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Dutzende exekutiert: "Massenhinrichtung" in Saudi-Arabien – die Methoden schockieren schon lange

Saudi-Arabien verurteilt 37 Menschen zum Tode und richtet sie hin. Menschenrechtler kritisieren das Vorgehen seit Jahren. Die Hinrichtungen – oftmals Enthauptungen – finden zum Teil öffentlich statt.

"Massenhinrichtung" in Saudi-Arabien – die Methoden schockieren schon lange

Salman bin Abdulaziz Al Saud, König von Saudi-Arabien

DPA

In Saudi-Arabien sind nach Angaben des Innenministeriums 37 Menschen nach Terrorismus-Vorwürfen hingerichtet worden. Die saudischen Staatsbürger sollen unter anderem Terrorgruppen aufgebaut, Sicherheitskräfte angegriffen und terroristische Ideologie angenommen haben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Dienstag. Amnesty International dagegen kritisierte die "Massenhinrichtung" und sprach von einer alarmierenden Eskalation von Todesurteilen in dem arabischen Königreich. 

"Es ist ein weiteres, grauenvolles Anzeichen dafür, wie die Todesstrafe als politisches Instrument missbraucht wird", teilte Lynn Maalouf von Amnesty International mit. Die Mehrheit der Hingerichteten komme aus der schiitischen Minderheit des Landes. Die Männer seien in Scheinverhandlungen verurteilt worden, die jeglichen internationalen Standards widersprächen. 

Enthauptung, Erschießung, Steinigung

Das Königreich steht wegen der Todesstrafe international in der Kritik. In der Regel werden die Verurteilten – zum Teil öffentlich – hingerichtet. Die üblichste Methode in Saudi-Arabien ist die Enthauptung durch ein Schwert. Auch Erschießungen und Steinigungen seien möglich, berichtet der gemeinnützige Verein Initiative gegen die Todesstrafe e. V., würden jedoch seltener angewandt werden. Laut Nachrichtenagentur AFP wurde einer der nun Verurteilten gekreuzigt. Eine Hinrichtungsart, die nur für besonders schwere Verbrechen vorgesehen sei. Laut Nachrichtenagentur AP sei darüber hinaus eine Leiche mehrere Stunden lang öffentlich auf einem Pfahl zur Schau gestellt worden. Beide Agenturen beriefen sich auf Angaben aus dem Innenministerium.

Die Enthauptungen finden zum Teil auf öffentlichen Plätzen statt. Mehreren Medienberichten zufolge, werden die Verurteilten dabei gefesselt, ihre Augen verbunden und kniend von einem Scharfrichter geköpft. 

Ein Reporter der "Zeit" schildert 2014 eine öffentliche Enthauptung in Riad so: 

"Ihre Hände sind auf den Rücken gefesselt, über die Gesichter breite, graue Tücher geknotet. Einen Moment mustert der Henker konzentriert sein flach vor ihm kniendes Opfer, drückt mit dem linken Zeigefinger den freigelegten Hals noch ein wenig nach unten. Dann saust das Krummschwert herab – der Kopf fällt auf das Deckenlager, eine Blutfontäne spritzt aus dem Rumpf. Der Torso kippt nach vorne und schlägt auf den Boden. Hastig werden über die blechernen Lautsprecher Name und Taten des Hingerichteten heruntergeleiert, während der Scharfrichter bedächtig seine Klinge mit einem weißen Tuch abwischt."

Über den öffentlichen Ablauf schreibt der "Zeit"-Journalist:

"Bereitschaftspolizisten beordern alle Passanten hinter die Absperrgitter und halten jeden Zuschauer im Auge. Niemand darf auch nur ein Handy in die Hand nehmen, Fotos vom Hinrichtungsort sind streng verboten – sie könnten den Ruf des Landes schädigen. Imbissstube und Café unter den Arkaden müssen schließen."

Zu den Verbrechen und Straftaten, die in dem ultraorthodoxen islamischen Gottesstaat mit dem Tod bestraft werden können, zählen unter anderem Terror(-Pläne), Raub, Entführung, Mord, Vergewaltigung und Spionage. 

Amnesty International kritisiert, dass saudische Strafprozesse oftmals kein faires Verfahren seien. Etwa, weil Geständnisse durch Folter erpresst worden oder den Beschuldigten Strafverteidiger verweigert würden. Im "Todesstrafen-Bericht 2018" der Menschenrechtsorganisation belegt Saudi-Arabien mit 149 Hinrichtungen den dritten Platz in der Liste. Nur China ("Tausende") und Iran (mindestens 253) kamen 2018 weltweit auf mehr vollstrecke Todesstrafen. 

Saudi-Arabien soll in diesem Jahr schon 104 Menschen hingerichtet haben

Unter den nun Hingerichteten seien elf Männer, die wegen Spionage für den Iran verurteilt worden seien, berichtete Amnesty. Mindestens 14 weitere Personen seien wegen ihrer Teilnahme an Anti-Regierungsprotesten im Osten Saudi-Arabiens in den Jahren 2011 und 2012 verurteilt worden. Zu den Verurteilten zählte demnach auch ein junger Mann, der zum Zeitpunkt der Proteste erst 16 Jahre alt war. Nach internationalem Recht ist die Todesstrafe gegen Minderjährige verboten, wie Amnesty betonte. In diesem Jahr seien bereits mindestens 104 Menschen hingerichtet worden, die meisten im Zusammenhang mit Drogendelikten.

Quellen: Amnesty International, Initiative gegen die Todesstrafe e.V."Die Zeit", "Tagesschau", Nachrichtenagentur DPA

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fs