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Absturz über der Ostukraine: Luftbrücke für MH17-Opfer vorerst beendet

Der Transport der Opfer von Flug MH17 ist vorerst beendet. 227 Särge wurden in die Niederlande geflogen - an Bord waren jedoch 298 Menschen. Niederländische Militärpolizisten ermitteln vor Ort weiter.

+++ 18.45 Uhr: Luftbrücke für Opfer vorerst beendet +++

Vorläufig wird es keine weiteren Transporte von Opfern aus dem mutmaßlichen abgeschossenen Flug MH17 der Malaysia Airlines geben. Insgesamt wurden 227 Särge mit menschlichen Überresten aus der Ostukraine in die Niederlande geflogen. Es ist allerdings unklar, wie viele der insgesamt 298 Todesopfer geborgen wurden. Die niederländische Regierung rechnet damit, dass sich an der Absturzstelle noch weitere Opfer befinden. Dort haben 40 unbewaffnete niederländische Militärpolizisten ihre Ermittlungen aufgenommen.

+++ 17:25 Uhr: Putin telefoniert mit Australiens Premier Abbot +++

Der russische Präsident Wladimir Putin und Australiens Premier Tony Abbot fordern eine Feuerpause rund um die Absturzstelle der malaysischen Boeing in der Ostukraine. Die beiden telefonierten nach Angaben des Kremls am Samstag miteinander. Die Feuerpause gemäß einer Resolution des UN-Sicherheitsrates sei nötig, "um internationalen Experten ungehinderten Zugang zur Zone der Flugzeugkatastrophe zu geben". Nach Moskauer Angaben hatte Abbot um das Gespräch gebeten. Von den 298 Todesopfern des Absturzes waren 27 Australier. Canberra dringt darauf, die Absturzstelle durch eine internationale Polizeitruppe zu sichern. In der Region liefern sich ukrainische Truppen und prorussische Separatisten Gefechte.

+++ 16.06 Uhr: Letzte Maschinen mit Opfern gelandet +++

Im Beisein von Angehörigen sind die vorläufig letzten Maschinen mit Opfern des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine im niederländischen Eindhoven gelandet. Zwei Militärmaschinen aus Australien und den Niederlanden mit insgesamt 38 Särgen kamen am Samstag auf dem Flughafen an. Es war der vierte Transport in Folge aus dem ukrainischen Charkow. An der kurzen Zeremonie am Flughafen nahmen unter anderem der niederländische Außenminister Frans Timmermans und Vertreter anderer Herkunftsstaaten der Opfer teil.

+++ 13.56 Uhr: Russland macht USA für Ukraine-Konflikt mitverantwortlich +++

Russland macht die USA mitverantwortlich für den Konflikt in der Ukraine und dessen Folgen. In einer Erklärung des Außenministeriums heißt es, die USA drängten die Regierung in Kiew weiter dazu, die Unzufriedenheit der russisch-sprachige Bevölkerung in der Ukraine mit Gewalt zu unterdrücken. "Da gibt es nur eine Schlussfolgerung - die Obama-Regierung trägt einen Teil der Verantwortung sowohl für den inner-ukrainischen Konflikt als auch für dessen schwerwiegende Folgen." Mit der Erklärung reagiert das Ministerium auf den Vorwurf der US-Regierung, Russlands Präsident Wladimir Putin trage eine Mitverantwortung für den vermutlichen Abschuss des malaysischen Flugzeuges.

+++ 13.35 Uhr: Letzte Opfer unterwegs nach Eindhoven +++

Die Niederlande und Australien absolvieren die vorerst letzten Flüge der Luftbrücke für die Absturzopfer. Die Militärflugzeuge mit je 19 Särgen an Bord heben in der ostukrainischen Stadt Charkow ab und werden nachmittags in Eindhoven erwartet, meldet die Agentur Interfax. Damit seien alle Leichen und Leichenteile, die in vier Kühlwaggons von der Absturzstelle gebracht worden waren, ausgeflogen.

Unklar ist weiterhin, ob bereits alle 298 Opfer des abgestürzten Fluges MH17 gefunden worden sind. Auch in den Tagen nach dem Bahntransport waren am Unglücksort noch Leichen entdeckt worden.

