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Pressestimmen

Trumps UN-Rede: "Peinliche Mixtur aus Sprechblasen, Gemeinplätzen und Kriegstreiberei"

Donald Trump hat sich in seiner ersten Rede bei den Vereinten Nationen in scharfer Rhetorik geübt und dabei Nordkorea mit totaler Zerstörung gedroht. So kommentiert die Presse den Auftritt des US-Präsidenten.

US-Präsident Donald Trump bei der UN-Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York

"'Super-"Donald' aus Amerika droht dem 'Raketenmann' in Nordkorea mit der 'totalen Zerstörung'": US-Präsident Donald Trump bei der UN-Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York

US-Präsident Donald Trump hat bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York außenpolitische Pläne vorgestellt und die Vision einer von Nationalstaaten bestimmten Welt gezeichnet. Nordkorea rief er mit harten Worten zur Räson: Es sei ein Land, das die Welt mit Atomwaffen bedrohe, sagte Trump. Die USA besäßen große Stärke und Geduld. Wenn sie aber gezwungen würden, müssten sie Nordkorea zerstören. "Der Raketenmann ist auf einem selbstmörderischen Weg", sagte der US-Präsident in Bezug auf den nordkoreanischen Führer Kim Jong-Un. So kommentiert die deutsche Presse den Auftritt von Donald Trump:

"Rheinpfalz"

Erklärtermaßen stolz auf seine Unberechenbarkeit, tritt der US-Präsident bei den Vereinten Nationen auf, als wäre nichts dabei, eben mal mit der totalen Zerstörung eines ganzen Landes zu drohen. Sicherlich: Die Provokateure in diesem potenziell hunderttausendfach tödlichen Spiel sitzen in Pjöngjang, nicht in Washington. Nur ist dies nicht der Ton, mit dem sich eine solche Krise entschärfen lässt.

"Stuttgarter Zeitung"

Das Nebeneinander von lockerem Scherz und bombastischer Vernichtungsdrohung illustriert das Dilemma von Donald Trumps UN-Premiere. Seine Rede war auf eine beunruhigende Weise unernst und maßlos. Völlig zurecht hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres gewarnt, eine rhetorische Eskalation sei im Umgang mit Nordkorea gefährlich. Trump gefiel sich trotzdem in der Macker-Pose. Gefährlich ist auch sein Versuch, Nordkorea und den Iran auf eine Stufe zu setzen. Bisher gibt es keine Belege dafür, dass sie gegen das Atom-Abkommen verstoßen. Wenn Trump nun gleichwohl den zwei Jahre alten Deal in die Tonne treten will, spielt er damit nicht nur den Hardlinern im Iran in die Hände.

"Sächsische Zeitung"

In diesem Punkt hat Donald Trump sogar recht: Die Vereinten Nationen haben einen riesigen, aufgeblähten Apparat, der viel Geld kostet und ineffizient arbeitet. Doch wenn der US-Präsident den Erfolg der Weltorganisation allein nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet, kommt er zu falschen Schlüssen. So simpel ist Weltpolitik nicht. Das gilt erst recht, wenn es um die Beilegung von Konflikten geht. Die atomaren Drohgebärden Kim Jong Uns betreffen nicht nur die USA, sondern vor allem die Nachbarstaaten. Dass Trump die "totale Zerstörung" Nordkoreas für eine akzeptable Option hält, bestätigt all jene, die das Krisenmanagement auf keinen Fall den USA überlassen wollen. Wer die Uno wirklich stärken will, kommt an einer Reform ihrer Institutionen nicht vorbei. Solange das Veto-Recht unangetastet bleibt, ist der Sicherheitsrat ein Instrument in den Händen der Ständigen Mitglieder. Lösungen im Interesse der ganzen Welt wird es so nicht geben.

"Landeszeitung Lüneburg"

Wer erwartet hatte, dass mit der Ausbootung von Steve Bannon auch dessen Ideologie aus dem Weißen Haus exorziert worden wäre, weiß es nun besser. Auch wenn der Breitbart-Ideologe derzeit schäumt, weil Trump nach einer humanen Lösung für die Kinder illegaler Einwanderer sucht, müsste er eigentlich anerkennen, dass sich der US-Präsident am East River als gelehriger Schüler präsentiert hat. Er pries im Tempel des Gedankens von weltweiter Kooperation - der UN-Vollversammlung - seinen egoistischen Nationalismus als Vorbild. Er schlug auf die Kriegstrommel, wo der erste Friedensvertrag der Geschichte zwischen Ägyptern und Hethitern im Gebäude hängt, um an den eigentlichen Zweck der UN zu erinnern. Er gab seiner verschwörungssüchtigen Klientel Nahrung, indem er an der Legende vom Terrorpaten Iran feilte.

"Nürnberger Nachrichten"

Trumps polternden Aussagen zu Nordkorea und zum Iran wirken wie ein Rückfall. Aber rhetorische Ausfälle sind noch keine Politik. Und erst kürzlich hat Trump in der Konfrontation mit Pjöngjang erfahren müssen, dass er ohne Kooperation mit anderen Mächten wenig erreichen kann. Das Zusammenspiel mit Russland und China hat sogar einen einstimmigen Beschluss im Sicherheitsrat ermöglicht - eine Rarität in den vergangenen Jahren.

"Die Welt" 

Allen Zuhörern signalisierte er, arrogant und offenbar durch Berater nicht zu bremsen, dass der hässliche Amerikaner weiter da ist und nicht vorhat, sich bei anderen Ländern und Kulturen hübsch zu machen. Der Rede fehlte jedes Maß, und sie ist nicht nur in dem, was sie sagte, erschreckend, sondern auch in dem, was ungesagt blieb, tief beunruhigend. So spricht keine Macht, die moralische und politische Führung in der Welt anstrebt.

"Volksstimme"

Der widersprüchliche Charakter der US-Regierung offenbart sich einmal mehr bei Donald Trumps erstem Auftritt vor den Vereinten Nationen. Der Präsident wünscht die Regimes von Nordkorea und Iran zur Hölle und kündigt an, das bei Bedarf durch die amerikanische Militärmacht praktisch umzusetzen. Andererseits gibt er den Friedensfürsten, der alles tun will, um kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Dabei lobt er zum ersten Mal in seiner Amtszeit China und Russland für die Zustimmung zur Nordkorea-Resolution im Sicherheitsrat. Donnerwetter, tun sich da neue Allianzen auf? Trump ist in vielerlei Hinsicht ein Phänomen. Sein Weltbild unterliegt, bedingt durch eigene Eindrücke und persönliche Erfahrungen, offenbar einem ständigen Wandel. Was heute gut war, kann morgen die Inkarnation des Bösen sein - und umgekehrt. Deshalb ist bei versöhnlichen Tönen Vorsicht geboten. Aber dass er sie überhaupt anschlägt, macht Hoffnung.

"Hessische Niedersächsische Allgemeine"

In Trumps Welt ist die Politik an ihrem Nullpunkt angelangt, kommt alles Gute nur aus entschlossenem Handeln in wohlverstandenem Eigeninteresse. Dieses kalte Kalkül der Macht verbindet den US-Präsidenten ausgerechnet mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un; auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping, den Mullahs in Teheran und anderen Herrschern. Dass Trump sich in diesem Sinne an ihre Seite stellt, ist die eigentliche Botschaft des Tages. Der Welt drohen schwere Konflikte.

"Hannoversche Allgemeine Zeitung"

In diesen Tagen, nach seinen ersten Besuchen im UN-Hauptquartier in New York, klingt Trump erstmals ein bisschen anders. Zwar wiederholte er seine Amerika-zuerst-Rhetorik und auch seine Klage darüber, dass allein die USA in der von 190 Staaten getragenen Organisation 22 Prozent des gesamten Etats begleichen. Doch immerhin fügte er auch hinzu: "Wenn die UN ihre Ziele erfüllten, besonders den internationalen Frieden, wäre es das leicht wert." Dieser Satz lässt aufhorchen. Trump, so scheint es, entdeckt gerade den Rest der Welt - in all ihrer Komplexität. Er beginnt zu erkennen, dass die USA nicht nur mehr als andere in den UN-Etat einzahlen, sondern auch mehr als andere von gelungenen UN-Missionen profitieren. Überall dort, wo Blauhelme und Hilfsorganisationen eine Stabilisierung der Lage hinbekommen, ist die Supermacht USA in der Tat weniger selbst gefordert: ökonomisch, humanitär, militärisch.

"Mittelbayerische Zeitung"

Der Teleprompter konnte den Twitter-Präsidenten nicht im Zaum halten. Wie im Comic drohte der Super-"Donald" aus Amerika dem "Raketenmann" in Nordkorea mit der "totalen Zerstörung". Und das mühsam ausgehandelte Atom-Abkommen mit dem Iran? "Eine Schande". Diese Charakterisierung beschreibt eher die peinliche Mixtur aus Sprechblasen, Gemeinplätzen und Kriegstreiberei, zu der die mit Spannung erwartete Jungfernrede des "Amerika-über-Alles"-Präsidenten geriet. Die USA verabschieden sich unter Trump endgültig von ihrer Rolle als Führungsmacht, die ihren Einfluss geschickt durch ein Geflecht internationaler Organisationen ausübt, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen hat. Im Kern sagt Trump den UN, sie seien als verlängerter Arm seiner chauvinistischen Außenpolitik willkommen. Ansonsten seien sie nutzlos. Das Problem besteht darin, dass die Welt kein Comic-Heft mit guten Helden und Bösewichten, sondern ein verletztlicher Raum ist, den sechs Milliarden Menschen teilen. Statt Lösungen bietet Super-"Donald" der Welt nicht viel mehr als Sprüche an. Freiwillig dürften ihm auf diesem düsteren Pfad nur wenige folgen.


mad/DPA/AFP