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Jahrestag der Tragödie : Fünf Jahre nach MH17-Abschuss: Wo stehen die Ermittlungen?

Vor fünf Jahren starben 298 Menschen beim Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17. Bis heute bleiben viele Fragen unbeantwortet, auch wenn die Ermittler Erfolge verzeichnen. 

Am 17. Juli 2014 wurde über der Ukraine die malaysische Passagiermaschine MH17 abgeschossen. 298 Menschen starben. Doch auch fünf Jahre nach der Tragödie bleiben viele Fragen offen. Ende Juni vermeldete die internationale Untersuchungskommission in den Niederlanden einen Ermittlungserfolg. Das Ermittlerteam JIT, an dem die Niederlande, Malaysia, die Ukraine, Australien und Belgien beteiligt sind, identifizierte vier Männer, die zumindest indirekt für den Absturz verantwortlich sein könnten. Sie sollen für den Transport der Buk-Rakete, mit der das Flugzeug nach Erkenntnissen der Kommission abgeschossen wurde, verantwortlich gewesen sein.

Die niederländische Staatsanwaltschaft hat Haftbefehle gegen die vier Verdächtigen ausgestellt. Doch die niederländische Justiz wird an sie wohl nicht herankommen. Russland weigert sich, sie auszuliefern.

Anfang Juli gelang dem ukrainischen Geheimdienst aber ein Coup, wie der ukrainische Dienst der BBC berichtet. Der Inlandsgeheimdienst SBU entführte den Separatisten Wladimir Zemach aus seiner Wohnung in der Kleinstadt Snischne auf dem Gebiet der selbst ernannten Volksrepublik Donezk und brachte ihn nach Kiew. Hier soll ihm wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation der Prozess gemacht werden. Die ukrainischen Behörden werfen ihm vor, spätestens ab Herbst 2014 eine wichtige Position bei der Flugabwehr der Separatisten in Snischne innegehabt zu haben.

Zum Zeitpunkt des MH17-Absturzes hatte er diese Position noch nicht inne und kann daher nicht dafür verantwortlich sein. Der SBU wirft ihm aber vor, den Absturz nicht nur gesehen, sondern auch geholfen zu haben, die verwendete Buk-Rakete zu verstecken. Als Beleg dafür soll ein Videointerview aus dem Jahr 2015 dienen, in dem sich Zemach damit brüstet, Details über den Abschuss zu kennen. Ob das wirklich zutrifft, ist jedoch zweifelhaft. Auf den Aufnahmen sagt der Ukrainer nämlich aus, dass ein ukrainischer Suchoi-Kampfjet die Boeing abgeschossen habe. Die ukrainischen Behörden hoffen dennoch, er könne trotzdem über wertvolle Informationen verfügen.

Russische Theorien zum MH17-Absturz

Die Version, ein ukrainischer Jet könnte die MH17 abgeschossen haben, gehörte zu den Versionen, die Russland nach der Tragödie vertrat. Ein nach Russland geflüchteter ukrainischer Zeuge nannte sogar den Namen eines ukrainischen Piloten, der mit einem Kampfjet Suchoi Su-25 die Maschine abgeschossen haben soll. Der Pilot beging 2018 Suizid. Zu den Theorien gehörte auch, der Mann habe angeblich das Flugzeug von Putin an dem Tag treffen wollen. Dieses ist der malaysischen Passagiermaschine wegen der Farbgestaltung tatsächlich ähnlich. 

Beweise für diese russischen Versionen gibt es nicht. Moskau weist aber weiter jede Verantwortung von sich. Wie gerufen kommt Russland da auch die neuerliche Reaktion des malaysischen Premierministers Mahathir Mohammad auf die Ermittlungsergebnisse. Er deutete in Kuala Lumpur eine Verschwörung gegen Moskau an. "Das war von Anfang an eine politische Frage, wie man Russland eines Fehlverhaltens beschuldigen kann." Es gebe bislang keine Beweise gegen das Land, meinte er.

Woher kam die Buk?

Woher genau die Buk-Rakete kam, mit der die MH17 abgeschossen wurde, konnte bis heute tatsächlich nicht eindeutig geklärt werden. Am Abend vor dem Abschuss der Boeing zeigte das ukrainische Militärfernsehen Verteidigungsminister Waleri Geletej bei der Inspektion einer einsatzbereiten Buk-Einheit - im Kriegsgebiet. Schon drei Wochen vor dem Abschuss der MH17 meldeten russische Staatsmedien, die Separatisten hätten einen Stützpunkt der ukrainischen Luftabwehr in Donezk besetzt und ein Buk-System erbeutet. Das Verteidigungsministerium in Kiew wies das zwar zurück. Am Tag nach dem Abschuss gestand der ukrainische Geheimdienst SBU aber ein, von einem Buk-System bei den Separatisten gewusst zu haben.

Erreichen können diese Raketen Luftziele in Höhe von 22 Kilometern. Komplett gesperrt wurde der Luftraum über dem Kriegsgebiet dennoch nicht. Unklar ist bis heute, warum die Ukraine den Luftraum damals nicht komplett sperrte. Wollte das finanziell angeschlagene Land nicht auf die Einnahmen aus den Überflugrechten verzichten? Kremlchef Putin gab der Ukraine kurz nach der Tragödie die Schuld. Die Regierung dort habe es versäumt, über dem Kriegsgebiet eine Flugverbotszone einzurichten. Heute fliegt dort kein Passagierflugzeug mehr.

ivi mit Agenturen / DPA