen in Frankreich Jacques Chirac sagt Adieu


In einer bewegenden Fernsehansprache hat Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Bei den Präsidentschaftswahlen im April werde er nicht mehr antreten, sagte Chirac. Damit ist der Weg frei für den Zweikampf Royal/Sarkozy.

Nach zwölf Jahren wird der französische Staatspräsident Jacques Chirac nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren. Chirac sagte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache: "Das Ende meines Mandats ist gekommen, ich werde mich nicht mehr bewerben." Der konservative Politiker wurde 1995 erstmals ins höchste Amt der französischen Republik gewählt und bestimmte seit mehr als 40 Jahren in verschiedenen Funktionen - unter anderem als Landwirtschafts- und Finanzminister sowie zwei Mal als Premierminister - das politische Leben Frankreichs.

"Wir müssen Europa schaffen"

"Ich habe Frankreich immer gedient und werde jetzt Frankreich in anderer Form dienen. Ich liebe Frankreich", sagte der 74-jährige Staatschef. Frankreich sei eine große Nation und unabhängig. "Ich bin stolz auf Frankreich", erklärte er weiter. In seiner zehnminütigen Rede warnte er die Franzosen vor jeder Form von Rechtsextremismus. Er forderte die Franzosen auf, an sich zu glauben und aus Europa eine Priorität zu machen. "Wir müssen Europa schaffen. Alleine kann niemand gegen die aufkommenden Wirtschaftsmächte Front machen", erklärte er weiter. Frankreich könne unbesorgt ins 21. Jahrhundert schreiten.

Seit dem gescheiterten EU-Referendum von 2005 war Chiracs Popularität deutlich gesunken. Die Entscheidung, auf ein weiteres Mandat zu verzichten, war keine Überraschung mehr. "Ich bin keiner, der im Kult der Vergangenheit lebt", erklärte der ehemalige Premierminister und langjährige Bürgermeister von Paris schon vor Wochen. Es gäbe auch ein Leben nach der Politik, sagte er weiter.

Der Weg ist frei für Sarkozy und Royal

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel am vergangenen Freitag zog bereits eine Art Bilanz und gestand eine seiner größten Niederlagen ein - das Nein zur Europäischen Verfassung im Mai 2005: "Es tut mir leid, dass ich nicht alles mir Mögliche getan habe, um das zu vermeiden, was für Europa und Frankreich schlecht war."

Über die Bewerber um seine Nachfolge äußerte sich Chirac nicht. Dazu werde sich eine andere Gelegenheit finden, sagte er. Hauptkandidaten im Rennen um die Präsidentschaft sind der konservative Innenminister Nicolas Sarkozy, die sozialistische Bewerberin Ségolène Royal sowie der Zentrumspolitiker François Bayrou (UDF). Der erste Wahlgang findet am 22. April statt.

Mit seiner Entscheidung, auf die Kandidatur zu verzichten, hat Chirac bis zum Schluss gewartet, denn am 16. März läuft die Frist für die Zulassung der Präsidentschaftskandidaten aus. Seine Amtszeit endet offiziell am 16. Mai um Mitternacht.

DPA DPA

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