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Treffen in Jekaterinburg Angela Merkel, der liebe Dmitri und die Hamburger


Und plötzlich sind sie doch wieder Freunde. Beim deutsch-russischen Regierungstreffen in Jekaterinburg lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland.

Jahrelang hat Gereiztheit fast alle deutsch-russischen Kontakte auf höchster Ebene ausgezeichnet. Immer wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Wladimir Putin oder Dmitri Medwedew bei einer Pressekonferenz an einem Pult stand, belauerte man sich gegenseitig. Die deutsche Wirtschaft raufte sich unterdessen die Haare, weil sie um Aufträge fürchtete. Würde die eine den anderen nun wieder wegen Menschenrechtsverletzungen vorführen? Oder würde man sich gegenseitig wegen der Anerkennung abtrünniger Provinzen auf dieser Welt in harschem Ton belehren, um dann mit knirschenden Zähnen formelhaft ein Bekenntnis zur deutsch-russischen strategischen Partnerschaft hinterher zu schicken? Als kleine Provokation ließ der damalige Präsident Putin auch schon mal seinen Labrador an den Beinen einer sichtlich angespannten Kanzlerin schnüffeln wie bei den deutsch-russischen Konsultationen in Tomsk im Jahr 2006.

Doch seit Donnerstag ist alles anders. Denn im Gouverneurspalast der russischen Uralstadt Jekaterinburg gleichen Tonlage und Körpersprache plötzlich der zweier alter Freunde. "Und dann will ich mich noch ganz herzlich bei dir, lieber Dmitri, bedanken", flötet Merkel nach den deutsch-russischen Konsultationen. Der russische Präsident spricht von der "lieben Angela" und schwärmt, man habe bis in die frühen Morgenstunden zusammengesessen und über Gott und die Welt geredet. Dann preist er noch Deutschland in den höchsten Tönen als wichtigsten Modernisierungspartner Russlands weltweit.

Merkel und Medwedew in trauter Zweisamkeit

Schon zuvor war man beim Petersburger Dialog und den deutsch-russischen Wirtschaftsgesprächen in trauter Zweisamkeit aufgetreten. Mehr Harmonie war im deutsch-russischen Verhältnis seit dem Abgang von Gerhard Schröder und Wladimir Putin nicht mehr. Natürlich ist dies auch Berechnung. Vor wenigen Wochen waren Merkel und Medwedew demonstrativ entspannt durch den Garten im Schloss Meseberg flaniert. Die Großwetterlage zwischen den USA, Europa und Russland steht derzeit eben auf Entspannung, da will niemand streiten. Außerdem teilen die Länder heute mehr Interessen als Streitthemen. Aber beide Seiten wissen, dass auch der personelle Wechsel im Kreml von Putin zum umgänglichen Juristen Medwedew langsam Früchte trägt. "Die Chemie stimmt zwischen ihm und Merkel", heißt es in ihrer Entourage - was man für das Verhältnis des Schröder-Freundes Putin zu der CDU-Vorsitzenden wirklich nicht sagen konnte.

Doch mit der neuen Generation kommt ein anderer Politikstil - weshalb Medwedew im fernen Kalifornien mit US-Präsident Barack Obama schon mal vor laufenden Kameras einen Hamburger in einem Fastfood-Lokal verspeist, beide im entspannten Freizeitlook. Und damit die neue Freundschaft von Merkel und Medwedew von Anfang an keinen falschen Zungenschlag bekommt, wird der Amerikaner gleich vehement in eine Trio-Harmonie vereinnahmt. Politik sei eben anders als die Schule, wo man nur eine Freundin oder einen Freund haben könne, wehrt Merkel Fragen ab, ob ihre Vertrautheit mit dem russischen Präsidenten nicht mittlerweile die mit dem amerikanischen übertreffe. "Es ist doch schön, wenn man viele Freunde hat", fügt sie augenzwinkernd hinzu und lächelt.

Nach den Wochen des innenpolitischen und innerkoalitionären Hick-Hacks in Berlin genießt Merkel die Harmonie im Ausland. Überhaupt Obama - mit dem verstünden sich doch beide gleich gut. Medwedew kontert, das könne man den Medien ja beweisen, indem man nun einmal zu dritt Hamburger essen gehe. "Könnte aber sein, dass ich diejenige bin, der der Hamburger dann am besten schmeckt", spielt Merkel den Ball zurück.

Andreas Rinke, Reuters Reuters

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