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Ermittlungsbericht: MH17-Abschuss: Russische Armee offiziell beschuldigt - Video zeigt Route des Raketensystems

Die Niederlande und Australien legen sich fest: Russland ist verantwortlich für den Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine. Ermittler präsentierten zuvor ein spektakuläres Video.

MH17: ein Wrackteil des über der Ukraine abgeschossenen Flugzeugs

Beim Abschuss von Flug MH17 über Ukraine starben 298 Menschen

AFP

Was geschah im Juli 2014 in und über der Ostukraine? Die Niederlande und Australien legen sich fest: Passagierflug mit 298 Menschen an Bord wurde vom russischen Militär abgeschossen.

Das teilte die niederländische Regierung in Den Haag mit. Mit diesem formellen Schritt wollen beide Länder zur Mitarbeit an den Ermittlungen sowie zur strafrechtlichen Verfolgung zwingen.

Der Beschluss der beiden Länder ist eine direkte Reaktion auf den Bericht der internationalen Ermittler. Nach deren Angaben stammt die Rakete, die die Boeing traf, von der russischen Armee. "Das Flugabwehrsystem vom Typ Buk gehörte zu Beständen der 53. Flugabwehr-Brigade der Russischen Föderation, stationiert in ", sagte der niederländische Chefermittler Wilbur Paulissen in Bunnik bei Utrecht.

Route der Buk-Rakete aufwendig rekonstruiert

Die Ermittler hatten anhand von Zeugenaussagen und zahlreichen Videos und Fotos vor allem aus den sozialen Netzwerken die Route des Raketensystems rekonstruiert. Am 23. Juni 2014 war ein Militärkonvoi aus Kursk Richtung abgefahren. Dazu gehörte auch das Fahrzeug mit dem Buk-System. Es habe charakteristische einzigartige Kennzeichen und sei dadurch "zweifelsfrei identifiziert" worden. Chefermittler Paulissen sprach von einem "Fingerabdruck". Die niederländische Polizei  veröffentlichte ein Video, das den Weg des Konvois nachzeichnet und die These der russischen Verantwortung für den Abschuss belegen soll.

"Wir untersuchen nun gezielt, inwieweit die betreffende Brigade selbst aktiv am Abschuss der Maschine beteiligt war", sagte der leitende Staatsanwalt Fred Westerbeke. Der Kreis der Verdächtigen habe sich auf ein paar Dutzend reduziert.

Deren Namen wurden bewusst nicht genannt. "Das kann den Ermittlungen schaden", sagte Paulissen. Erneut riefen die Ermittler die Öffentlichkeit zur Mithilfe auf. So wollen sie wissen, wer zu der Mannschaft des Buk-Systems gehörte, wer ihr Kommando hatte und mit welchem Befehl sie in die Ukraine gezogen war. Staatsanwalt Westerbeke sprach von großen Fortschritten. "Wir kommen jetzt in die letzte Phase und kommen den Verantwortlichen immer näher."

Mangelnde Kooperation Russlands beklagt

Das Ermittlerteam klagte über mangelnde Kooperation Russlands. An dem internationalen Team unter niederländischer Leitung beteiligen sich Malaysia, Australien, Belgien und die Ukraine.

Das russische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe entschieden zurück. Moskau habe seit dem Vorfall vor vier Jahren immer wieder betont, dass die Streitkräfte daran nicht beteiligt gewesen seien. Hinter der Tragödie stecke die Ukraine. Die russischen Behörden hätten "erschöpfende Beweise" dafür vorgelegt, dass ukrainische Einheiten beteiligt gewesen seien, die russische Buk-Raketen nutzten.

Das russische Außenministerium nannte die Vorwürfe bedauerlich. Sie hätten lediglich den Zweck, Russland in den Augen der internationalen Gemeinschaft zu diskreditieren. Es gebe keine eindeutigen Beweise, die Ermittlungen seien einseitig, kritisierte das Ministerium.

298 Menschen starben durch Abschuss von Flug MH17

Die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine wiesen die Vorwürfe ebenfalls zurück. Sie hätten keine russischen Buk-Systeme gehabt, sagte ihr Sprecher Eduard Bassurin. Russland und die Aufständischen machen die Ukraine für den Abschuss verantwortlich.

Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, lobte die internationale Zusammenarbeit und äußerte die Hoffnung, dass demnächst Anklage erhoben werden könne. "Das Böse wird bestraft und die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden."

Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben; die meisten kamen aus den Niederlanden. Die Ermittler hatten bereits 2016 festgestellt, dass das Buk-Raketensystem aus Russland in das von pro-russischen Rebellen kontrollierte Gebiet transportiert und später nach Russland zurückgebracht worden war. Neu an dem jetzigen Ermittlungsergebnis ist, dass das Ermittlerteam aufwändig den Weg der Rakete von Kursk bis zur ukrainischen Grenze rekonstruierte.

wue / DPA / AFP