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Internationale Pressestimmen

LKW-Anschlag in Stockholm: "Alle Bürger stehen im Fadenkreuz des Terrorismus"

Erneut hat ein Attentäter in Europa einen Lastwagen für einen tödlichen Anschlag eingesetzt. In Stockholm ist ein LKW in ein Kaufhaus gerast. Vier Menschen starben, zwölf wurden verletzt. Wie sich die Medien dazu äußern.

Abgesperrte Einkaufsstraße nach LKW-Anschlag in Stockholm

Der Tag danach: Der Tatort in einer Einkaufsstraße neben dem Einkaufszentrum Ahlens in Stockholm ist nach dem Anschlag weiterhin abgesperrt. Menschen legen Blumen an der Unglücksstelle nieder.

Die konservative schwedische Tageszeitung "Svenska Dagbladet" (Stockholm) schreibt am Samstag zum Lkw-Anschlag in Stockholm:

"Wenn es darauf ankommt, zeigen die Stockholmer einen Zusammenhalt und eine Solidarität, auf die man stolz sein kann. Wir werden daran erinnert, dass neue Zeiten eine neue Mentalität erfordern. Aber auch daran, dass die Kommunikationskanäle dieser neuen Zeit uns eine ganz andere Nähe zueinander geben, wenn das Schlimmste geschieht. Über Facebook können viele erleichtert erfahren, dass Angehörige und Freunde in Sicherheit sind.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilte innerhalb kurzer Zeit über Twitter mit, dass der Eiffelturm ab Mitternacht verdunkelt wird, um an die Opfer des Attentats in Stockholm zu erinnern. Viele andere Würdenträger und Staatsoberhäupter drückten ihr Mitgefühl aus. Früher wurden solche Nachrichten zwischen Staaten ausgetauscht. Jetzt werden sie in denselben Kanälen übermittelt, über die ganz normale Bürger auch kommunizieren. 

Mitten in der Krise liegt etwas Tröstliches in diesem gemeinsamen Raum, der entsteht. Das ist auch eine Erinnerung daran, dass Schweden in der Welt liegt. Genau wie die Welt in Schweden liegt. Unlöslich miteinander verbunden. Das ist sowohl unsere Verletzlichkeit als auch unsere Stärke."


"Dagens Nyheter": Stockholm lässt sich vom Terror nicht bezwingen 

"Als der Rauch sich langsam lichtete, war klar: Der Täter, welche perversen Ziele er auch gehabt haben möge, ist (...) gescheitert. Die Menschen haben sich zusammengetan, improvisiert, Ärzte aufgetrieben, die Arme ausgestreckt, um zu helfen. Stockholm wurde vorübergehend geschlossen, aber hat sich kurz darauf wieder geöffnet. Stockholm steht stark da. Stockholm zwingt ihr nicht in die Knie."

"Süddeutsche Zeitung": Es hilft nur Sturheit selbstbewusster Bürger

"Wie lange noch müssen die Menschen in den Städten diesen Horror erleben, wie oft noch wird sich ein Szenario wie in Stockholm wiederholen? Es gibt keine Antworten. Gewiss, die Sicherheit kann weiter erhöht werden, Fußgängerzonen oder Straßenfeste können abgeriegelt werden, als seien es Festungen. Trotzdem wird ein Mensch in seinem Wahn immer wieder andere Menschen finden, deren Leben er einfach auslöschen kann. (...) Die Täter verfolgen, so gestört sie auch sein mögen, einen kalten Plan. Sie wollen nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze Gesellschaft zerstören, durch Angst, Misstrauen, Hass und Überreaktion. Die Waffe dagegen ist die Sturheit selbstbewusster Bürger, die sich Offenheit und Freiheit von keinem Geisterfahrer nehmen lassen."


"El País" aus Spanien

"Die Menschen, die über die Drottninggatan spazierten, eine der wichtigsten Einkaufsstraßen von Stockholm (...) waren das gleiche terroristische Ziel wie die Leute, die im selben Moment über die Straßen von Paris, Brüssel, Madrid oder Rom spazierten. Alle Bürger stehen im Fadenkreuz eines Terrorismus, der durch das Schüren von Angst und Unberechenbarkeit die Säulen der freien Gesellschaft zum Einsturz bringen will."

"La Stampa" aus Italien

"In Stockholm ist vieles noch konfus. Eingedenk der Ereignisse im benachbarten Norwegen, als viele an ein dschihadistisches Gemetzel dachten, bevor sie entdeckten, dass der Attentäter der blonde Rechtsextremist Andres Breivik war, sollte man keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen. Sicher ist, dass alle Indizien, von der Art und Weise der Attacke bis zu den ersten Erklärungen der schwedischen Behörden auf eine tragische Wiederholung der Taten von Nizza, Berlin und London hindeuten. Wenn es so wäre, wäre die allgemeine Meinung widerlegt, dass Schweden und Skandinavien idyllische Länder sind, Paradiese, die von der Gewalt, dem Verbrechen, den sozialen Spannungen verschont werden."