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Südkoreas Rückschlag zu spät: Verteidigungsminister verlässt die Regierung

Während der Druck im Korea-Konflikt für China steigt, tritt der südkoreanische Verteidigungsminister Kim Tae Youn zurück. Der Gegenschlag hätte zu lange auf sich warten lassen, kritisierte die Opposition und einige Regierungsmitglieder.

Nordkorea setzt seinen Konfrontationskurs fort: Es drohte dem verfeindeten Süden am Donnerstag, es erneut ins Visier zu nehmen. "Nordkorea wird, ohne zu zögern, eine zweite oder sogar eine dritte Runde von Angriffen starten, sollten die Kriegstreiber in Südkorea wieder rücksichtslos provozieren", erklärte das Militär in Pjöngjang am Donnerstag über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. China, von dem sich der Westen eine Vermittlerrolle erhofft, zeigte sich über ein geplantes Militärmanöver der USA mit Südkorea besorgt. Nordkorea beschuldigte die USA, die Eskalation des Konflikts mitzuverantworten. Eine Entspannung auf der Halbinsel könne es nur geben, wenn die USA ihre Schutzrolle für Südkorea aufgäben.

China: Militärübung bersorgt uns

Nordkoreas Nachbar und Verbündeter China äußerte sich zurückhaltend über die ab Sonntag geplante Militärübung, mit der Südkorea und die USA Stärke demonstrieren wollen. "Wir haben die relevanten Berichte erhalten und bringen unsere Besorgnis darüber zum Ausdruck", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking, ohne die Übung direkt zu kritisieren. Auch in der Vergangenheit hatten die USA und Südkorea gemeinsame Manöver abgehalten - diese wurden allerdings von China in scharfer Form als Bedrohung seiner Sicherheit und der regionalen Stabilität verurteilt.

Südkorea kündigte als Reaktion auf den Angriff des Nordens an, seine Streitkräfte auf Inseln an der Grenze zu verstärken. Das Präsidialamt will den zuvor gefassten Plan für einen Soldatenabzug aufgeben. Nordkoreanisches Militär hatte die Insel Yeonpyeong am Dienstag beschossen, aber angegeben, zuvor vom Süden angegriffen worden zu sein.

Südkoreanischer Verteidigungsminister tritt zurück

In Südkorea erklärte Verteidigungsminister Kim Tae Young seinen Rücktritt. Opposition und Teile der Regierungspartei hatten kritisiert, die südkoreanische Reaktion auf den nordkoreanischen Artillerie-Beschuss habe zu lange auf sich warten lassen. Einem Kapitän zur See zufolge dauerte es 13 Minuten, bis südkoreanische Soldaten den Angriff erwiderten.

Südkoreanischen Medienberichten zufolge ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Ill den Angriff persönlich an. Kim und sein als Nachfolger gehandelter Sohn Jong Un sollen wenige Stunden vor dem Beschuss den Militärstützpunkt des kommunistischen Landes besucht haben, von der der Angriff ausging. Durch den Beschuss kamen mindestens vier Menschen ums Leben, darunter zwei Zivilisten. Dutzende Häuser wurden zerstört

Druck auf China steigt

Die US-Regierung erhöhte den Druck auf China, mäßigend auf Nordkorea einzuwirken. Auch Südkorea sprach sich für eine Vermittlerrolle der Volksrepublik an. "Wir müssen China beteiligen, damit sie mehr Verantwortung für das Verhalten des Nordens übernehmen", äußerte ein Regierungsvertreter seinen Unmut darüber, dass die Volksrepublik den Beschuss nicht verurteilte. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi verschob einen für diese Woche angesetzten Besuch in Seoul ohne Angabe von Gründen.

Der nordkoreanische Angriff war der schwerste seit Ende des Korea-Krieges von 1950 bis 1953. Beide Staaten haben keinen Friedensvertrag unterzeichnet und befinden sich formell noch im Kriegszustand. Nordkorea betreibt ein Atomwaffenprogramm, wobei allerdings unklar ist, ob das Land auch über die nötigen Raketen dafür verfügt.

China ist einer der wenigen Unterstützer des Landes. Die Regierung in Peking befürchtet, dass ein Zusammenbruch des Regimes die eigene Grenze gefährden könnte. Zudem könnte ein vereinigtes Korea unter dem Einfluss der USA stehen, was China verhindern möchte.

Reuters/mm / Reuters