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Terrorwarnung: Rau brach Afrikareise schweren Herzens ab

Nach dem überraschenden Abbruch seiner Afrikareise ist Bundespräsident Johannes Rau in Berlin gelandet. Er äußerte zugleich sein Bedauern über diesen Vorfall.

Es war ein entspannter Abend zum Abschluss einer anstrengenden Afrikareise. Nach dem Empfang beim deutschen Botschafter in Tansania versammelte sich am Dienstagabend in Daressalam noch eine kleine Runde im siebten Stock des Delegationshotels bei Bundespräsident Johannes Rau, als der stellvertretende Chef des Präsidialamtes das Staatsoberhaupt herausholte. Wenig später war es mit der Entspannung vorbei. Rau hatte kurzfristig wegen eines gegen ihn geplanten Mordanschlags seinen für Mittwoch geplanten Besuch bei den deutschen Marinesoldaten in Dschibuti am Horn von Afrika abgesagt. Rau wollte auf der Fregatte "Augsburg" den vor Dschibuti im Rahmen des weltweiten Anti-Terrorkampfes stationierten deutschen Soldaten für ihren Einsatz danken.

Rau zeigt sich gelassen

Rau, der Nigeria und Tansania Staatsbesuche abgestattet hatte, gab sich trotz der Bedrohung völlig gelassen und überließ es seinem Sprecher, die schlechte Nachricht zu übermitteln. Aber, so sagte er, persönlich übel nehme er das schon. Die Bedrückung ob dieser anonymen Bedrohung war bei vielen in der Delegation zu spüren.

"Ich will meine Reisepläne auch in Zukunft nicht von Terroristen diktieren lassen", erklärte Rau. "Ich musste mich aber davon überzeugen lassen, dass ein Festhalten an dem Besuchsprogramm unter diesen Umständen und an diesem besonderen Ort viele Menschen in erhebliche Gefahr gebracht hätte." Dieses Risiko sei nicht zu vertreten gewesen. Weiter sagte der Bundespräsident: "Wir erleben gerade jetzt wieder, welche unberechenbare Gefahr vom internationalen Terrorismus ausgeht. Umso wichtiger ist der Einsatz der Männer und Frauen, die am Horn von Afrika und an anderen Orten der Welt den Frieden sichern helfen."

"Erhebliches und konkretes persönliches Risiko"

Den Informationen der Sicherheitsbehörden zufolge sollte mit dem Mordanschlag ein führender Repräsentant eines westlichen Staates getroffen werden. Es habe ein erhebliches und konkretes persönliches Risiko für den Bundespräsidenten bestanden. Auch die Sicherheit der Delegation und der Marinesoldaten habe nicht garantiert werden können.

Der Kommunikationsminister Dschibutis sagte, er wisse nichts von einem geplanten Anschlag. Auch ein Sprecher der in Dschibuti stationierten Anti-Terror-Truppen der USA zeigte sich überrascht von der deutschen Erklärung.

Terrorwarnung bereits zum Auftakt des Staatsbesuchs

Bereits am Sonntag in Arusha zum Auftakt des Staatsbesuchs in Tansania hatte Rau sich eher widerstrebend in eine andere Unterkunft umquartieren lassen. Der Personenschutz des Bundeskriminalamtes (BKA) hatte dazu dringend geraten, weil das Hotel in der Innenstadt nicht gut zu sichern sei. Dem war eine sehr unbestimmte Terrorwarnung der tansanischen Sicherheitsbehörden vorausgegangen. Völlig unklar ist, ob ein Zusammenhang mit dem geplanten Anschlag in Dschibuti besteht.

Die Terrorbedrohung begleitete den gesamten Aufenthalt in Tansania. Kurz bevor Rau die Inselgruppe Sansibar aufsuchte gab es einen Bombenanschlag auf das Haus des dortigen Verkehrsministers und einen Anschlag mit einer Handgranate auf ein Restaurant. Dies stand aber ganz offensichtlich nicht im Zusammenhang mit dem Rau-Besuch.

US-Regierung befürchtet Rückzugsräume in Afrika

Die US-Regierung befürchtet, dass sich die moslemische Extremisten-Organisation El Kaida neue Rückzugsräume in Afrika aufbauen könnte. Schwache politische Strukturen machten es den Moslemextremisten leicht, Anhänger zu werben und auszubilden. Seit Dezember 2002 wurden in Äthiopien, Eritrea, Sudan, Kenia, Dschibuti und Jemen nach US-Angaben dutzende mutmaßliche Moslemextremisten festgenommen.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr in Berlin bedauerte Rau auf dem Flughafen Tegel den frühzeitigen Abbruch seiner Reise: "Mir tut das sehr leid. Wir dürfen dem Terror nicht in einer Weise begegnen, die uns handlungsunfähig macht." Er sei gelassen, was die Situation in Deutschland betreffe. Hier habe sich die Gefahr nicht erhöht.

Norbert Klaschka, DPA / DPA