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Todesschwadronen-Prozess: 25 Jahre Haft für Perus Ex-Präsident Fujimori

Klares Urteil: Der frühere peruanische Präsident Alberto Fujimori ist in einem Mordprozess wegen des Einsatzes von Todesschwadronen in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden und muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Fujimori-Anhängern und Gegnern.

Ein Gericht in Lima hat den peruanischen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori wegen Menschenrechtsverletzungen für schuldig befunden und ihn zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bei der Urteilsverkündung erklärte Richter César San Martín am Dienstag, die Fujimori zur Last gelegten Vergehen seien bewiesen.

Das im Fernsehen übertragene Verfahren gegen den ehemaligen Staatschef dauerte 15 Monate. Der 70-jährige Fujimori stand wegen zweier Massaker in den Jahren 1991 und 1992 mit insgesamt 25 Toten und zwei Entführungsfällen vor Gericht. Diese waren von der Gruppe Colina, einer Spezialeinheit des Geheimdienstes, verübt worden. Fujimori sei "indirekter Urheber", weil er an der Spitze des Machtapparates gestanden habe, ohne den die Taten nicht begangen worden wären, hieß es. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb eine 30-jährige Haftstrafe gefordert. Es wird damit gerechnet, dass Fujimori Einspruch einlegen wird. In seinem Schlusswort hatte er sich am Freitag als Opfer politisch motivierter Verfolgung dargestellt.

Bei einem Grillfest in Barros Altos wurden 1991 mit Maschinengewehren 15 Menschen erschossen, darunter ein achtjähriges Kind. Dabei handelte es sich um einen tödlichen Irrtum - die gesuchten Sympathisanten der Guerillaorganisation Leuchtender Pfad befanden sich auf einer anderen Etage des Mietshauses. Sieben Monate später, im Juli 1992, ließ die Gruppe Colina neun Studenten und einen linksgerichteten Professor "verschwinden". Fujimori wurde außerdem wegen der Entführung eines Geschäftsmannes und eines Journalisten im Jahr 1992 verurteilt.

Human Rights Watch hebt die internationale Bedeutung des Falls hervor

Menschenrechtsorganisationen hoben unmittelbar nach Bekanntwerden des Urteils dessen Bedeutung auf internationaler Ebene hervor. Es sei zum ersten Mal überhaupt ein demokratisch gewählter Präsident in einem vollkommen transparenten Verfahren wegen Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen verurteilt worden, sagte José Miguel Vivanco von Human Rights Watch.

Der Angeklagte, der noch in der vergangenen Woche alle Vorwürfe zurückgewiesen hatte, verfolgte die Urteilsverkündung äußerlich gelassen. Vor dem von starken Sicherheitskräften geschützten Gerichtsgebäude, einer Polizeikaserne, kam es zu Rangeleien zwischen Anhängern des Angeklagten und seinen Gegnern. Die Anhänger hatten für den Fall einer Verurteilung mit Straßenprotesten gedroht.

Alberto Fujimori regierte Peru von 1990 bis 2000. Als er im Jahre 2000 wegen zahlreicher Korruptionsaffären und Wahlbetrugs innenpolitisch unter Druck geraten war, hatte er während einer Auslandsreise seinen Rücktritt erklärt. Im November floh Fujimori nach Japan, die Heimat seiner Vorfahren. Dort war er wegen seiner japanischen Staatsbürgerschaft vor einer Auslieferung an Peru sicher. Fünf Jahre später zog er nach Chile. Die Hoffnung auf ein politisches Comeback in Peru erfüllte sich aber nicht. Stattdessen beantragte das oberste chilenische Gericht 2007 die Auslieferung des früheren Präsidenten.

DPA/AP / AP / DPA