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Stichwahl in Ägypten: Der Islamist gegen den Mubarak-Mann

Eine Stichwahl wird den neuen ägyptischen Präsidenten ernennen. Ein Muslimbruder und ein Mann des Mubarak-Regimes stehen zur Wahl. Die beiden Anwärter im Porträt.

Die Entscheidung um das Präsidentenamt am Nil geht in die Stichwahl: Wie der Präsident der ägyptischen Wahlkommission am Montag bekannt gab, kämpfen Mohammed Mursi und Ahmed Schafik am 16. und 17. Juni um das höchste Staatsamt - und damit ein Islamist und ein Mann des ehemaligen Regimes des gestürzten Präsidenten Husni Mubarak. In der ersten Runde der Wahl am 23. und 24. Mai hatte Mursi mit knapp 5,8 Millionen Stimmen vorne gelegen. Schafik kam mit 5,5 Millionen Stimmen auf den zweiten Platz.

Die Wahlkommission wies am Montag die Wahlanfechtungen von fünf unterlegenen Kandidaten als "grundlos" ab. Die Beschwerdeführer hatten Verstöße gegen die Wahlordnung sowie unstatthafte Wählerbeeinflussungen und massiven Stimmenkauf zur Sprache gebracht.

Die beiden Kandidaten im Porträt:

Der Islamist: Mohammed Mursi

Er war eigentlich nur der Ersatzkandidat: Als sich abzeichnete, dass der bekanntere Partei-Vize Chairat al-Schater wegen einer Gefängnisstrafe in der Mubarak-Ära von der Kandidatenliste gestrichen werden würde, stellten die Muslimbrüder in letzter Minute auch noch ihren Parteivorsitzenden Mursi für die Präsidentenwahl auf. Auf den eilig gedruckten Wahlplakaten sah der 60-jährige Ingenieur, der in Kairo studierte und an der Universität von South Carolina in den USA seinen Doktor machte, noch etwas schüchtern aus.

Auch bei seinen ersten öffentlichen Auftritten wirkte der Kandidat der wichtigsten politischen Kraft im Land eher defensiv als bissig. Als Favorit wurde er vor der ersten Runde der ersten freien Präsidentschaftswahl daher nicht gehandelt. Sein mangelndes Charisma hat Mursi aber offensichtlich nicht geschadet. Im Wahlkampf wirkte er zunehmend selbstsicher und zweifellos profitierte er auch von der Popularität der Muslimbrüder, die bereits das Parlament beherrschen und im ganzen Land gut vernetzt sind.

Im Wahlkampf präsentierte sich Mursi, der in der Provinz Scharkia im Nil-Delta geboren wurde und im Jahr 2000 erstmals ins Parlament gewählt wurde, als der "einzige Kandidat mit einem islamistischen Wahlprogramm" - obwohl mit dem unabhängigen Kandidaten Abdel Moneim Abul Futuh noch ein Ex-Mitglied der Muslimbrüder kandidierte. Doch während sich Futuh eher moderat gab, versprach Mursi den Ägyptern eine "Renaissance" auf der Grundlage islamischer Werte.

Der Mubarak-Mann: Ahmed Schafik

Der Ex-Regierungschef ist ein typischer Vertreter der aus der Verquickung von Politik und Militär hervorgegangenen Schicht, die jahrzehntelang die politische Landschaft in Ägypten bestimmte. Wie Ex-Präsident Mubarak fing Schafik als Pilot bei der ägyptischen Luftwaffe an. Nach seiner Militärkarriere, bei der er es bis zum General und Luftwaffenchef brachte, wurde er Minister für die Zivilluftfahrt. Kurz vor seinem Sturz ernannte Mubarak ihn zum Regierungschef und beauftragte ihn mit Reformen, um die Massen zu beruhigen. Nur drei Wochen später musste Schafik unter dem Druck der Protestbewegung zurücktreten.

Aus seiner Militärvergangenheit machte Schafik auch im Wahlkampf keinen Hehl: Er sei "stolz und geehrt", ein "Sohn der Streitkräfte" zu sein, sagte der 70-Jährige, der seinen Landsleuten vor allem mehr Sicherheit und Stabilität versprach. Außerdem argumentierte er, gute Beziehungen zum Militär könnten in der politischen Übergangsphase durchaus von Vorteil sein.

Obwohl sich Schafik von Mubaraks Politik distanzierte, ist er bei den jugendlichen Demonstranten vom Tahrir-Platz bis heute verhasst. Nach der Abgabe seiner Stimme wurde er vor dem Wahllokal als Wendehals beschimpft und mit Schuhen beworfen, was in der islamischen Welt als grobe Beleidigung gilt. Erst im April starb Schafiks Ehefrau, mit der er drei Töchter hat. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte dieses persönliche Schicksal seine Beliebtheit gesteigert haben.

fw/AFP/DPA / DPA