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Russland: Anklage im Mordfall Politkowskaja

Der Mord hatte für Aufsehen gesorgt: Im Oktober 2006 war die bekannte russische Journalistin Anna Politkowskaja erschossen worden. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat nun Anklage gegen vier Männer erhoben - der Haupttäter ist allerdings nicht darunter.

Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat die russische Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall beendet. Vier Männer seien wegen Mordes an der international bekannten Reporterin der Zeitung "Nowaja Gaseta" angeklagt worden. Demnach wurden drei Männer wegen Mordes an der Journalistin angeklagt. Ein vierter, ein Ex-Beamter des russischen Geheimdienstes FSB, muss sich wegen Machtmissbrauchs und Erpressung verantworten. Das teilte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit.

Zuvor verlautete aus Sicherheitskreisen, der FSB-Beamte habe den Mördern der Journalistin deren Adresse gegeben. Ein weiterer Verdächtiger war früher bei der Polizei, während die beiden anderen aus Tschetschenien stammen. Das Komitee erklärte, der Vorwurf des Machtmissbrauchs gegen den FSB-Beamten gehe auf andere Taten zurück, die dieser zusammen mit dem früheren Polizisten begangen haben soll. Wann der Prozess beginnen soll, blieb zunächst unklar.

Der von Russland international zur Fahndung ausgeschriebene Hauptverdächtige, der 30-jährige Tschetschene Rustam Machmudow, ist weiter auf der Flucht.

Die oppositionsnahe Zeitung "Nowaja Gaseta" kritisierte die Mitteilung der Staatsanwaltschaft. "Man kann hier nicht von einem Ende der Ermittlungen sprechen", sagte der Chefredakteur der Zeitung, Dmitri Muratow. Es sei "tatsächlich" viel getan worden, die Untersuchungen seien auf einem guten Weg gewesen. "Vor allem aber ist der Mörder noch in Freiheit und der Auftraggeber nicht identifiziert", sagte Muratow.

Die wegen ihrer Reportagen aus dem Kriegsgebiet Tschetschenien bekannte Politkowskaja war im Oktober 2006 vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen worden. Mehrere Tatverdächtige waren in den vergangenen Wochen freigelassen worden, weil sie Alibis hatten oder mit den Ermittlern kooperierten.

Bereits Mitte 2007 hatte die Generalstaatsanwaltschaft die "Aufklärung des Mordes" verkündet und Tschetschenen sowie "Staatsfeinde im Ausland" als Täter benannt. Einer der Ermittler behauptete, der im Londoner Exil lebende Oligarch Boris Beresowski habe Politkowskaja auf dem Gewissen. Zugleich halten sich bis heute in Russland Spekulationen, dass die Spuren bis in den Kreml führen.

DPA/AFP/AP / AP / DPA