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Stichwahl hat begonnen Ägypter wählen zwischen Islamist und Mubarak-Minister


Zwei Tage wählt Ägypten in einer Stichwahl einen neuen Präsidenten. Mit reger Beteiligung wird allerdings nicht gerechnet. Denn die Ägypter wollen weder den Muslimbruder Mohammed Mursi noch Ex-Minister Ahmed Schafik zu Macht verhelfen.

Ägypten hat am Samstag die zweite und entscheidende Runde der Präsidentenwahl begonnen. Die rund 52 Millionen Wahlberechtigten müssen zwischen dem früheren Minister Ahmed Schafik und Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft entscheiden. Viele Ägypter wollen die Wahl boykottieren, weil sie Schafik als Vertreter des alten Regimes ablehnen und auch keinen islamischen Staat mit Muslimbrüdern in allen wichtigen Ämtern wollen. Trotzdem warteten etliche Wähler am Morgen vor den Wahllokalen. Sie zogen es wegen der großen Hitze vor, ihre Stimmen in der Frühe abzugeben, bevor die Temperaturen auf 40 Grad klettern.

In der ersten Runde Ende Mai lag die Wahlbeteiligung bei knapp 50 Prozent. Aus der Abstimmung war Mursi mit 24,7 Prozent als Sieger vor Schafik hervorgegangen, der 23,6 Prozent der Stimmen erhielt. Insgesamt traten zwölf Kandidaten zur Wahl an. Die Wahl endet am Sonntagabend. Mit ersten Ergebnissen wird am Montagabend gerechnet. Mit einem offiziellen Ergebnis wird erst am 21. Juni gerechnet. Die Muslimbrüder hatten vor Beginn der zweitägigen Stichwahl zwischen ihrem Kandidaten Mohammed Mursi und dem früheren Minister Ahmed Schafik gedroht, im Falle von "Wahlbetrug" eine neue "Revolution" anzuzetteln.

Militärrat hat die Macht

Seit den Massenprotesten und dem Rücktritt von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im Februar 2011 gibt der Oberste Militärrat in Kairo den Ton an. Seitdem das Verfassungsgericht am Donnerstag überraschend das erst vor vier Monaten gewählte Parlament aufgelöst hatte, sprechen viele Ägypter von einem Militärputsch. Denn der Gerichtsentscheid stellt den Zeitplan infrage. Dieser sah vor, dass der Militärrat Ende Juni abtritt und die Macht an gewählte Volksvertreter übergibt. Einige "Revolutionsgruppen" hatten in den vergangenen Tagen gegen das Militär und gegen Schafik protestiert. Die Mehrheit der Ägypter wünscht sich dagegen vor allem einen Staat, der funktioniert, was Schafik in die Hände spielen könnte.

Viele Ägypter fürchten, dass im Fall eines Siegs des früheren Luftwaffengenerals Schafik die alte Riege wieder an die Macht zurückkehren könnte. Seine Kandidatur wurde aber am Donnerstag vom Verfassungsgericht für rechtmäßig erklärt. Auch die Kandidatur von Mursi ist umstritten und trifft bei religiösen Minderheiten und säkularen Kräften auf Vorbehalte. Angesichts der Spannungen wird die Abstimmung von 150.000 Soldaten und zahlreichen Polizisten begleitet. Der Mufti von Ägypten, Ali Gomaa, hat seine Landsleute aufgefordert, das Ergebnis der Präsidentenwahl zu akzeptieren. Da meldete der Nachrichtensender al Arabija am Samstag kurz nach der Öffnung der Wahllokale. Die ägyptische Nachrichtenwebsite "youm7" meldete, Gomaa habe sich bei seiner Stimmabgabe in einem Außenbezirk von Kairo wie jeder andere Wähler in die Warteschlange eingereiht. Die Wähler hätten ihm jedoch aus Respekt vor seinem Amt den Vortritt gelassen.

swd/DPA/AFP DPA

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