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Telefonat mit Jared Kushner: Ermordeter Khashoggi: Saudischer Kronprinz soll ihn "gefährlichen Islamisten" genannt haben

Erwürgt, zerstückelt und beiseite geschafft: Einen Monat nach dem Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi sind noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Berichte verschiedener US-Medien bringen neue Brisanz in den Fall. 

Jared Kushner (l.) bei einem Treffen mit Mohammed bin Salman

Präsidentenberater Jared Kushner (l.) bei einem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im März 2018

DPA

Wie die US-Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" unter Berufung auf Insider berichten, soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Journalisten Jamal Khashoggi in einem Telefonat mit dem Weißen Haus als "gefährlichen Islamisten" bezeichnet haben. Das Telefonat mit Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und dem nationalen Sicherheitsberater John Bolton soll am 9. Oktober stattgefunden haben, eine Woche nach Khashoggis Verschwinden. Weiter soll bin Salman behauptet haben, Khashoggi sei ein Mitglied der Muslimbruderschaft gewesen, einer Gruppierung, die lange von Bolton und anderen Mitarbeiter des Trump-Stabs bekämpft wurde. 

Der Versuch, Khashoggi auf diese Weise zu diskreditieren, steht ganz im Gegensatz zu den späteren öffentlichen Äußerungen der saudischen Regierung, die seinen Tod als "schrecklichen Fehler" und "furchtbare Tragödie" verurteilten.

Saudischer Kronprinz äußerte sein Bedauern im Fall Jamal Khashoggi

"Der Vorfall, der sich ereignet hat, ist für alle Saudis sehr schmerzhaft", sagte der saudische Kronprinz vor einigen Tagen in einer Podiumsdiskussion. "Der Vorfall ist nicht zu rechtfertigen."

Die Familie des ermordeten Khashoggi bezeichnete die Anschuldigungen, er sei ein Islamist gewesen, gegenüber der "Washington Post" als falsch: "Jamal Khashoggi war kein Mitglied der Muslimbruderschaft. Er hat derartige Behauptungen in den letzten Jahren immer wieder zurückgewiesen. Er war in keiner Weise eine gefährliche Person. Etwas anderes zu behaupten, wäre lächerlich."

Von saudi-arabischer Seite wurden die Vorwürfe gegen bin Salman abgestritten. Bestätigt wurde lediglich, dass es "gelegentliche Routineanrufe" zwischen dem Kronprinzen und oberen US-Funktionären gebe, aber "kein solcher Kommentar übermittelt wurde".

Bin Salmans Anschuldigungen als Schadensbegrenzung?

Ein ehemaliger CIA-Beamter, der die Aussagen bin Salmans analysiert hat, erklärte, dass der Versuch, Khashoggis Charakter in Verruf zu bringen, ein Versuch der Schadensbegrenzung gewesen sei. 

Saudi-Arabien hatte sich mit widersprüchlichen Aussagen im Fall Khashoggi selbst in die Bredouille gebracht. Nach wochenlangen Dementis hatten die Saudis am 20. Oktober unter internationalem Druck den Tod des kritischen Journalisten eingestanden, stellten ihn jedoch zunächst als Folge eines eskalierten Streits dar. Erst später gab Generalstaatsanwalt Abdullah al-Muadschab zu, dass Khashoggi "vorsätzlich" getötet wurde. 18 Verdächtige wurden demnach festgenommen und ein königlicher Medienberater sowie der Vize-Geheimdienstchef ihrer Posten enthoben.

Khashoggi war am 2. Oktober ins Istanbuler Konsulat seines Landes gegangen, um ein Dokument für seine Heirat abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Inzwischen gab ein Berater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an, die Leiche sei zunächst zerstückelt und dann in Säure aufgelöst worden. "Sie sind den Leichnam losgeworden, indem sie ihn aufgelöst haben", sagte Yasin Aktay der Zeitung "Hürriyet". Seine Aussage deckt sich mit einem Bericht der "Washington Post", für die Khashoggi geschrieben hatte.

Quellen: "Washington Post", "New York Times"

vit