HOME

Syrischer Flüchtling in Schweden: Wie der kleine Mahmoud dem Krieg entkommen ist

Der neunjährige Mahmoud hat traumatische Erfahrungen im syrischen Bürgerkrieg gemacht. Doch er hatte Glück - und lebt heute in Schweden. In zwei bewegenden Videos erzählt er von seinem Schicksal.

Seit etwas mehr als drei Jahren tobt in Syrien der Bürgerkrieg. Was einst als friedlicher Protest gegen das Regime von Präsident Präsident Baschar al-Assad begonnen hatte, ist mittlerweile zu einem blutigen, nicht enden wollenden Kampf zwischen aufständischen Rebellen und Regierungstruppen geworden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission sind inzwischen schon zehntausende Menschen in dem Krieg gestorben. Über neun Millionen sind auf der Flucht, davon 2,5 Millionen im Ausland. Die UN beurteilte die Situation in Syrien als die "größte humanitäre Krise der Welt".

Doch das ganze Ausmaß der Tragödie wird erst dann deutlich, wenn es um die Schicksale einzelner geht - und wenn es nicht Erwachsene, sondern Kinder sind, die vom Krieg erzählen. So wie der neunjährige Mahmoud. Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen hat den Jungen begleitet, der mit seiner Familie vor der Gewalt in seiner Heimat zunächst nach Ägypten floh.

"Mein Leben hier ist hart, weil ich nicht zur Schule gehen kann", erzählt Mahmoud. Er hilft seinem Vater bei der Arbeit, dem Verteilen von Brot. Mahmouds Situation ist typisch für die Lage der Kinder in Syrien. Immer wieder warnen Hilforganisationen vor den traumatischen Folgen des Exils für die jungen Flüchtlinge. Viele seien auf sich allein gestellt, leben von ihren Eltern getrennt, oder gehen - wie Mahmoud - zur Arbeit statt zur Schule.

Mahmoud erzählt, dass er keine Freunde hat, die Kinder im Ort hänseln ihn. Deshalb beschließt er eines Tages, allein ein Boot mit illegalen Flüchtlingen nach Italien zu besteigen. Doch die blinden Passagiere werden entdeckt. "Ich hatte keine Angst, als sie auf uns geschossen haben", sagt der Junge mit gefasster Stimme. Er wirkt beinahe abgeklärt, als er sich an das Geschehene erinnert, redet wie ein Erwachsener.

Mahmoud hatte Glück. Er konnte mit seiner Familie nach Schweden flüchten, wo er heute lebt. In einem zweiten Video erzählt der Junge von seinem neuen Leben. "Ich will alle Probleme vergessen und komplett neu anfangen", sagt er - dann versagt ihm die Stimme. Auf einmal wirkt der Junge nicht mehr wie ein kleiner Erwachsener, sondern zeigt, dass Krieg und Zestörung nicht spurlos an einem Kind vorübergehen. Doch Mahmoud hat die Chance, die zwei Jahre seiner Kindheit, die ihm der Krieg genommen hat, nachzuholen. Er wird mit seinen Geschwistern beim Spielen im Schnee gezeigt. Und er geht wieder zur Schule. An seinem ersten Tag inmitten der neuen Klasse wirkt er schüchtern, aber glücklich.

Mahmoud ist eines von 1,1 Millionen syrischen Flüchtlingskindern. Nicht für jedes nimmt das Schicksal eine so positive Wendung wie für den Neunjährigen - auch daran sollte man sich bei Mahmouds Geschichte erinnern.

Kim Schwarz
Themen in diesem Artikel