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Putins Russland: Tausche Marionette gegen Kleingeist

Wladimir Putin, der fantasielose Kontrollfreak, wird wieder Präsident. Auch dank einer Schar von Ja-Sagern, die ihn umgibt. Und er garantiert, dass Russland in einem bedauernswerten Zustand bleibt.

Ein Kommentar von Andreas Albes

Russland stehen nun zwölf weitere Jahre Präsident Putin ins Haus. Weitere zwölf Jahre Korruption. Weitere zwölf Jahre stagnierende Wirtschaft. Weitere zwölf Jahre intellektueller Stillstand. Warum so pessimistisch? Ganz einfach, weil Russland ein Land in einem bedauernswerten Zustand ist. Und weil Putin garantiert, dass es so bleibt.

Als Putin im Jahr 2000 erstmals an die Macht kam, tat er etwas sehr Richtiges: Er entmachtete die Oligarchen und sorgte dafür, dass die Entscheidungen im Kreml nicht von gierigen Wirtschaftstycoons fremdbestimmt werden. Das gab Russland Stabilität. Es wäre eine gute Basis für den Aufbau eines modernen Rechtsstaats gewesen. Hätte Putin das zugelassen, er wäre ein großer Präsident geworden.

Ein Mann ohne Visionen und ohne Vertrauen

Doch Putin, der Ex-KGB-Agent, ist ein Kleingeist. Ein Mann ohne Visionen. Ohne Vertrauen. Er regelt am liebsten alles selbst. Wenn er Verantwortung überträgt, dann nur an Leute, die ihn vor jeder Entscheidung um Erlaubnis bitten. So kann man vielleicht ein kleines Familienunternehmen führen, nicht aber den größten Flächenstaat der Erde.

In den ersten acht Jahren seiner Regentschaft versammelte das Staatsoberhaupt eine Armee von Ja-Sagern um sich. Und die haben vor lauter Angst, für Fehler verantwortlich gemacht zu werden, einen gigantischen Bürokratieapparat geschaffen. Rund zwei Millionen Beamte, die tagaus tagein damit beschäftigt sind, Regeln für Sonderregeln zu erfinden, für die es eigentlich schon Extraregeln gibt.

Ein außer Kontrolle geratenes Monster

Das russische Bürokratiemonster führt längst ein Eigenleben. Es lähmt die Wirtschaft, es beherrscht die Justiz, es schreckt Investoren ab. Es ist der Albtraum jedes Wissenschaftlers. Das Schlimmste aber: Es dient als Versorgungsbetrieb für die korrupte Kaste russischer Staatsdiener. Auf allen Ebenen, in allen Positionen, bis ganz nach oben in den Ministerien. Niemand - auch der Kreml nicht - kann dieses mafiöse System noch kontrollieren. Die Schaffung eines unabhängigen Rechtswesens wäre eine echte Kampfansage. Dann müsste man damit rechnen, dass die Gefängnisse im ganzen Land aus den Fugen platzen. Und dass eine Menge Leute hinter Gittern säßen, die heute noch als "renommierte Persönlichkeiten" gelten.

Ein paar Naivlinge, vor allem im Westen, hatten irgendwie gehofft, dass der nette Herr Medwedew, diesen Kampf führen könnte. Er hatte immerhin oft davon gesprochen. Doch wenn das vergangene Wochenende eines gebracht hat, dann den Beweis, dass Medwedew auch nur eine Marionette aus Putins Ja-Sager-Theater ist.

"Partei der Gauner und Diebe"

Der Amtsinhaber hat sich demütig selbst abserviert, indem er Putin für die Präsidentschaftskandidatur 2012 vorschlug. Da klatschen die Delegierten der Staatspartei "Einiges Russland" - die im Volksmund nur noch "Partei der Gauner und Diebe" genannt wird - tosend Beifall. Verständlich, schließlich haben alle, die am korrupten Russland mitverdienen, nun etwas zu feiern.