Selbstmord Kellys Familie erhebt schwere Vorwürfe


Nach dem Selbstmord des britischen Waffenexperten und Regierungsberaters David Kelly hat sich dessen Familie in einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt.

Nach dem Selbstmord des britischen Waffenexperten und Regierungsberaters David Kelly hat sich dessen Familie in einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. In der von der Polizei verlesenen Stellungnahme hieß es: "Die Ereignisse der letzten Wochen haben Davids Leben unerträglich gemacht, und alle Beteiligten sollten lange und eingehend darüber nachdenken." Sein Berufsleben sei gekennzeichnet gewesen von Integrität, Ehre und der Entschlossenheit, die Wahrheit auch unter schwierigsten Umständen zu suchen.

David Kelly verblutete

Der ehemalige britische Waffeninspektor David Kelly ist nach Polizeiangaben durch einen Schnitt an seinem linken Handgelenk verblutet. Kelly war eine zentrale Figur in dem Streit um die Begründung der britischen Regierung für den Irakkrieg.

Ein Polizeisprecher bestätigte heute im britischen Fernsehen, dass eine am Vortag in einem Waldstück gefundene Leiche die des Mikrobiologen sei. „Die Leichenschau hat ergeben, dass die Todesursache der Blutverlust aus einer Wunde an seinem linken Handgelenk war“, sagte er. Bei der Leiche seien ein Messer und eine geöffnete Packung eines schmerzstillenden Medikaments gefunden worden. Es gebe keine Hinweise, dass eine andere Person in dem Fall verwickelt sei.

Blair ordnet Untersuchung an

Der britische Premierminister Tony Blair hat den mysteriösen Tod eines für die Regierung tätigen Biowaffenexperten als "fruchtbare Tragödie" bezeichnet. Gleichzeitig kündigte Blair eine unabhängige Untersuchung zu den Umständen des Todes von David Kelly an. "Er hat für unser Land in der Vergangenheit sehr viel Gutes getan, und ich bin sicher, dies wäre auch in Zukunft so gewesen. Jetzt wird es eine angemessene und unabhängige Untersuchung geben, die, wie ich glaube, die Fakten feststellen wird", sagte Blair heute in Tokio.

Der Tod Kellys hat die derzeitige Krise in der britischen Regierung noch verschärft, die sich wegen der bislang nicht aufgetauchten Massenvernichtungswaffen im Irak mit dem Vorwurf der Täuschung konfrontiert sieht. Der 59-jährige ehemalige UN-Waffenexperte hatte in den vergangenen Tagen unter großem Druck gestanden. Nach Vermutung von Verteidigungsminister Geoff Hoon, in dessen Ministerium Kelly arbeitete, war er die Hauptquelle für einen BBC-Bericht, wonach die britische Regierung ein Dossier über die vom Irak ausgehende Gefahr aufgebauscht hatte. Kelly hatte das bestritten. Am Dienstag war er in teils rüder Form von einem Untersuchungsausschuss des Unterhauses vernommen worden.

Opposition: Blair soll Asien-Reise abbrechen

Blair mahnte von Politikern wie Medien jetzt Respekt und Zurückhaltung an. Kellys Frau Janice sagte, ihr Mann sei "sehr, sehr gestresst und unglücklich über das gewesen, was passiert ist, und das war wirklich nicht die Welt, in der er leben wollte". Die einige Kilometer von Kellys Haus entfernt gefundene Leiche wurde heute als David Kelly identifiziert.

Die Opposition verlangte, Blair, der sich in Tokio befand, solle seine Asien-Reise abzubrechen und nach Hause zurückzukehren. Spekuliert wurde auch darüber, dass die Abgeordneten des Unterhauses aus der gerade begonnen Sommerpause zurückgerufen werden könnten.

Britische Zeitungen kritisierten heute alle Beteiligten an den Vorgängen - die Regierung, den außenpolitischen Ausschuss des Unterhauses und die BBC, die sich nicht dazu geäußert hatte, ob Kelly die Quelle für den Bericht der Rundfunkanstalt war oder nicht. Die "Financial Times" schrieb: "Niemand, der an den Ereignissen, die zum Tod David Kellys führten, beteiligt war, steht in gutem Licht da - außer Kelly selbst."


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