SELBSTMORD-ANSCHLAG Israel erwägt »Reaktion«


Israel erwägt nach dem Selbstmordanschlag in Netanja eine militärische »Reaktion« gegen die Palästinenser. Bei dem schwersten Terroranschlag in Israel seit neun Monaten kamen mindestens 19 Israelis um.

19 Israelis getötet, 170 Menschen verletzt

Israel erwägt nach dem Selbstmordanschlag vom Mittwochabend in Netanja eine militärische »Reaktion« gegen die Palästinenser. Die Regierung in Jerusalem machte die Palästinensische Autonomiebehörde direkt für den schwersten Terroranschlag in Israel seit neun Monaten verantwortlich, bei dem nach letzten Angaben mindestens 19 Israelis und der Attentäter starben. Über 170 Menschen wurden verletzt, berichtete der US- Nachrichtensender CNN. Mindestens 48 erlitten schwere Verletzungen.

Die Autonomiebehörde verurteilte das Attentat und kündigte eine harte Bestrafung der Verantwortlichen an. US-Präsident George W. Bush sagte: »Dieses gefühllose, dieses kaltblütige Morden muss aufhören.« Er glaube, dass selbst im Nahen Osten ein Friede erreichbar sei. Bush forderte Palästinenserpräsident Jassir Arafat und die Autonomiebehörde auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das terroristische Morden zu stoppen.

Der Attentäter hatte sich trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen Zutritt zu der Empfangshalle des Park-Hotels verschafft und dort gegen 18.30 Uhr MEZ den um seinen Leib geschnallten Sprengsatz gezündet. Die Gäste wollten nach einem Gottesdienst in der Synagoge an dem traditionellen Seder-Mahl vor dem jüdischen Passah-Fest teilzunehmen. Die Lobby wurde durch die Explosion völlig zerstört.

Israel: Waffenruhe überdenken

Das Attentat wirft schwere Schatten über die bereits ins Stocken geratenen Bemühungen von US-Vermittler Anthony Zinni, der eine Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern erreichen möchte. Israelische Sicherheitskreise erklärten am Abend, der zweitschwerste Anschlag seit Beginn des Aufstands vor 18 Monaten würde »weit reichende Folgen für den Konflikt mit den Palästinensern haben«, berichtete die Tageszeitung »Haaretz« in ihrer Internet-Ausgabe.

Noch am Abend rief Israels Ministerpräsident Ariel Scharon seine wichtigsten Minister zu einer Krisensitzung in Jerusalem zusammen. In Jerusalem hieß es, angesichts der fortgesetzten Gewalt durch die Palästinenser müsse Israel seine Haltung zu der angestrebten Waffenruhe überdenken.

Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser nahm inzwischen Kontakt zu der Führung der Streitkräfte und Geheimdienste auf, um über Israels Reaktion auf die Tat zu beraten. Der israelische Polizeiminister Usi Landau sagte am Ort des Anschlags: »Dies war kein Anschlag, dies war ein Massaker.«

Eklat beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga

Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamische Hamas- Organisation und die »Al-Aksa-Brigaden«, die als bewaffneter Arm der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat gelten. Bei dem bislang schwersten Anschlag palästinensischer Extremisten seit Beginn der zweiten Intifada vor 18 Monaten hatten die Attentäter am 1. Juni 2001 in Tel Aviv vor einer Discothek 21 Menschen getötet.

Der zweitägige Gipfel der Arabischen Liga in Beirut hatte am Mittwochvormittag mit einem Eklat begonnen. Die palästinensische Delegation verließ die Konferenz unter Protest, weil die Rede von Arafat aus Ramallah nicht in den Sitzungssaal übertragen wurde. Der saudische Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis hatte kurz zuvor seinen Friedensplan präsentiert. Die Palästinenser wollen am heutigen Donnerstag an den Konferenztisch zurückkehren, sagte ihr Minister für internationale Zusammenarbeit, Nabil Schaath, in der libanesischen Hauptstadt. Nach palästinensischen Angaben ist es möglich, dass Arafat eine neue Rede für eine Live-Übertragung verfassen werde.

Saudi-Arabiens Kronprinz Abdullah schlug vor, »dass die Arabische Liga dem UN-Sicherheitsrat ein gemeinsames Programm vorlegt, das Israel normale Beziehungen (zu den arabischen Staaten) und Sicherheit garantiert«. Im Gegenzug sollten die Israelis einen unabhängigen palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt akzeptieren und sich aus den 1967 besetzten Gebieten zurückziehen. Abdullah bekräftigte außerdem das Rückkehr-Recht der 1948 geflohenen Palästinenser.

Arafat appelliert an Gipfelteilnehmer

Arafat nannte den Friedensplan eine »weitsichtige und mutige Initiative«. Er rief die arabischen Staatschefs auf, den Vorschlag zu einer »arabischen Initiative für einen Frieden der Mutigen« zu machen. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief Israelis und Palästinenser in Beirut auf, »den Frieden offiziell zu ihrem strategischen Ziel zu erklären«. Zugleich appellierte er an die Gipfel-Teilnehmer, den saudischen Friedensplan zu unterstützen. Der syrische Präsident Baschar el Assad schlug den arabischen Staaten vor, alle Kontakte zu Israel abzubrechen, »bis ein gerechter und umfassender Frieden erreicht ist und der Rückzug (der Israelis) aus den 1967 besetzten Gebieten abgeschlossen ist«.

Arafat hatte seine Teilnahme am Gipfel wegen der vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gestellten Bedingungen abgesagt. Scharon hatte gedroht, ihn nicht in die Palästinensergebiete zurückkehren zu lassen.

Auch die als gemäßigt geltenden arabischen Führer - der ägyptische Präsident Husni Mubarak, der jordanische König Abdullah II. und der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa El Thani - sagten ihre Teilnahme am Gipfel in letzter Minute ab.


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