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Schuldenstaat USA: Ratingagentur senkt US-Bonitätsausblick

Lange wurde es befürchtet, jetzt scheint es wahr zu werden: Die steigenden Schulden der USA lassen Zweifel der Kreditwürdigkeit des Landes laut werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den Bonitätsausblick für US-Staatsanleihen gesenkt.

Warnschuss für die hoch verschuldeten USA: Die Ratingagentur S&P hat die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten infrage gestellt. Sie werde deren Bonität zwar weiter mit der Bestnote "AAA" bewerten, teilte S&P am Montag mit. Allerdings senke sie den Ausblick für die langfristige Beurteilung von "stabil" auf "negativ". Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung - laut Mitteilung mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent. Die US-Regierung wies die Zweifel zurück.

S&P kritisierte die "unklaren" Pläne der Regierung in Washington, wie sie die "sehr großen Budgetdefizite und die steigende Verschuldung" angehen wolle. Es gebe ein "erhebliches Risiko", dass sich die US-Politik bis 2013 nicht darauf einigen könne, wie die mittel- und langfristigen Haushaltsprobleme in den Griff zu bekommen seien. Die Ratingagentur drohte, den USA in diesem Fall die Topbewertung "AAA" zu entziehen, mit der sich das Land an den Finanzmärkten zu günstigen Konditionen frisches Geld besorgen kann.

Nach der Ankündigung stürzten die Kurse zu Handelsbeginn in New York ab. Der Dow Jones verlor am Vormittag zeitweise mehr als zwei Prozent, auch der Technologie-Index Nasdaq fiel nach Handelsbeginn um knapp zwei Prozent.

Im Tagesverlauf erholten sich die Kurse jedoch wieder, nachdem einige Analysten die stark negative Reaktion auf den Schritt von S&P als übertrieben bezeichnet hatten. Der Dow Jones Industrial schloss um 1,14 Prozent tiefer mit 12 201,59 Punkten. Zwischenzeitlich hatte der weltweit bekannteste Aktienindex bei 12 094 Punkten gelegen.

Das US-Finanzministerium kritisierte die Einschätzung der Ratingagentur scharf. S&P unterschätze die Möglichkeiten der Regierung, die "schwierigen fiskalischen Herausforderungen" anzugehen, erklärte das Ministerium. Die Demokraten von US-Präsident Barack Obama und die Republikaner, die das Repräsentantenhaus kontrollieren, liefern sich eine scharfe Auseinandersetzung über die künftige Haushaltspolitik des Landes. Nur mit Mühe verabschiedete der Kongress in der vergangenen Woche einen Budget-Kompromiss für die restlichen Monate des Haushaltsjahres 2011.

Das erwartete Haushaltsdefizit der USA für 2011 liegt bei 1,6 Billionen Dollar. Im Mai werden die USA die derzeit geltende Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar erreichen, die rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes entspricht. Der Kongress müsste einer Erhöhung der Obergrenze zustimmen, sonst darf die Regierung nur noch das Geld ausgeben, das sie einnimmt. Die Republikaner haben bereits angekündigt, die Grenze nur anzuheben, wenn Obama weitere Kürzungen zusagt.

liri/AFP/DPA / DPA