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Alexander Miasnikow: Russland macht Corona-Skeptiker zum Chef der offiziellen Corona-Informationsstelle

Vielen Russen ist Alexander Miasnikow aus dem TV bekannt. Dort sagt er Dinge wie: Eine Corona-Pandemie sei unmöglich. Und wenn, dann sei das Virus im April wieder verschwunden. Nun wird er Leiter des offiziellen Corona-Informationszentrums.

Alexander Miasnikow

Alexander Miasnikow, hier mit der russischen Gesundheitsministerin Veronika Skwortsowa, ist vielen Russen aus dem Fernsehen bekannt

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Das Coronavirus hält die Welt eisern im Griff. Nur ein paar wenige Unerschrockene bieten dem Erreger die Stirn. Besser gesagt. Sie ignorieren schlicht die Gefahr, die von dem kleinen DNA-Strang ausgeht. Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko gehört etwa dazu, sein brasilianischer Kollege Jair Bolsonaro ebenfalls und Wladimir Putin beteuerte zu Beginn der Pandemie noch, die Lage unter Kontrolle zu haben. Mittlerweile hat der Kremlchef den Russen Corona-frei gegeben und einen gewissen Alexander Miasnikow engagiert, um die Bevölkerung über den Fortgang der Infektionen zu informieren. Dass der Mediziner bis dahin eher als "Corona-Leugner" bekannt war – sei's drum.

"Optimistische Einstellung" gegenüber Corona

Die Zeitung "Moscow Times" zum Beispiel attestierte dem Chefarzt eines Krankenhauses in der Hauptstadt eine "optimistische Einstellung" gegenüber dem Coronavirus. Das Blatt zitierte ihn unter anderem so: Es sei "unmöglich", dass sich der Erreger in Russland ausbreite. Und wenn, dann sei die Infektionswelle Mitte April wieder vorüber. Das verkündete er vor einem Monat in einer Sendung des kremltreuen Fernsehmoderators Wladimir Solowjow. Abgesehen davon: Das russische Gesundheitssystem sei besser auf eine Pandemie vorbereitet, als die Systeme im Westen.

Ganz grundsätzlich scheint Miasnikow selbst in Zeiten einer Pandemie eher die positiven Seiten zu sehen: So sei das Virus hilfreich für die Russen. Denn es ermutige sie dazu, ihre Hände zu waschen und Gesichtsmasken zu tragen, sagte er vor kurzem noch pragmatisch. "Denn andere Virusinfektionen sind in der Bevölkerung weit verbreitet." Angesichts des Osterwochenendes, das die orthodoxen Russen dieses Wochenende feiern, rief der Arzt dazu auf, jetzt erst recht in die Kirchen zu strömen. Denn: "Der Glaube mobilisiert Immunität und innere Kräfte."

Miasnikow soll mit "Fake-News" aufräumen

Nun also wurde er zum Leiter des nationalen Coronavirus-Informationszentrums ernannt. Seine Aufgabe: Die Öffentlichkeit mit den offiziellen Daten über die Pandemie versorgen und mit Fehlinformationen und Falschnachrichten aufräumen.

Miasnikow steht dem Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin nahe, der jüngst einräumen musste, dass die russischen Behörden kein "klares Bild" vom Ausmaß der Coronavirus-Krise im Land hätten. "Das Problem ist, dass zu wenig getestet wird", sagte er und das wohl deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert seien als es die offiziellen Statistiken vermuten ließen.

Noch ist deswegen unklar, welches Bild der neue Corona-Chefinformant bei seinen Statements zeichnen wird. Es könnte angesichts der Datenlage diffus ausfallen. Ende März behauptete Miasnikow noch, dass die "individuellen Risiken gleich Null" seien, und tatsächlich lag die offizielle Zahl der Corona-Infizierten und -Toten deutlich hinter denen des Westens. Doch mittlerweile steigt sie massiv an: Zuletzt um mehr als 4000 auf über 32.000. 273 Menschen sind bislang offiziell an Covid-19 gestorben. Laut der Johns-Hopkins-Universität liegen die Zahlen aber deutlich höher: Sie geht von 43.000 Infizierten und 360 Toten aus.

Russen greifen vermehrt zum Wodka

Angesichts der trüben Lage scheinen viele Russen derzeit am ehesten dem Rat von Alexander Lukaschenko zu folgen. Der Präsident des befreundeten Nachbarn Belarus hatte empfohlen, das Virus mit Wodka zu bekämpfen. Und einigen Umfrageinstituten zu Folge soll der Verkauf des Wässerchens zeitweise um ein Vielfaches nach oben geschossen sein. Besorgt über diese Entwicklung äußert sich Sultan Chamsajew von der Organisation "Nüchternes Russland": "Wir dürfen nicht zulassen, dass dieses gefährliche Virus nun die Ursache für andere Krankheiten wird."

Quellen: Johns-Hopkins-Universität, AFP, Ria Novosti, "Moscow Times", DPA