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Simbabwe: Mugabes Milizen wüten gegen die Ärmsten

Bei ihrer gnadenlosen Hatz auf die Ärmsten der Armen kennt Simbabwes Miliz kein Pardon. Afrikas Politiker sehen dem Amoklauf von Polizisten und Milizionäre in den Elendsvierteln stillschweigend zu.

Kein einziger Staats- oder Regierungschef des Kontinents hat bisher die planmäßige Zerstörung zehntausender Hütten und Verschläge in den Armutsvierteln der Großstädte öffentlich kritisiert. Nachdem wochenlang die Behausungen mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht wurden, sitzen die Obdachlosen nun mitten im Winter der südlichen Hemisphäre frierend ohne Habe auf der Straße.

"Ursprünglich zerstörte die Polizei die Häuser der Armen, doch nun zwingt sie die Bewohner, es selbst zu tun", erklärte die Simbabwerin Bella Matambanadzo bei einem Emigranten-Treffen in Johannesburg. Simbabwes mächtiges Nachbarland Südafrika ist Fluchtpunkt und öffentliche Plattform für die immer verzweifelter werdende Bevölkerung. Dennoch machte ein ranghoher Vertreter der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) klar, dass er sich jede Vermittlung der Regierung Südafrikas verbitte.

Mbeki steht im Verdacht der Parteinahme

Der Grund: Südafrikas Präsident Thabo Mbeki gilt wegen seiner moderaten Haltung gegenüber seinem simbabwischen Kollegen Robert Mugabe als parteiisch. Die "stille Diplomatie", die Mbeki US- Präsident George W. Bush oder Bundeskanzler Gerhard Schröder bei deren Besuchen am Kap als Erfolgsmodell verkaufte, gilt längst als gescheitert. Mbeki steht im Verdacht der Parteinahme für einen Politik-Veteranen, der in Afrika noch immer hohe Sympathiewerte genießt.

Während die Vereinten Nationen eine Gesandte vor Ort schicken, um sich vom Ausmaß der Misere ein Bild zu machen, zollte Tansanias Präsident Benjamin Mkapa Amtsbruder Mugabe Anfang Juni öffentlich Beifall. Ausgerechnet auf einem Treffen, bei dem es um die Antwort des Kontinents auf die geplante Afrika-Initiative der G8-Staaten ging, würdigte ihn Mkapa als einen der letzten aufrechten Afrikaner.

Beispiellose Zerstörungs- und Vertreibungsorgie

Hätte sich die beispiellose Zerstörungs- und Vertreibungsorgie der Sicherheitskräfte zu Südafrikas Apartheidzeiten abgespielt, hätte Mkapa sicherlich andere Worte gefunden. Doch Mugabe knebelt sein Land im Windschatten der Weltereignisse. Sein unerklärter Krieg gegen Teile der eigenen Bevölkerung findet mehr oder weniger unter Ausschluss der internationalen Öffentlichkeit statt. Nachdem er in China, Iran und Malaysia neue Freunde fand, interessieren ihn die verbalen Attacken aus Europa eigentlich kaum noch.

Südafrikanische Journalisten ziehen bereits Vergleiche mit der Ideologie der Roten Khmer, die einst in Kambodscha die Bevölkerung brutal in die Steinzeit zurückjagen wollten. Doch politisch gilt es in Afrika aus diversen Gründen Rücksicht zu nehmen - vor allem bei Simbabwes direkten Nachbarn. Denn Mugabe zündelt an einem explosiven Themengemisch. Vor allem die auch in Südafrika oder Namibia weiter ungelöste Landfrage bietet enormen Sprengstoff. Die Landreformen verlaufen schleppend, die Zahl der Ungeduldigen wächst.

Mugabe rhetorisch immer noch brillant

Für den rhetorisch brillanten Mugabe wäre es ein Leichtes, sie zu mobilisieren. Er wird daher in Afrikas Polit-Zirkeln nicht nur als Befreiungsheld gefeiert, sondern auch als Scharfmacher gefürchtet. Er gilt als Vorbild, der nicht nur dem Westen zeigt, wo’s lang geht. Und ohne strategische oder wirtschaftliche Bedeutung lässt seine Politik auch die USA weitgehend unberührt - auch wenn aus Washington gelegentliche einige Verbal-Attacken kommen.

Ralf E. Krüger/DPA