VG-Wort Pixel

Präsidentenwahl in Ägypten Wahlkampfzentrale von Mubarak-Vertrautem angezündet

In mehreren ägyptischen Städten sind nach der Bekanntgabe der Ergebnisse aus der ersten Runde der Präsidentenwahl wütende Proteste ausgebrochen.

Unbekannte haben die Wahlkampfzentrale des ägyptischen Präsidentschaftskandidaten Ahmed Schafik angegriffen. Bei der Attacke am Montagabend wurde ein Nebengebäude der Büros in der Hauptstadt Kairo angezündet, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Wenige Stunden zuvor waren die beiden Teilnehmer der Stichwahl, Schafik und der Muslimbrüder-Kandidat Mohamed Morsi, offiziell bestätigt worden.

Nach Angaben von Mitarbeitern Schafiks ging eine Garage in Flammen auf, in der Wahlkampf-Poster gelagert wurden. Über mögliche Verletzte wurde zunächst nichts bekannt, die Feuerwehr konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen. Vor dem Gebäude versammelten sich am Abend etwa 20 Anhänger Schafiks, des letzten Regierungschefs des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak. Sie riefen: "Mit unserer Seele und unserem Blut werden wir uns für Dich, Schafik, opfern". Sie machten politische Gegner Schafiks, vor allem die Muslimbrüder und pro-demokratische Bewegungen, für den Angriff verantwortlich.

Zuvor hatte es Proteste auf dem zentralen Tahrir-Platz gegeben, bei denen etwa 1000 Menschen gegen die Teilnahme Schafiks an der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl demonstrierten. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit in Zivil gekleideten, nicht weiter identifizierten Einzelpersonen.

Stichwahl zwischem Muslimbruder und Mubarak-Vertrauten

Dem früheren Luftwaffenchef Schafik wird von Kritikern vorgeworfen, dem seit Mubaraks Sturz herrschenden Militärrat zu nahe zu stehen. Seinen Wahlkampf führte er vor allem mit dem Versprechen, das Land zu der Stabilität zurückzuführen, die von vielen Ägyptern seit dem Sturz Mubaraks vermisst wird.

Die Wahlkommission hatte zuvor erklärt, dass der Muslimbrüder-Kandidat Morsi und Schafik in der ersten Runde die meisten Stimmen auf sich vereint hätten. Auf dem dritten Platz landete demnach der linksnationalistische Kandidat Hamdien Sabbahi. Dieser hatte bereits am Samstag angekündigt, das Ergebnis der ersten Wahlrunde anzufechten. An vierter Stelle kam der moderate Islamist Abdel Moneim Futuh, gefolgt vom früheren Generalsekretär der Arabischen Liga und Ex-Außenminister Amr Mussa.

Ob Schafik wirklich zur Stichwahl antreten darf, soll offenbar erst wenige Tage vorher entschieden werden. Laut einem Bericht der Zeitung "Al-Achbar" verlautete am Montag aus Justizkreisen, das Verfassungsgericht werde am 11. Juni über die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes entscheiden, das die Kandidatur von Mitgliedern der früheren Führung des Landes untersage. Aufgrund dieses Gesetzes hatte die Wahlkommission Schafiks Kandidatur zunächst nicht zugelassen. Dieser hatte jedoch Ende April mit einem Einspruch Erfolg.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt findet am 16. und 17. Juni statt, der Sieger soll am 21. Juni feststehen. Danach will der seit Mubaraks Sturz regierende Militärrat die Macht abgeben. Hinter den Kulissen dürfte das mächtige Militär aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

jwi/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker