HOME

Belagerte Städte in Syrien: Hilfslieferung erreicht hungerndes Madaja

Bis zu 40.000 Menschen hungern alleine in der syrischen Stadt Madaja. Nun gibt es offenbar neue Hoffnung für die eingeschlossene Bevölkerung - ein Hilfskonvoi hat die Stadt erreicht. Auch in anderen Städten werden Menschen gezielt ausgehungert.

Hilfslieferung für Madaja

Eine erste Hilfslieferung hat Madaja erreicht: Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen hungern 40.000 Menschen in der Stadt in Syrien.

Die Hilfslieferung für Tausende vom Hungertod bedrohte Menschen ist vor der belagerten syrischen Stadt Madaja eingetroffen. Der Konvoi aus etwa 40 Lastwagen mit Nahrung und Medikamenten erreichte nach Angaben eines Sprechers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag die Zufahrt zu der Stadt im Westen Syriens. Sie ist seit einem halben Jahr eingeschlossen. Syrische Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz belagern die Stadt. Weitere Hilfskonvois fuhren in die von Rebellen eingekesselten Schiitendörfer Al-Foua und Kefraja in der Provinz Idlib.


Allein in Madaja sollen nach Einschätzung von Hilfsorganisationen 40.000 Menschen hungern. Die letzte Lebensmittellieferung hatte die Stadt nach UN-Angaben im Oktober erreicht. Über die Lage in Madaja gibt es widersprüchliche Informationen. UN-Vertreter sagten, es gebe vertrauenswürdige Berichte, nach denen Menschen verhungerten. Oppositionsgruppen sprachen von Dutzenden Todesfällen. Die Hisbollah erklärte dazu, es sei noch niemand verhungert. Sie wirft den Rebellen vor, sie hinderten die Bewohner daran, die Stadt zu verlassen. Außerdem eigneten sie sich die Hilfsgüter an und verkauften sie. Die Bewohner Madajas würden zu Propagandazwecken missbraucht.

Belagerungen "skrupellos koordiniert und geplant"

Die Belagerung von Städten und Dörfern ist in dem seit fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg ein weit verbreitetes Mittel, sowohl bei Regierungstruppen als auch bei den Rebellen. UN-Experten sagten, die Belagerungen würden "skrupellos koordiniert und geplant". Eine ganze Bevölkerung werde damit gezwungen, kollektiv zu kapitulieren oder zu hungern. Bislang kamen in dem Krieg Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen ums Leben.


Für die syrische Opposition ist die Lage in Madaja ein zentraler Punkt. Sie hat Gespräche mit der syrischen Regierung so lange ausgeschlossen, wie die Belagerung anhält. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius fordert am Montag nach einem Gespräch mit dem syrischen Oppositionskoordinator Riad Hidschab, Syriens Regierung müsse das Leiden von Madaja und anderer belagerter Orte beenden. An die syrische Armee und die mit ihr verbündeten russischen Streitkräfte appellierte Fabius, Militäroperationen gegen Zivilisten einzustellen.

Russlands Luftwaffe unterstützt die syrische Armee mit Angriffen auf Rebellen und die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der Westen wirft Russland vor, dabei auch immer wieder Zivilisten zu treffen. Zuletzt sollen nach Informationen der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte in Ain Dschara bei Aleppo mehrere Schüler bei einem Angriff vermutlich russischer Kampfflugzeuge getötet worden sein. Diese Informationen können allerdings von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.   

amt / DPA / Reuters