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Tiananmen-Gedenktag China blockiert alle Google-Dienste


Es soll das Erinnern verhindern: Kurz vor dem Gedenktag an das Massaker auf dem Himmlischen Platz verhindert China seinen Bürgern den Zugriff auf alle Google-Dienste und sperrt Bürgerrechtler weg.

Stärker als je zuvor blockiert Chinas Zensur den Zugang zu Google-Diensten. Die Sperren stehen möglicherweise im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 25. Jahrestag des Pekinger Massakers vom 4. Juni 1989 an diesem Mittwoch, könnten aber auch langfristig angelegt sein, wie Experten am Dienstag meinten. Vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft.

Mehr als 80 Kritiker wurden landesweit festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder verwarnt, um jede Erinnerung an die Opfer des brutalen Militäreinsatzes zu verhindern, wie Menschenrechtsgruppen kritisierten.

"Chinas Machthabern ist jedes Mittel recht: Mit Entführungen, Drohungen, Verhören, Hausarresten und willkürlichen Festnahmen wollen sie Friedhofsruhe auf dem Platz des Himmlischen Friedens durchsetzen", sagt Ulrich Delius, Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen. Auch beklagten ausländische Korrespondenten in China "zunehmende Behinderungen und Einschüchterungen" bei ihrer Berichterstattung vor dem heiklen Jahrestag.

Die Zensur behindert seit dem Wochenende fast alle Google-Dienste wie Suche, Gmail oder Maps, wie die Webseite Greatfire.org berichtete, die Chinas "Große Firewall" verfolgt. "Es ist die bisher strengste Zensur, die angewandt wurde." Google teilte laut Medienberichten nur mit: "Wir haben ausgiebig geprüft und es gibt keine technischen Probleme auf unserer Seite."

Der Internetkonzern verschlüsselt seit März alle Suchen aus China, doch stören die chinesischen Behörden jetzt schon die Verbindungen zu Googles Internetprotokoll-Adressen, berichtet Greatfire.org. Seit sich Google 2010 aus China zurückgezogen hat, um sich nicht weiter selber zensieren zu müssen, wurden Nutzer automatisch auf die Google-Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert.

Zwar hat Google ohnehin keinen großen Marktanteil in China, doch dürften laut Experten Zig-Millionen chinesischer Internetnutzer von den massiven Störungen betroffen sein. Marktführer in China ist die Suchmaschine Baidu, die ihre Suchen zensiert. Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie New York Times oder der Nachrichtenagentur Bloomberg geblockt.

Viele Chinesen umgehen die chinesischen Sperren mit Tunneldiensten, doch sind die Störungen solcher VPN-Verbindungen vor dem Jahrestag offenbar noch einmal intensiviert worden, beklagen Nutzer. Auch ausländische Unternehmen in China sind von Behinderungen betroffen.

stb/DPA DPA

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