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Pressestimmen

MH-17-Bericht: Russische Zeitung kritisiert Vorgehen der eigenen Regierung

Der jüngste Bericht der MH17-Ermittler bestätigt, dass die Rakete aus Russland stammt. Die internationale Presse geht dementsprechend hart mit Wladimir Putin ins Gericht. Überraschend ist, dass selbst eine Moskauer Zeitung in die Kritik einstimmt.

Der MH17-Absturz, die Aufarbeitung un die Reaktionen: "Wahrheit braucht Zeit".

Der MH17-Absturz, die Aufarbeitung un die Reaktionen: "Wahrheit braucht Zeit".

Die internationale Presse widmet sich in ihren Kommentaren dem neuen Bericht der Ermittler zum MH17-Absturz. Bemerkenswert: Selbst eine Moskauer Wirtschaftszeitung fordert, vor der Beweislage nicht die Augen zu verschließen. Die Stimmen der internationalen Medien im Überblick:

"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz): Putin ist verantwortlich für die Toten des Ukraine-Konflikts

"Alle Nebelkerzen und Propaganda-Lügen helfen Moskau nichts. Die am Mittwoch von den internationalen Ermittlern präsentierten Zwischenergebnisse lassen kaum mehr einen Zweifel zu, dass sich die Verantwortlichen für den Tod der 298 Passagiere von Flug MH17 in Russland befinden. (...) Mit seinem Veto im Uno-Sicherheitsrat hat Russland die Einsetzung eines breit abgestützten Gerichts verhindert. So ist fraglich, ob die Verantwortlichen jemals bestraft werden. Moskau hätte das Veto nicht einlegen müssen, wenn es nichts zu verbergen hat. (...) Ohne das aggressive Regime von Wladimir Putin hätte es den Krieg in der Ukraine nie gegeben. Putin trägt letztlich nicht nur die Verantwortung für die 298 Flugzeugpassagiere, sondern auch für die rund 10.000 Toten des Ukraine-Konflikts."

"De Telegraaf" (Niederlande): "Massenmord 'Made in Moskau'"

"Die anhaltenden Versuche Moskaus, die internationale Gemeinschaft in die Irre zu führen, hat die Staatsanwaltschaft fachkundig entlarvt. Vor den Augen der Welt ist die Verstrickung Russlands deutlicher denn je geworden. Der Massenmord vom 17. Juli 2014 hat einen definiten Stempel bekommen: "Made in Moskau"."

"Wedomosti" (Russland/Wirtschaftszeitung): Kritik an russischem Verhalten

"Der hybride Krieg ("Unsere Leute sind gar nicht auf ukrainischem Gebiet, und wenn, dann auf Urlaub") scheint russischen Politikern und Militärs ein höchst erfolgreicher Schachzug zu sein: Er hat taktische Vorteile gebracht, er hat gezeigt, dass wir andere Länder beeinflussen und dabei sogar politische Dividenden mitnehmen können. Doch nur auf hybriden Krieg zu setzen - Was immer passiert, alles leugnen! - erweist sich als zu starr. (...) Wenn Russland weiter leugnet, was der Weltgemeinschaft immer offensichtlicher wird und wofür sich die Beweise sammeln, dann isoliert es sich zusehends. Bald wird niemand mehr mit uns reden."

"Komsomolskaja Prawda" (Russland/Boulevardzeitung): Und immer ist Russland schuld!

"Die Ermittler sagen, dass sie etwa 100 Personen gefunden haben, die an der Katastrophe beteiligt waren. Das ist die Besatzung der Buk und das Begleitpersonal. Aber niemand wird mit Namen genannt, weil sie alle Verdächtige sind. Und überhaupt sei es zu früh, Namen zu nennen, weil noch nicht bekannt sei, wer schuld sei, wer angeklagt wird, wo und über wen zu Gericht gesessen wird. (...) Wenn man den ganzen Bericht in einem Satz zusammenfasst, hätten die Ermittler auch sagen können: Wir wissen nicht, wer geschossen hat, aber natürlich ist Russland schuld."


"Süddeutsche Zeitung" (Deutschland): "Wahrheit braucht Zeit"

"Sollte das Verbrechen eines Tages vor ein Strafgericht kommen, muss die Befehlskette aufwärts verfolgt werden - von den Soldaten, die die Zivilmaschine ins Visier nahmen und den Auslöser drückten, bis zum Oberkommandierenden, der den Befehl gab, die hoch entwickelte Luftabwehrrakete in die Ukraine zu verlegen. Auch wenn die Chancen gering erscheinen, weil die Täter unter dem Schutz der Staatsmacht stehen: Die Angehörigen der Opfer werden ein Urteil verlangen. Wahrheit braucht Zeit. Gerechtigkeit erst recht."

Die "Welt" (Deutschland): "Zynisches Spiel"

"Was hier vorgeführt wird, ist dasselbe zynische Spiel, das der Kreml auch im Falle Syriens betreibt. Die offensichtliche Verantwortung für die Eskalation der Lage wird bestritten. Schuld sind immer die anderen. Willkommen in der postfaktischen Welt Putins. Die Realität ist eine andere. Nämlich diese: Ohne Russlands hybride Kriegsführung gäbe es längst keine Ukraine-Krise mehr. Ohne Russlands militärische Unterstützung wäre das Assad-Regime mittlerweile Geschichte. Russlands Außenpolitik hat zwei Ziele: Die Ausdehnung seiner strategischen Einflusszone und die Destabilisierung des Westens. Wieso es in dieser Lage mehr und mehr Stimmen gibt, die Sanktionen aufheben möchten und vom Wiederaufbau eines 'Vertrauensverhältnisses' träumen, bleibt deren Geheimnis."

feh / DPA / AFP