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Terror auf Bali: Hinweise auf Selbstmordattentäter

Die Bombenanschläge auf der indonesischen Ferieninsel Bali, bei denen am Samstag mindestens 25 Menschen ums Leben kamen, wurden nach Behördenangaben vermutlich von Selbstmordattentätern verübt. Hinweise auf deutsche Opfer liegen noch nicht vor.

Jüngsten Angaben zufolge gab es mindestens 107 Verletzte, als innerhalb weniger Minuten drei Sprengsätze in vollbesetzten Restaurants in den Touristenhochburgen Jimbaran und Kuta detonierten. Hinweise auf deutsche Opfer lagen bis zum Sonntagmorgen nicht vor. Ob islamische Extremisten hinter der Anschlagsserie stecken, war unklar.

Zwei der Bomben gingen unter den Besuchern von Fischrestaurants am Strand von Jimbaran hoch, die dritte in einem Steak-Restaurant in Kuta Beach. Der Chef der Antiterror-Abteilung im Ministerium für Sicherheit, Ansyaad Mbai, sagte der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage, ob es sich dabei um Selbstmordattentate handele: "Hinweise führen auf diese Spur. Wir haben von Körpern abgetrennte Köpfe gefunden und alle im Bereich der Explosionen." Es sei noch nicht klar, ob die Täter den Sprengstoff in Westen am Körper oder auf andere Weise zu den Tatorten gebracht hätten.

"Das ist eindeutig eine terroristische Tat"

Sicherheitsexperten erklärten, die Anschläge trügen die Handschrift der Jemaah Islamiah. Die moslemische Extremistenorganisation gilt als als Arm der Al-Kaida in Indonesien und wird auch für die Anschläge auf balinesische Nachtclubs vor fast genau drei Jahren verantwortlich gemacht. Damals waren 202 Menschen getötet worden, darunter Touristen aus Deutschland.

Indonesiens Präsident Bambang Yudhoyono sagte zu den Angriffen vom Samstag. "Das ist eindeutig eine terroristische Tat." Die Regierungen der USA, Großbritanniens und Deutschlands Australiens verurteilten die Anschläge. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, Bali sei erneut Schauplatz einer terroristischen Gräueltat geworden. Der australische Ministerpräsident John Howard erklärte, die verübten Attentate zielten darauf, der moderaten Regierung Indonesiens zu schaden.

"Es gab eine Panik. Jeder versuchte zu entkommen"

Nach Angaben des indonesischen Gesundheitsministeriums konnten bislang 15 Todesopfer identifiziert werden. Dabei handele es sich um zwölf Indonesier, darunter ein sechsjähriger Junge, zwei Australier und einen Japaner. Unter den Verletzten seien 49 Menschen aus Indonesien, 14 Australier, sechs Südkoreaner, vier US-Amerikaner und drei Japaner. Die Reisekonzerne TUI und Thomas Cook teilten am Samstagabend unter Berufung auf ihre örtlichen Reiseleiter mit, keiner ihrer mehreren hundert Gäste in dem Gebiet sei unter den Opfern.

Das knapp 1000 Kilometer östlich der indonesischen Hauptstadt Jakarta gelegene Bali ist das von Ausländern meist besuchte Ferienziel des Landes. Die Anschläge kamen zu einer Zeit, als sich die wirtschaftlich vom Tourismus abhängige Insel gerade von den Folgen der Attentate von 2002 zu erholen schien. Die sonst belebten Straßen und Plätze an den Tatorten waren auch am Sonntag noch weiträumig abgesperrt. Durch die Wucht der Explosionen waren Tische und Stühle der Restaurants weit umhergeflogen. Die betroffenen Gebäude schienen jedoch weitgehend unbeschädigt zu sein. Der 33 Jahre alte Surflehrer Wayan Jipnag schilderte den Moment einer Explosion in Jimbaran: "Es gab eine Panik. Jeder versuchte zu entkommen. Ich sah Gliedmaßen, ich sah Köpfe auf dem Strand liegen. Es war ein Chaos."

Qantas bringt Australier mit Extraflug nach Hause

Unterschiedliche Angaben gab es am Sonntag über die Auswirkungen der Anschläge auf den balinesischen Reiseverkehr. Ein Flughafenmanager sagte Reuters, es gebe keinen Anstieg bei der Zahl der Passagiere, die die Insel verlassen wollten. Dagegen erklärte ein Vertreter der australischen Fluggesellschaft Qantas: "In der Tat haben wir sehr viele Buchungen erhalten. Wir werden heute Abend ganz sicher einen Extraflug nach Sydney haben." Qantas wollte nach eigenen Angaben eine 230-sitzige Boeing 767 mit medizinischem Personal und Sicherheitsteams nach Bali schicken. Auf dem Rückweg sollte die Maschine Passagiere mitnehmen, die die Insel verlassen wollen.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte in einem aktualisierten Sicherheitshinweis für Indonesien, in dem asiatischen Land müsse weiterhin mit Anschlägen islamistischer Extremisten gerechnet werden. Als gefährdet gelten demnach Orte, die bevorzugt von Ausländern besucht oder mit dem westlichen Ausland identifiziert werden. Besonders genannt wurden auf der Internetseite des Ministeriums Hotels, Botschaften, Einkaufszentren und touristische Einrichtungen.

Weltweites Entsetzen nach Bombenanschlägen

Die indonesische Polizei fahndet nach eigenen Angaben nach zwei Autos, in denen die Bomben transportiert worden sein könnten. Der Präsident des Landes, Susilo Bambang Yudhoyono, verurteilte die Taten in einer Fernsehansprache als "terroristische Anschläge". Der australische Premierminister John Howard sagte: "Es sollte als das gesehen werden, was es ist, ein willkürlicher Versuch, das demokratische Indonesien zu untergraben", sagte Howard am Sonntag.

Der australische Außenminister Alexander Downer vermutete die radikalislamistische Gruppe Jemaah Islamiya (JI) hinter der Tat. Die hatte in den vergangenen Jahren auf Bali bereits mehrere Anschläge verübt. Die Gruppe soll Verbindungen zum El-Kaida-Netzwerk haben. Auch die Bundesregierung verurteilte die "menschenverachtenden Anschläge auf Bali auf das Schärfste".

US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, die USA stünden an der Seite des Volkes und der Regierung Indonesiens in Bemühen, die Verantwortlichen der terroristischen Akte vor Gericht zu bringen. "Wir werden weiter in unserem gemeinsamen Kampf gegen Terror zusammenarbeiten", sagte Rice am Samstag in Washington.

Internationale Hilfsangebote an Indonesien

Viele Regierungen boten am Sonntag Indonesien spontan Hilfe bei der Bewältigung der Tragödie an. Malaysias Außenminister Syed Hamid Albar sprach die Hoffnung aus, die beiden als Drahtzieher verdächtigten malaysischen Extremisten mögen bald gefasst werden. Die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo sagte mit Blick auf den eigenen Kampf gegen islamische Extremisten, der Preis für die Freiheit sei "andauernde Wachsamkeit". Der britische Premierminister Tony Blair sagte, seine Regierung stehe bereit zu helfen, wo immer sie könne. Ein Sprecher des Weißen Hauses, Erin Healy, bot die Hilfe der USA an. Der australische Ministerpräsidenten John Howard bot medizinische und polizeiliche Hilfe an.

In Deutschland verurteilte die Bundesregierung die Anschläge von Bali scharf. Außenminister Joschka Fischer erklärte am Samstagabend in Berlin, die Hintergründe der Taten müssten aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die indonesische Regierung könne sich im Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf die Solidarität der Bundesregierung verlassen.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters