HOME

Terror: Neuer Bombenfund an Bahnstrecke in Frankreich

Ein verdächtiges Paket mit mehreren Zündern ist auf einer französischen Bahnstrecke südöstlich von Paris gefunden worden. Bombenexperten haben das Objekt unschädlich gemacht.

Einen Monat nach dem Fund einer Bombe der Bahn-Erpresser AZF ist in Frankreich erneut ein Sprengsatz entdeckt worden. Ein Eisenbahner stieß bei einem Kontrollgang am Mittwoch bei Troyes an der Linie Paris-Basel auf eine mit Sprengstoff gefüllte und sieben Zündern versehene Plastikschachtel. Zunächst war unklar, ob es sich um eine scharfe Bombe handelte. Das Innenministerium betonte, es gebe Unterschiede zu dem Ende Februar entschärften Sprengsatz.

Die Schachtel lag nur halb verborgen zwischen Schotter und Gleis in einem Abschnitt bei Montieramey südöstlich von Paris. Die Eisenbahngesellschaft SNCF kündigte an, so schnell wie möglich erneut tausende Mitarbeiter zu einer kompletten Kontrolle ihres 32.000 Kilometer langen Schienennetzes auszuschicken.

Zwei gescheiterte Übergabeversuche

AZF fordert knapp sechs Millionen Euro von der Regierung. Ende Februar leitete die Gruppe die Polizei zu einer Bombe an der Linie zwischen Toulouse und Paris. Die Täter erklärten, sie hätten acht oder neun weitere Sprengsätze an Bahnstrecken und weitere zwei an symbolischen Orten versteckt. Zwei Geldübergabeversuche scheiterten.

Sprengsatz im Schotter vergraben

Der Kabinettschef von Innenminister Nicolas Sarkozy, Claude Gueant, sagte, die Zünder und die Art des Sprengstoffes in einer Plastikschachtel ähnelten der AZF-Bombe. Doch gebe es zwei bedeutende Unterschiede: Der Sprengsatz sei nicht tief im Schotter vergraben gewesen, und bei der Zeitschaltuhr handele es sich um ein Küchenmodell. Bei Limoges sei ein technisch viel anspruchsvolleres Modell benutzt worden.

Sprengsatz mit Zeitschaltuhr

In der etwa 20 mal 20 Zentimeter großen Plastikschachtel befand sich Nitrat und Öl - daraus bestand auch die am 21. Februar entschärfte Bombe bei Limoges, die die Gleise hätte zerstören können. Darüber hinaus bestand der Sprengsatz aus einer flachen Batterie, die mit sieben Zündern verbunden war, sowie der Zeitschaltuhr. Ein Kabel habe sich gelöst, teilte das Ministerium weiter mit.

Krisensitzung im Innenministerium

Die Behörden nahmen die Sache ernst. Der Fundort wurde nach Angaben der SNCF vollständig abgeriegelt, es kam zu Verspätungen von über einer Stunde. Im Pariser Innenministerium kamen Spitzenpolizisten zu einer Krisensitzung zusammen. Ein Staatsanwalt der Anti-Terror-Abteilung fuhr an den Fundort.

Verschärfte Gleiskontrollen

Die Bahngesellschaft SNCF hatte die Gleiskontrollen nach Bekanntwerden der Bombendrohungen verschärft. Eine erste Kontrolle des gesamten Schienennetzes hatte kein Ergebnis gebracht.

Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin traf am Mittwochnachmittag mit dem Flugzeug in Troyes ein, wo er eine Wahlkampfkundgebung abhalten wollte.

Letzte Woche war eine weitere Drohung gegen Frankreich bekannt geworden. Ein angeblich islamistisches "Kommando Moswar Barajew" kündigte wegen des Kopftuch-Verbots in französischen Schulen Anschläge an. Die Behörden betonten in einer ersten Stellungnahme, das Schreiben habe eine andere Diktion als bekannte Mitteilungen von Islamisten.