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Todestag Alexandros Grigoropoulos: Neue Krawalle erschüttern Griechenland

Heute jährt sich der Todestag des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos, der bei Unruhen in Athen durch eine Polizeikugel ums Leben kam. Die Polizei wollte durch ein Großaufgebot in diesem Jahr neue Krawalle verhindern, lieferte sich jedoch Straßenschlachten mit zahlreichen Vermummten. Mindestens sieben Menschen wurden verletzt.

Ein Jahr nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel ist Griechenland von neuen Krawallen erschüttert worden. Im Zentrum Athens lieferten sich am Sonntag rund 300 Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei. Die Randalierer zündeten Mülltonnen an und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, mehrere Schaufenster gingen zu Bruch. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. "Es kam immer wieder zum Nahkampf", berichteten Reporter. Mindestens sieben Menschen wurden leicht verletzt. Die Polizei hatte 10.000 Beamte mobilisiert. Für diesen Montag sind landesweit weitere Demonstrationen gegen "Polizeiwillkür" angekündigt.

Eine Spur führt möglicherweise auch nach Hamburg. Nach einem Bekennerschreiben an die "Hamburger Morgenpost" soll ein Anschlag auf eine Polizeiwache in der vergangenen Woche mit den Geschehnissen in Griechenland in Verbindung stehen. Mit dem Anschlag habe man an die "Ermordung" des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos erinnern wollen, heißt es in dem Schreiben. Eine Gruppe "Koukoulofori" ("Die Vermummten") gab an, Streifenwagen angezündet, Fenster eingeworfen und Beamte mit Steinen attackiert zu haben. Die angegriffene Wache sei für "Misshandlungen und rassistischen Terror" bekannt. Die Polizei bestätigte die Existenz des Schreibens.

Universitätsrektor mit Kopfwunde im Krankenhaus

In Athen drangen Autonome ins historische Gebäude des Rektorats der Universität ein und beschmierten die Wände mit Sprüchen wie "Gewalt gegen die Staatsgewalt". Die Randalierer hissten die rotschwarze Fahne der Anarchie auf dem Gebäude. Der Universitätsrektor Christos Kittas wurde verletzt, er musste mit Kopfwunde ins Krankenhaus gebracht werden, hieß es in Radioberichten.

Auch in der Hafenstadt Thessaloniki kam es zu Ausschreitungen. Vermummte warfen Dutzende Brandflaschen auf die Polizei und zerstörten mehrere Schaufenster. Die Sicherheitskräfte setzten massiv Tränengas ein. Hunderte Passanten flohen aus dem Zentrum, wie das Fernsehen berichtete.

Zuvor hatten zahlreiche Menschen an einer "Seelenmesse" am Grab des 15-Jährigen teilgenommen. Die Familie des Jungen hatte die Medien gebeten, dem Grab fernzubleiben, berichteten Reporter, die den Gottesdienst in der Athener Vorstadt Palaio Faliro aus der Ferne beobachteten. Nach dem Tod des Jungen war Griechenland von einer beispiellosen Welle der Gewalt überzogen worden.

Bereits in der Nacht zum Sonntag kam es in Athen und der Hafenstadt Thessaloniki zu Ausschreitungen. In der Athener Vorstadt Keratsini besetzten Autonome mehrere Stunden lang das Rathaus. Die Sicherheitskräfte nahmen mehr als 160 Menschen vorläufig fest, in 84 Fällen wurde Anklage erhoben, wie es hieß. Unter den Festgenommenen waren nach Medienberichten auch zwei Frauen aus Spanien und fünf Männer aus Italien.

AFP/DPA / DPA