+++ 13.08 Uhr: Steinmeier hält Russland-Sanktionen bereits für effektiv +++

Bundesaußenminister Steinmeier mahnt Vorsicht bei der Verschärfung von Sanktionen gegen Russland an. Er sei "überrascht, dass die Sanktionen bereits wirken, bevor sie verhängt wurden", sagt Steinmeier der "Wirtschaftswoche". Schon jetzt stehe Russland unter Druck. "Kapital flieht seit Monaten aus Russland, die Konjunktur bekommt eine Delle, russische Unternehmen sind nervös." Das treffe die russische Wirtschaft hart, während die Folgen für Deutschland aus Sicht des Ministers "einstweilen begrenzt" blieben. Eine Überreaktion der Kapitalmärkte muss nach Steinmeiers Worten verhindert werden.

+++ 12.18 Uhr: Ukrainische Separatisten beschaffen sich Panzer aus Weltkriegsmuseum +++

Prorussische Separatisten in der Ostukraine versorgen sich im Museum mit Nachschub. In ihrer Hochburg Donezk nutzen sie einen Besuch des dortigen Weltkriegsmuseums, um sich mit einem sowjetischen Panzer und zwei Haubitzen auszustatten. "Sie hatten eine schriftliche Erlaubnis", sagt ein Wachposten. "Sie nahmen den am wenigsten beschädigten Panzer und luden alles auf einen großen Lastwagen". Nach Angaben des Wachmanns liegt der ungewöhnliche Besuch rund zwei Wochen zurück.

+++ Uhr: Russland: EU-Sanktionen gefährden Sicherheitskooperation +++

Russland warnt davor, dass die Ausweitung der EU-Sanktionen die Zusammenarbeit des Landes mit der EU in Sicherheitsfragen beeinträchtigen werde. "Die erweiterte Sanktionsliste ist ein klarer Beweis dafür, dass die EU-Staaten einen Weg beschreiten, der auf eine Abkehr von der Kooperation mit Russland in Fragen der internationalen und regionalen Sicherheit hinausläuft", erklärt das Ministerium in Moskau.

+++ 11.47 Uhr: Prorussische Rebellen erobern Grenzkontrollstelle +++

Die prorussischen Rebellen in der Ostukraine erobern nach eigenen Angaben einen strategisch wichtigen Kontrollposten an der Grenze zu Russland. Das meldet die russische Agentur Interfax; eine ukrainische Bestätigung gibt es nicht. Um den Grenzübergang Marinowka im Süden des Gebiets Donezk hatte es nach übereinstimmenden Berichten in den vergangenen Tagen heftige Artilleriegefechte gegeben.

+++ 11.46 Uhr: Malaysia will Ermittlungen zu Absturz mit Niederlanden abstimmen +++

Malaysia will sich bei den Ermittlungen der Ursache für den Flugzeugabsturz in der Ukraine enger mit den Niederlanden abstimmen. Wie Ministerpräsident Najib Razak mitteilt, werde er in der kommenden Woche in den Niederlanden mit seinem Kollegen Mark Rutte zusammentreffen. Dabei solle beraten werden, wie der uneingeschränkte Zugang zur Absturzstelle und dem Wrack der malaysischen Boeing erreicht werden könne. Mehr als zwei Drittel der 298 Insassen des Flugzeugs kamen aus den Niederlanden und Malaysia.

+++ 11.18 Uhr: Anschläge auf Bürgermeister in der Ukraine +++

In der Ukraine kommt es zu Anschlägen auf zwei Bürgermeister wichtiger Großstädte. Unbekannte ermorden den Bürgermeister Oleg Babajew mit drei Schüssen in der zentralukrainischen Stadt Krementschug am Dnjepr, wie örtliche Medien berichten. Angaben zum Hintergrund der Bluttat gibt es zunächst nicht. Der 1965 geborene Babajew war seit 2010 Bürgermeister der Stadt mit mehr als 220.000 Einwohnern. Vorher war er als Parteigänger der damaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko Abgeordneter gewesen.

In der westukrainischen Metropole Lviv (Lemberg) wurde am Freitagabend das Haus von Bürgermeister Andrej Sadowy mit einem Granatwerfer beschossen. Den Angaben nach wurde niemand verletzt. Der parteilose Sadowy gilt als einer der einflussreichsten Politiker in der Westukraine.

+++ 10.40 Uhr: Van Rompuy bittet um Zustimmung zu neuen Sanktionen +++

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bittet die 28 Staats- und Regierungschefs der EU um Zustimmung zu neuen Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegen Russland. In einem von der "Financial Times" veröffentlichten Brief hält er die Regierungschefs an, persönlich die EU-Botschafter anzuweisen, den geplanten Maßnahmen zuzustimmen. Damit soll ein weiterer EU-Sondergipfel vermieden werden. Die Botschafter sollen nach Van Rompuys Wunsch am Dienstag den ersten EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland zustimmen.

+++ 10.30 Uhr: Noch immer Leichenteile am Absturzort +++

Mehr als eine Woche nach dem Absturz von Flug MH17 befinden sich noch immer sterbliche Überreste der Opfer am Unglücksort. Dies hätten australische Einsatzkräfte am Freitag vor Ort beobachtet, so Australiens Premierminister Tony Abbott. Der internationale Einsatz zur Sicherung des Absturzortes müsse daher so schnell wie möglich beginnen.

Australien will 190 Polizisten und ein kleines Aufgebot von Soldaten entsenden, um die geplanten Bergungsarbeiten unter Leitung der Niederlande zu unterstützten. Die Ermittlungen vor Ort wurden bislang von den bewaffneten Separatisten behindert.

+++ 9.09 Uhr: Ukrainisches Parlament plant Krisen-Sondersitzung +++

Das ukrainische Parlament plant am Donnerstag (31. Juli) eine Sondersitzung. Dabei könnte auch ein Verbleib des eigentlich zurückgetretenen Regierungschefs Arseni Jazenjuk im Amt beschlossen werden, wie Medien in Kiew berichten. Präsident Petro Poroschenko äußert in Kiew die Hoffnung, dass Jazenjuk seine Krisenarbeit fortsetze. Der Regierungschef hatte seinen Rücktritt am Donnerstag auch mit seinem Ärger über die Arbeit des Parlaments begründet.

+++ 5.34 Uhr: EU setzt russische Geheimdienstchefs auf neue Sanktionsliste +++

Auf der neuen Sanktionsliste sind unter anderem die Chefs der russischen Inlands- und Auslandsgeheimdienste, Alexander Bortnikow und Michail Fradkow, verzeichnet. Den Mitgliedern des russischen Sicherheitsrats, zu denen auch Bortnikow und Fradkow zählen, wird vorgeworfen, mitverantwortlich für den politischen Kurs Moskaus zu sein, der die "territoriale Integrität, die Souveränität und die Unabhängigkeit" der Ukraine gefährde.

+++ 5.34 Uhr: EU erstmals einig über Wirtschaftssanktionen gegen Moskau +++

Die 28 EU-Regierungen sind sich einig über Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Nach Angaben von Diplomaten verständigen sich die EU-Botschafter in Brüssel darauf, Russland den Zugang zu EU-Finanzmärkten zu erschweren. Zu dem Paket gehört auch ein Verbot künftiger Waffenexporte. Außerdem will die EU keinerlei Hochtechnologieprodukte mehr liefern, Spezialanlagen zur Öl- und Gasförderung nur noch beschränkt.

Mit den ersten Wirtschaftssanktionen soll Moskau dazu veranlasst werden, die Separatisten in der Ostukraine nicht länger zu unterstützen. Die EU-Kommission soll bis Montag Verordnungstexte für die Umsetzung der Sanktionen vorlegen. Diese sollen dann am Dienstag von den EU-Botschaftern offiziell gebilligt werden, sofern Russland nicht in letzter Minute Zeichen für ein Einlenken gibt.

+++ 3.37 Uhr: Niederländische Experten sollen bei Untersuchungen helfen +++

Niederländische Experten sollen ihre internationalen Kollegen bei der Untersuchung der Absturzstelle von Flug MH17 in der Ostukraine unterstützen und auch bei der Suche nach möglichen weiteren Opfern helfen. Am Freitagabend startete vom Militärflughafen in Eindhoven eine Maschine mit 40 niederländischen Militärpolizisten und 20 forensischen Experten der Polizei. Diese seien nicht bewaffnet und sollten auch keine Uniformen tragen, so Ministerpräsident Mark Rutte.

Die Niederlande schließen aber einen bewaffneten Militäreinsatz nicht aus, wenn der Schutz der Experten in dem Katastrophengebiet nicht gewährleistet sei. Noch an diesem Wochenende will die Regierung in Den Haag darüber entscheiden.

+++ 1.01 Uhr: Steinmeier fordert rasche und schärfere Sanktionen gegen Russland +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht sich für rasche Sanktionen gegen die russische Wirtschaft aus. "Nach dem Tod von 300 unschuldigen Menschen beim Absturz von MH17 und dem unwürdigen Treiben marodierender Soldateska an der Absturzstelle lässt uns das Verhalten Russlands keine andere Wahl", sagt er der "Süddeutschen Zeitung". In Brüssel liefen die Vorbereitungen für "den Einstieg in sektorale Maßnahmen" auf Hochtouren, betont Steinmeier. So werden gezielte Sanktionen gegen ausgewählte Wirtschaftsbereiche genannt.

amt/jen/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters