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Manchester Adam überlebt den Terroranschlag auf das Ariana-Grande-Konzert – seine beste Freundin nicht

Adam Lawler: "Ich gewinne. Wir alle gewinnen. Du hast verloren. Hast ein paar von uns mitgenommen, okay. Manchester ist wie eine Hydra. Es werden immer mehr und mehr Leute von uns kommen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Wir zeigen dir den Mittelfinger. Als eine Gesellschaft und als eine Stadt."
22. Mai 2017: Adam Lawler besucht mit seiner besten Freundin das Arina Grande-Konzert in der Manchester Arena, als ein Selbstmordattentäter sich in die Luft sprengt. 22 Menschen sterben, die meisten davon Kinder und Jugendliche. Unter den Opfern ist auch Adams beste Freundin Olivia. Adam selbst überlebt, wird aber mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Adam Lawler: "Der schwierigste Moment war zu realisieren, dass meine Freundin tot ist. Zu realisieren, dass sie nie wieder zurückkommt. Zu realisieren: Das war’s. Das ist jetzt mein Leben. Ich vermisse jemanden, der mir sehr am Herzen lag. Ich vermisse jemanden, den ich sehr vermissen werde. Sie kommt nicht zurück und sie ist einfach weg. Ihre Lebensgeister sind noch da, deine Erinnerungen ... Deine Zuneigung zu ihr ist noch da, aber sie ist weg. Du kannst sie nie wieder sehen, du kannst sie nie wieder begrüßen. Und dann ist mir klar geworden, dass ich mich nicht verabschieden konnte."
Wie hat sich Ihr Leben nach dem Anschlag verändert?
Adam Lawler: "Ich bin deutlich zynischer geworden. Ich bin immer davon ausgegangen, dass wir in einer freien, guten Welt leben. Dass dies ein Konzept ist, was erreibar ist. Das denke ich nicht mehr. Optimismus wurde durch Realismus ersetzt. Aber ich lasse nicht zu, dass Pessimismus zu meiner Realität wird. Realismus ist manchmal düster, aber auch schön. Eine Menge großartiger Dinge passieren im echten Leben. Du kannst optimistisch sein, du kannst pessimistisch sein, aber keins von beiden sollte deinen Blickpunkt beherrschen. Realismus ist der einzige Weg, um etwas in der echten Welt zu erreichen."
Was geht Ihnen zum Attentäter durch den Kopf?
Adam Lawler: "Ich möchte nicht wie ein Psychopath klingen ... Ich habe darüber nachgedacht, ihn zu töten. Ich glaube, das hat jeder. Leute sagen: Du klingst wie ein Psycho, weil du ihn umbringen willst. Aber ich möchte nicht irgendjemanden umbringen. Ich will eine Kreatur, ein Monster, ein Biest, eine Infektion, eine Krankheit umbringen. Wie auch immer du ihn nennen willst, er war nicht menschlich. Ich habe über hundert verschiedene Wege nachgedacht, wie ich ihn umbringe oder ihm wehtue. Aber ich weiß, dass er tot ist und ich lebe. Das ist die größte Genugtuung, die ich ihm antun kann."
Die Angst vor Anschlägen: Wie soll unsere Gesellschaft damit umgehen?
Adam Lawler: "Die Gesellschaft könnte lernen, dass man keine Angst haben sollte. Geh raus und hab Spaß. Da gibt es vielleicht jemanden, der deinen Abend zerstören will, aber die Regierung macht ihren Job, um uns zu schützen – das ist ihr Job. Lass nicht zu, dass jemand dich davon abhält, dein Leben zu leben, weil er sich dafür umgebracht hat. Sein Leben ist nicht mit deinem Leben aufzuwiegen. Also denke nicht, denke nicht, dass er da sein wird, um es wegzuwerfen. Genieße es, weil du nie weißt, welcher Tag dein letzter sein wird. Umarme deine Lieben, sag ihnen, dass du sie liebst, sag ihnen, dass sie dir alles bedeuten."
Adam Lawler ist heute 17 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter in Tottington bei Manchester. Er ist ein guter Schüler. Seinen Abschluss macht er in Film, Medien und Fotografie. Später möchte er gerne fürs Radio arbeiten. 
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Ein Attentäter sprengt sich während eines Pop-Konzerts in der Manchester Arena in die Luft. Der Schüler Adam Lawler verliert an diesem Abend seine beste Freundin Olivia. Im Interview spricht der 17-Jährige über die Kraft einer Stadt – und über seine Wut auf den Attentäter.

Manchester, 22.05.2017: Adam und Olivia sind beste Freunde. Wochenlang haben sie dem Ariana Grande Konzert in der Manchster Arena entgegengefiebert. Doch als ein Attentäter sich inmitten der jungen Fans des Teenager-Stars in die Luft sprengt, wird der Abend zum Albtraum. Olivia kommt ums Leben. Adam wird von Bombensplittern getroffen und schwer verletzt.

Adam ist inzwischen 17. Über den Abend des Anschlags möchte bis heute nicht sprechen. Er ist noch immer voller Wut. Manchmal malt er sich aus, wie er den Attentäter nachträglich noch einmal umbringt.

Doch er hat sich vom Terror nicht seinen Sinn fürs Leben nehmen las-sen. Adam ist ein guter Schüler. Und ein Manchester-Lokalpatriot. Das klingt bei jedem seiner Worte mit. Später einmal möchte er fürs Radio arbeiten.


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