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Südafrika: Ausschreitungen kurz vor Parlamentswahl

Die Neuwahl von Südafrikas Präsident Zuma und seiner Partei ANC gilt als sicher. Nahe Johannesburg kam es vor den Wahlen zu gewaltsamen Ausschreitungen. In dem Ort gab es schon öfter Proteste.

Vor der Parlamentswahl in Südafrika hat es nahe Johannesburg gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Im Township Bekkersdal südwestlich der Metropole hätten Einwohner Straßen mit brennenden Reifen blockiert, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Medien berichteten, auf mindestens ein Wahllokal sei ein Brandanschlag verübt worden. Polizeiautos wurden mit Steinen beworfen. Am Mittwoch sind 25 Millionen Südafrikaner zur Parlamentswahl aufgerufen und bestimmen damit indirekt auch den Präsidenten.

Der Grund für die Ausschreitungen sei unklar, sagte der Polizeisprecher. Verletzte gebe es offenbar nicht. Der nationale Rundfunksender SABC berichtete, dass in der Gegend ein Wahllokal niedergebrannt wurde. Andere Medien meldeten bis zu drei solcher Vorfälle. In Bekkersdal hatte es in den vergangenen Monaten Proteste wegen mangelhafter öffentlicher Dienstleistungen gegeben. Die Ortschaft will die Parlamentswahl boykottieren, sie ist einer der Brennpunkte, in die vor der Wahl die Armee entsandt wurde, um Unruhen zu verhindern.

Die Wahl am Mittwoch ist die fünfte seit dem Ende der Rassentrennung vor 20 Jahren. Erstmals dürfen viele Südafrikaner abstimmen, die nie selbst die Apartheid erlebten. Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) und der von ihm gestellte Staatschef Jacob Zuma können trotz schlechter Wirtschaftslage und Korruptionsaffären mit einer Zustimmung von mehr als 60 Prozent rechnen. Die oppositionelle Demokratische Allianz hofft auf etwa 22 Prozent der Stimmen, die Partei des früheren ANC-Jugendführers Julius Malema auf vier bis fünf Prozent.

Wahllokale ab 7 Uhr geöffnet

Allerdings dürfte es für den ANC auch die zweite Wahl in Folge werden, in der er an Zustimmung verliert. Schuld daran sind auch die hohe Arbeitslosigkeit, Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Kritik an Staatschef Zuma. Seine ersten fünf Amtsjahre waren überschattet von schweren Skandalen, darunter der sündhaft teure Umbau seiner Privatresidenz in Nkandla im Osten des Landes auf Kosten der Steuerzahler.

Auch die Rassen-Ungleichheit besteht 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid weiter. Weiße verdienen häufig ein Vielfaches von dem, was ein Schwarzer bekommt, sie sind deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen und haben noch immer einen besseren Zugang zur Bildung.

Die landesweit 22.263 Wahllokale öffnen am Mittwoch um 07.00 Uhr und schließen rund 14 Stunden später. Ein landesweites Ergebnis wird voraussichtlich erst am Freitag erwartet. Der 72-jährige Zuma steht seit dem Jahr 2009 an der Spitze des Landes. Nach einem ANC-Sieg ist seine Wiederwahl durch das Parlament sicher.

awö/AFP / AFP