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Republikanischer Parteitag: Krawallmacher bei der Bush-Krönungsfeier

Über 250.000 Bush-Gegner aus aller Welt werden zum Wahlparteitag der Republikaner in New York erwartet. Anarchistengruppen kündigten an, es der "Imperialistenpartei" so richtig zeigen zu wollen.

Schon beim Anflug auf New York können Delegierte des Wahlparteitages der Republikaner lesen, was was laut Umfragen die Mehrheit in dieser Stadt von einer zweiten Amtszeit für George W. Bush hält: "No more years" (Keine weiteren Jahre) ist in riesigen gelben Buchstaben auf Dächern in den Einflugzonen zu lesen. Und: "Stop Bush Now" (Stoppt Bush jetzt).

Etwa 250.000 Demonstranten wollen nach Behördenschätzungen den "Krönungsparteitag" für Bush, der am Montag (30.8.) im Madison Square Garden beginnt, mit Protestaktionen begleiten. Es werden Demonstrationen gegen nahezu jede Facette der Bush-Politik erwartet - vom Irak-Krieg bis zum Vorgehen gegen so genannte Homo-Ehen. Dass einige Proteste zu Krawallen ausarten, wird in der als Hochburg des linksliberalen Amerika geltenden Metropole weithin befürchtet. Krawalle, die alles in den Schatten stellen könnten, was sich 1999 beim Welthandelsgipfel in Seattle abspielte.

"Unberechenbare Chaoten"

Bekanntlich gebe es im "Big Apple" nicht wenige unberechenbare Chaoten, schrieb die "New York Times". Die meisten seien friedfertig und daher willkommen, versichert Bürgermeister Michael Bloomberg. Sie sollen sich nur beim New Yorker Tourismusbüro registrieren lassen und dort einen Anstecker empfangen, der sie als "peaceful" ausweist. Dafür gibt es dann Rabatte in eine Reihe von Restaurants. "Mit leerem Bauch demonstriert es sich auch hier nicht gut", juxte Bloomberg. Jamie Moran, der ganz oben auf der Observierungsliste des FBI steht, kann darüber nicht lachen. "Wir sorgen dafür, dass sich die Republikaner hier verdammt miserabel fühlen", droht der "Pate" der New Yorker Anarchistengruppen. In ihren Kneipen im East Village diskutieren sie, wie man es Bush und den 4852 anderen Delegierten der "Imperialistenpartei" so richtig zeigen will.

Versteckte Hinweise dazu gibt es auf der Radikalen-Homepage RNCNotWelcome.org, die auch beim FBI und bei Bushs Leibwächtern vom Geheimdienst gelesen wird. "Anarchisten sind die Joker des Parteitags" fasste die "New York Times" die Befürchtungen der Sicherheitsleute zusammen. "Sie sind der unberechenbare Faktor, der jede Demonstration in Gewalt ausarten lassen kann."

In der Nähe des Madison Square Garden dürften Störer allerdings keine Chance haben. Allein schon wegen der Furcht vor Terroranschlägen ist das Umfeld der weltbekannten Sport- und Konzerthalle unweit des Empire State Building unter Einsatz von mehr als 8000 Bewaffneten hermetisch abgeriegelt worden.

Polizisten, Soldaten und Nationalgardisten haben - wie in vielen anderen Gegenden Manhattans auch - im Bahnhof Penn Station sowie in der Subway-Station Stellung bezogen, die beide unter dem Madison Square Garden liegen. U-Bahnen werden dort während des Parteitages nicht halten. Fernreisezüge werden schärfstens kontrolliert. Bewaffnete Begleiter fahren auch in allen Bussen mit, die Delegierte von ihren Hotels zur Konferenzhalle und zurück bringen.

"Wir tun alles, um die Sicherheit zu garantieren", versprach Heimatschutzminister Tom Ridge, der persönlich die Schutzvorkehrungen inspizierte. Dafür haben tausende Polizisten seit Oktober trainiert. Zur Ausbildung gehörte die Erstürmung eines von Anarchisten oder gar Terroristen entführten Delegiertenbusses.

Größte Polizeitruppe der Welt

"Wir sind auf alles eingestellt", sagt Raymond R. Kelly, der Chef der mit 36 000 Männern und Frauen größten Polizeitruppe der Welt. Zig Millionen Dollar wurden für neue Ausrüstungen der Anti-Krawalltruppen ausgegeben. Deren Stolz sind Kleinhubschrauber, die leicht durch die Wolkenkratzerschluchten fliegen und mit Superscheinwerfern die dunkelsten Ecken ausleuchten können.

Zum Arsenal gehören auch im Irak erprobte Mega-Lautsprecher zum Stückpreis von umgerechnet 30 000 Euro. Damit können notfalls Menschengruppen mit nervenzerreißenden Tönen selbst 100 Meter entfernte Menschengruppen in die Flucht getreiben werden. Hinzu kommen Tränengasgranaten, Gummigeschosse, Wasserwerfer und Panzerwagen. Auch handliche Motorsägen zur Trennung angeketteter Demonstranten gehören zu Standardausrüstung.

Dass es Krawalle gibt, fürchten viele Bush-Gegner möglicherweise mehr als manche Republikaner. Gewalttätige Proteste würden Rufe nach Law and Order verstärken, sagte das liberale Stadtmagazin "New York" voraus. Der Schriftsteller Norman Mailer - einst das "Sprachrohr" der 68er Bewegung - behauptete gar, das Bush-Lager liebäugele mit Gewaltszenen in der Stadt des 11. September. "Die wollen gar nicht, dass es friedlich bleibt", sagte Mailer. "Sie hoffen auf ekelhafte Gewalt". Die Kombination von Unruhen und Medien würde Bush enormen Auftrieb geben.

Thomas Burmeister/DPA / DPA